
Der Bockenheimer Ortsbeirat kritisiert das Frankfurter Umweltdezernat: Ein Taubenhaus auf dem Alten Friedhof wurde ohne Anhörung aufgestellt – jetzt fordert…
Frankfurt, wir müssen reden! In Bockenheim sorgt ein umgebauter Seecontainer gerade für mächtig Zündstoff: Das Umweltdezernat hat auf dem Alten Friedhof an der Solmsstraße ein Taubenhaus aufgestellt – und dabei einfach vergessen, den Ortsbeirat zu fragen. Kein Wunder, dass die Gemüter jetzt hochkochen.
In seiner Sitzung am Montagabend machte das Stadtteilparlament seinem Ärger deutlich Luft. Ein gemeinsamer Antrag von CDU, FDP und SPD wurde mehrheitlich verabschiedet – mit einer klaren Botschaft: Her mit einem neuen Standort für den Seecontainer! Und das ist keine neue Forderung: Bereits im Juni hatte der Ortsbeirat dasselbe verlangt. Passiert ist seitdem – nichts.
FDP-Fraktionsvorsitzender Falk Thore Gebhardt brachte es auf den Punkt: Die fehlende Anhörung des Ortsbeirats sei nicht nur respektlos, sondern verstoße auch gegen die Hessische Gemeindeordnung und die Satzung der Ortsbeiräte der Stadt Frankfurt. Denn darin steht klar: Bei der Nutzung und Widmung von Grünanlagen müssen Ortsbeiräte gehört werden. Das ist diesmal ausgeblieben.
SPD-Mann Tim Hoppe legte nach und forderte, das Dezernat solle endlich Mittel für einen ordentlichen Taubenschlag einstellen – sonst dürfe man nicht von Tierschutz reden. Der Magistrat hingegen sieht den Standort als ideal an: Die unmittelbare Nähe zum Westbahnhof, wo eine Taubenpopulation von mehreren Hundert Tieren lebt, mache den Alten Friedhof zum perfekten Ort für ein betreutes Taubenhaus. Mit Locktauben sollen die Vögel schrittweise an den Container gewöhnt werden.
Besonders hart trifft es die Prophet Elias Gemeinde direkt nebenan. Inga Kaminski schilderte in der Bürgerfragestunde die Lage deutlich: Überall – auch an der Fassade – müsse Taubenkot entfernt werden. „Das ist ein erheblicher Mehraufwand, den wir als Gemeinde nicht mehr leisten können“, sagte sie und stellte eine finanzielle Beteiligung der Stadt für Reinigungskosten in den Raum. Ihr Fazit: „Keine Gemeinde sollte in Tierkot versinken.“
Hans-Jürgen Hammelmann von der Linken sieht noch ein weiteres Problem: Der Standort liege in unmittelbarer Nähe zu einem Spielplatz und einem Schulweg – für ihn hygienisch bedenklich. Und Hoppe ergänzte: Taubenhäuser gehörten sowieso auf Dächer und nicht ebenerdig aufgestellt.
Grünensprecherin Katrin Haus brachte das Augsburger Stadttaubenmodell ins Spiel: betreute Taubenschläge auf Dächern, Türmen oder in Parkhäusern zur Regulierung der Population. Gleichzeitig mahnte sie: Die Tauben verschwänden ja nicht einfach, wenn man den Container vom Friedhof entfernt – das widerspreche dem Tierschutzgesetz.
Während der Streit tobt, plant Frankfurt aber auch vorwärts: Frankfurter Stadttaubenmanager Dominik Legrum kündigte eine regelrechte „Volkszählung“ bei Tauben an. An zehn ausgewählten Orten sollen Freiwillige eine Bestandsaufnahme der Taubenpopulation durchführen. Auf Basis der Ergebnisse soll dann entschieden werden, wie viele Taubenhäuser Frankfurt wirklich braucht. Außerdem ist ein Pilotprojekt im Bahnhofsviertel in Vorbereitung: Dort sollen geschützte Brutplätze entstehen, bei denen echte Eier gegen Attrappen ausgetauscht werden – um die Population langfristig zu reduzieren. Den genauen Standort wollte Legrum noch nicht verraten.
Fest steht: So, wie es gerade läuft, macht niemand in Bockenheim einen glücklichen Eindruck – weder der Ortsbeirat, noch die Kirchengemeinde, noch die Anwohner rund um den Alten Friedhof. Die Stadt muss liefern: mehr Dialog, bessere Standortwahl und endlich eine echte Lösung für das Frankfurter Taubenproblem. Wir bleiben dran – der Sound der Weltstadt verdient ein bisschen mehr als Taubenkot vor der Kirchentür!






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