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#StolenMemory: Wenn gestohlene Erinnerungsstücke nach Hause finden

#StolenMemory: Wie die Arolsen Archives gestohlene Erinnerungsstücke von NS-Opfern aufspüren und Familien nach Jahrzehnten ihre Geschichte zurückgeben.

Redaktion
·
15. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 45 Minuten

Gestohlene Habseligkeiten, verlorene Geschichten

Uhren, Eheringe, Fotos: Dinge, die eigentlich nichts Besonderes sind. Und doch stecken dahinter ganze Familiengeschichten, die über Jahrzehnte verschüttet waren. Genau darum geht’s bei #StolenMemory – einer Kampagne der Arolsen Archives, die seit 2016 nach den Angehörigen von NS-Opfern sucht, um ihnen persönliche Gegenstände zurückzugeben.

Die Arolsen Archives sind laut tagesschau.de das weltweit größte Dokumentationsarchiv von NS-Verbrechen. Rund 30 Millionen Dokumente lagern dort, dazu Gegenstände, die Häftlingen in Konzentrationslagern abgenommen wurden. Noch immer liegen in Bad Arolsen etwa 2.000 solcher Erinnerungsstücke – Uhren, Ringe, Ketten, Fotografien. Und die Zeit drängt: Je länger die Suche dauert, desto schwieriger wird es, noch lebende Angehörige zu finden.

Detektivarbeit für die Erinnerung

Wie mühsam die Suche sein kann, zeigt der Fall des Polen Henryk Jatkiewicz, über den die tagesschau berichtet. Seine Taschenuhr, sein Ehering und sein Siegelring landeten 1944 in einem Umschlag im KZ Auschwitz, wurden später ins KZ Neuengamme weitergeschickt – und dann verlor sich seine Spur. Erst eine genaue Prüfung der Unterschrift auf dem alten Umschlag brachte den entscheidenden Hinweis: Der Name war schlicht falsch übertragen worden. Richtig hieß er Jałkiewicz, nicht Jatkiewicz. Ein einziger Buchstabe, der jahrzehntelang eine ganze Spur verschwinden ließ.

Mit dieser Korrektur kam Ehrenamtliche Manuela Golc der Familie auf die Spur. Sie fand die Geburtsurkunde in Lodz, die Namen der Eltern und Geschwister – alle bereits verstorben. Auf dem Friedhof entdeckte sie frische Blumen am Grab des Bruders und hinterließ dort eine Nachricht mit Telefonnummer, in der Hoffnung, dass sich noch lebende Angehörige melden.

Vom Großvater zum Helden

Wie wertvoll so eine Rückgabe sein kann, erzählt die tagesschau am Beispiel von Agnieszka Bochenska. Sie erhielt vor drei Jahren eine Uhr, zwei Eheringe, eine Kette und ein Foto zurück, die ihrem Großvater gehörten. Erst durch diese Gegenstände begann sie, seine Geschichte zu recherchieren – und erfuhr, dass er Teil eines polnischen Untergrundnetzwerks in Auschwitz war, das Informationen über die Verbrechen im Lager nach außen schmuggelte. Aus dem einfachen Opa wurde so ein Mensch mit eigener, bewegender Geschichte.

Was hinter den Dokumenten steckt

Grundlage für viele dieser Funde sind sogenannte Effektenkarten. Laut dem e-Guide der Arolsen Archives wurden diese Karten bei der Ankunft im Konzentrationslager angelegt, um die Habseligkeiten der Häftlinge zu verzeichnen – von Uhren über Ausweise bis zu Kleidungsstücken. Vor Kriegsbeginn bekamen Häftlinge ihre Sachen bei der Entlassung meist zurück. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr wurde daraus Raub: Ab 1942 waren polnische, jüdische und sowjetische Häftlinge von der Rückgabe-Regelung ausgenommen, ihre Habseligkeiten zog die SS zugunsten des Deutschen Reichs ein. Eine Verordnung von November 1944 ordnete schließlich an, dass Effekten ausländischer Häftlinge grundsätzlich nicht mehr zurückgegeben werden sollten.

Erhalten geblieben sind laut dem e-Guide der Arolsen Archives Effekten von rund 3.000 Häftlingen, vor allem aus den Lagern Neuengamme und Dachau – und bei vielen sind die Namen der ursprünglichen Besitzer bekannt. Genau das macht #StolenMemory möglich.

Warum das zählt

Für die Direktorin der Arolsen Archives, Floriane Azouly, steckt hinter jeder Rückgabe mehr als nur ein Gegenstand. Wie sie der tagesschau sagte, werde mit jedem Fund auch ein Stück Familiengeschichte sichtbar – und die Frage, was eine Familie daraus für die Gegenwart mitnimmt. Rund 600 Fälle allein aus Polen gelten noch als ungeklärt. Jeder einzelne davon könnte eine ähnliche Geschichte wie die von Henryk Jałkiewicz oder Agnieszka Bochenskas Großvater bergen.

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