Studio-Hotline 069–669 669 0

Serialität im Wohnungsbau: „Im Modus der Serie

Die Ausstellung „Im Modus der Serie

Redaktion
·
29. Juli 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Wochen

Wenn die Serie zum Lebensraum wird

Frankfurt zeigt, was Architektur kann – und das im besten Rahmen: Das Museum Angewandte Kunst präsentiert gerade die Ausstellung „Im Modus der Serie“, die einen spannenden Bogen von den 1920er-Jahren bis heute schlägt. Die Schau fragt: Wie verändert serielle Produktion unsere Städte – und macht sie das wirklich lebenswerter? Als Teil des umfangreichen Programms der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 trifft diese Frage den Nerv der Zeit.

Initiiert wurde die Ausstellung von der Frankfurter Stiftung urban future forum. Kuratiert hat sie Prof. Axel Sowa von der RWTH Aachen University, unterstützt von Florian Eschner und einem Team aus Lehrenden und Studierenden. Mitgewirkt haben außerdem Studierende der HfG Offenbach unter Leitung von Prof. Matthias Wagner K sowie Studierende der TH Gießen unter Prof. Norbert Hanenberg, der zur Entwicklung der Ausstellungsmöbel beigetragen hat.

Vom Neuen Frankfurt bis Paris – Beispiele, die Geschichte schreiben

Die Ausstellung startet direkt vor der eigenen Haustür: beim Neuen Frankfurt der 1920er-Jahre. Damals wurden für Siedlungsbauten sogar Farbtafeln für die Möblierung vorgegeben – fröhlich und sachlich zugleich. Ein Paradebeispiel ist die berühmte Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky, die zeigt, wie serielle Gestaltung und Wohnqualität zusammenpassen können.

Ein weiteres Highlight: der Visionär Jean Prouvé (1901–1982), dessen profilierte Aluminiumelemente Schule gemacht haben. Sein zerlegbares Haus – entwickelt für heimatlos gewordene Kriegsopfer in Lothringen – beweist, dass serielles Bauen auch Menschlichkeit transportieren kann. Und: Sein 1954 errichtetes Privathaus in Nancy, die Maison Prouvé, entstand aus „Resteverwertung“ vorgefertigter Bauteile aus seiner eigenen Fabrik „Les Ateliers Jean Prouvé“ in Maxéville.

Ganz anders, aber ebenso faszinierend: der Wiederaufbau der zu 80 Prozent zerstörten Hafenstadt Le Havre nach 1944. Architekt Auguste Perret (1874–1954) arbeitete dabei eng mit dem Ingenieur Raymond Camus (1889–1980) zusammen. Dessen System Camus nutzte großformatige, in Fabriken vorgefertigte Betonplatten – inklusive bereits eingebauter Sanitäranlagen und Elektrik. Perrets Credo: „Mein Beton ist schöner als der Stein.“ Das Ergebnis? Heute steht das Stadtzentrum von Le Havre unter UNESCO-Weltkulturerbe.

Aktuellstes Beispiel in der Ausstellung ist das 2026 fertiggestellte Wohnungsbauprojekt Lot Petit vom Büro Kuehn Malvezzi in Paris – mit variablen Innenhöfen, Balkonen und individuellen Wohnungseingängen auf dem ehemaligen Gelände der ZAC Saint-Vincent-de-Paul.

Serie ja – aber bitte mit Seele!

Die große Frage, die die Ausstellung stellt: Wann kippt das Serielle in Monotonie – und wann wird es zur urbanen Qualität? Man denke an die Haussmann-Boulevards in Paris: Auf den ersten Blick gleich, entpuppen sich die Fassaden bei genauem Hinsehen als voller individueller Details – Stukkaturen, Simse, besondere Eckbebauungen. Das ist bewusste Stadtgestaltung, die das Lebensgefühl prägt.

20 Fallstudien von Studierenden der RWTH Aachen und sechs Studien der HfG Offenbach machen diese Fragen greifbar – von serieller Rennradschuhproduktion über Schriftgestaltung im Neuen Frankfurt bis hin zum koreanischen Schriftsystem Hangul als generativem System.

Serienparlamente: Jetzt mitreden!

Wer nicht nur zuschauen, sondern auch diskutieren will: Die Stiftung urban future forum lädt zu drei begleitenden Serienparlamenten ein, bei denen Architekt:innen, Designer:innen, Politiker:innen und Bürger:innen gemeinsam debattieren:

  • 12. August, 18–21 Uhr: Bauen mit vorgefertigten Komponenten aus Beton
  • 2. September, 18–21 Uhr: Bauen mit vorgefertigten Komponenten aus Lehm und Stein
  • 30. September, 18–21 Uhr: Bauen mit vorgefertigten Komponenten aus Holz und Metall

Die Ausstellung „Im Modus der Serie“ im Museum Angewandte Kunst ist ein echtes Highlight im Kulturprogramm der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026. Sie zeigt: Serielle Architektur muss nicht langweilig sein – im Gegenteil. Schaut rein, denkt nach und lasst euch inspirieren. Frankfurt macht’s mal wieder vor!

Quellen

Artikel teilen
Hilf uns, lokale Nachrichten zu verbreiten.

Dein Beitrag für Radio Frankfurt

Ob Meinung, Hinweis oder persönliche Geschichte: Reiche deinen Kommentar ein. Unsere Redaktion prüft deinen Beitrag vor der Veröffentlichung.
Einsatz von KI
Dieser Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage redaktionell ausgewählter Quellen erstellt, mehrstufig geprüft und vor der Veröffentlichung durch unsere Redaktion freigegeben. KI-generierte Bilder sind entsprechend gekennzeichnet.

Das könnte dich auch interessieren

Diskutiere mit!
Anonym und ganz ohne Anmeldezwang!
Alle Kommentare werden von unserer Redaktion im Vorfeld geprüft.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

1
Kontakt
2
Unterlagen
3
Datenschutz
WhatsApp vorhanden?
    Datenschutz*

    Kontaktformular

    Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.