
Im Frankfurter Bahnhofsviertel droht Wirten an der Kaiserstraße die Räumung ihrer Terrassen. Warum die Stadt jetzt handeln muss und was auf dem Spiel steht.
Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist seit Jahren eine der spannendsten, aber auch herausforderndsten Ecken unserer Stadt. Jetzt sorgt ein Behörden-Streit für Aufregung: Wirten an der Kaiserstraße wurde die Räumung ihrer Außenterrassen angedroht – und das trifft genau die Falschen zur falschen Zeit.
Das Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) hat Mahnbescheide verschickt. Der Vorwurf: Mehr Außenfläche als genehmigt, unerlaubte bauliche Maßnahmen, die Fußgänger und Menschen mit Behinderungen einschränken könnten. Mitarbeiter des Ordnungsamts hatten die Verstöße festgestellt und weitergeleitet. Rein formell haben damit wohl alle korrekt gehandelt – aber darum geht es hier nicht allein.
Denn wer kennt das Bahnhofsviertel, weiß: Die Kaiserstraße ist kein Ort wie jeder andere. Der öffentliche Raum wirkt dort zunehmend verwahrlost. Genau in diesem Umfeld sind gepflegte Gastro-Terrassen weit mehr als hübsche Sitzplätze – sie schaffen ein wünschenswertes Stück Normalität. Seriöse Gastronomie und ihre Kundschaft halten das Viertel lebendig und ziehen Menschen an, die dort sonst nicht hingehen würden.
Mehr genehmigte Außenfläche bedeutet mehr Bewirtungsmöglichkeiten. Eine schön gestaltete, solide umrandete Terrasse ist attraktiver als eine zugig-offene – und zieht entsprechend mehr Gäste an. Das Straßenbauamt sieht das nicht als seine Aufgabe, die wirtschaftlichen Interessen von Restaurantbetreibern zu vertreten. Das stimmt. Und doch: Vorschriften im Bahnhofsviertel engherzig auszulegen, ist das falsche Rezept.
Die Forderung ist klar: Die Stadt muss ihre Kräfte bündeln. Straßenbauamt, Ordnungsamt, die zuständigen Dezernate und alle anderen Akteure in Politik und Verwaltung müssen ihr Handeln besonders sorgfältig auf Plausibilität prüfen – gerade dann, wenn es das Bahnhofsviertel betrifft.
Was konkret gefordert wird: Ein Runder Tisch zur Gastronomie im Bahnhofsviertel, an dem alle relevanten Akteure gemeinsam Lösungen erarbeiten. Satzungen können geändert werden, wenn der politische Wille da ist. Ein rechtssicherer Rahmen muss her, der die Belange der Gastronomen ernst nimmt – ohne dabei zum Beispiel Barrierefreiheit preiszugeben. Und ja, gerne darf auch der Oberbürgermeister persönlich daran Platz nehmen.
Klar ist: Das Bahnhofsviertel braucht keine zusätzlichen Hürden für die Menschen, die dort Tag für Tag für Belebung sorgen. Die Wirte an der Kaiserstraße sind Teil der Lösung – nicht Teil des Problems. Wer Frankfurt wirklich kennt und liebt, weiß, dass lebendige Gastronomie ein Anker ist, der ein ganzes Viertel zusammenhalten kann.
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