
Mehrere Frankfurter Stadtratsfraktionen fordern die Absage des Thompson-Konzerts in der Jahrhunderthalle.
Die Diskussion um den geplanten Auftritt des kroatischen Sängers Marko Perković alias „Thompson“ in Frankfurt nimmt Fahrt auf. Wie wir in einem früheren Beitrag bereits berichtet haben, sorgt das für den 13. November geplante Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle für massiven Gegenwind – und der wird jetzt noch lauter. Denn inzwischen fordern nicht mehr nur einzelne Stimmen, sondern gleich mehrere Stadtratsfraktionen die Absage des Konzerts.
Den Anfang machte die Linke im Römer: Der Stadtverordnete Benjamin Aličić und Fraktionsvorsitzende Daniela Mehler-Würzbach forderten die Absage unmissverständlich. Ihre Begründung: „Mit Faschismus macht man keine Geschäfte. Thompson steht seit Jahren wegen nationalistischer und faschistischer Symbolik bei seinen Auftritten in der Kritik.“
Konkret verweist Aličić auf Thompsons bekanntestes Lied „Bojna Čavoglave“, das mit den Worten „Za dom spremni“ beginnt – dem Gruß der faschistischen Ustaša-Regierung. Die Ustaša war im Zweiten Weltkrieg für die systematische Verfolgung und Ermordung von Serb:innen, Jüdinnen und Juden, Roma, Sinti sowie politischen Gegner:innen verantwortlich und kollaborierte mit dem NS-Regime. Auch in den Jugoslawienkriegen beriefen sich kroatische Nationalist:innen ausdrücklich auf die Ustaša.
Kurz danach zogen auch die Fraktionen der Grünen und der CDU nach – eine breite politische Front also, die sich gegen den Auftritt stellt. Die Grünen machen dabei eine wichtige Unterscheidung: „Unsere Kritik richtet sich nicht gegen Kroatien, die kroatische Kultur oder Menschen mit kroatischen Wurzeln, sondern gegen die Verherrlichung des faschistischen Ustaša-Regimes“, erklärt Emre Telyakar, stellvertretender Fraktionsvorsitzender.
Sowohl die Grünen als auch die CDU betonen: Kunstfreiheit ist ein hohes Gut – aber kein Freifahrtschein für alles. „Kunstfreiheit ist ein Grundpfeiler unserer Demokratie. Sie begründet aber keinen Anspruch auf jede Bühne“, heißt es von den Grünen. CDU-Stadtverordneter Christian Becker fordert „eine klare Haltung und alle rechtlich möglichen Schritte gegen diesen Auftritt“.
Die Jahrhunderthalle dürfe nicht zum Ort werden, an dem extremistische Ideologien verharmlost oder salonfähig gemacht würden – das ist die klare Botschaft der CDU. Frankfurt stehe schließlich für Weltoffenheit, Toleranz und ein friedliches Zusammenleben.
Trotz des wachsenden Drucks aus der Politik und zahlreicher E-Mails von Frankfurter Bürger:innen, die ebenfalls die Absage fordern, bleibt die Jahrhunderthalle bei ihrer Linie: Das Konzert soll stattfinden. Die Verantwortlichen betonen laut einem Bericht von „hessenschau.de“, dass der Auftritt nach aktueller Bewertung nicht gegen geltendes Recht verstoße – und deshalb gebe es derzeit keine rechtliche Grundlage für eine Absage.
Die Jahrhunderthalle gehört dem Berliner Live-Entertainment-Konzern DEAG (Deutsche Entertainment AG). Eine politische Forderung ist also das eine – aber ohne rechtliche Handhabe bleibt der Spielraum begrenzt. Die Debatte erinnert dabei an ähnliche Diskussionen in Frankfurt: Auch beim World Club Dome gab es zuletzt Streit um einen Rapper-Auftritt, und gegen Roger Waters wurde 2023 protestiert. Beide Male standen Antisemitismusvorwürfe im Raum.
Der 13. November rückt näher – und die Fronten sind klar. Auf der einen Seite ein breites politisches Bündnis aus Linken, Grünen und CDU, das die Absage fordert. Auf der anderen Seite eine Veranstaltungsstätte, die sich auf die fehlende Rechtsgrundlage beruft. Ob sich daran noch etwas ändert, bleibt abzuwarten. Wir halten euch auf dem Laufenden!






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