
Die Ausstellung „Im Modus der Serie
Frankfurt zeigt, was Architektur kann – und das im besten Rahmen: Das Museum Angewandte Kunst präsentiert gerade die Ausstellung „Im Modus der Serie“, die einen spannenden Bogen von den 1920er-Jahren bis heute schlägt. Die Schau fragt: Wie verändert serielle Produktion unsere Städte – und macht sie das wirklich lebenswerter? Als Teil des umfangreichen Programms der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 trifft diese Frage den Nerv der Zeit.
Initiiert wurde die Ausstellung von der Frankfurter Stiftung urban future forum. Kuratiert hat sie Prof. Axel Sowa von der RWTH Aachen University, unterstützt von Florian Eschner und einem Team aus Lehrenden und Studierenden. Mitgewirkt haben außerdem Studierende der HfG Offenbach unter Leitung von Prof. Matthias Wagner K sowie Studierende der TH Gießen unter Prof. Norbert Hanenberg, der zur Entwicklung der Ausstellungsmöbel beigetragen hat.
Die Ausstellung startet direkt vor der eigenen Haustür: beim Neuen Frankfurt der 1920er-Jahre. Damals wurden für Siedlungsbauten sogar Farbtafeln für die Möblierung vorgegeben – fröhlich und sachlich zugleich. Ein Paradebeispiel ist die berühmte Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky, die zeigt, wie serielle Gestaltung und Wohnqualität zusammenpassen können.
Ein weiteres Highlight: der Visionär Jean Prouvé (1901–1982), dessen profilierte Aluminiumelemente Schule gemacht haben. Sein zerlegbares Haus – entwickelt für heimatlos gewordene Kriegsopfer in Lothringen – beweist, dass serielles Bauen auch Menschlichkeit transportieren kann. Und: Sein 1954 errichtetes Privathaus in Nancy, die Maison Prouvé, entstand aus „Resteverwertung“ vorgefertigter Bauteile aus seiner eigenen Fabrik „Les Ateliers Jean Prouvé“ in Maxéville.
Ganz anders, aber ebenso faszinierend: der Wiederaufbau der zu 80 Prozent zerstörten Hafenstadt Le Havre nach 1944. Architekt Auguste Perret (1874–1954) arbeitete dabei eng mit dem Ingenieur Raymond Camus (1889–1980) zusammen. Dessen System Camus nutzte großformatige, in Fabriken vorgefertigte Betonplatten – inklusive bereits eingebauter Sanitäranlagen und Elektrik. Perrets Credo: „Mein Beton ist schöner als der Stein.“ Das Ergebnis? Heute steht das Stadtzentrum von Le Havre unter UNESCO-Weltkulturerbe.
Aktuellstes Beispiel in der Ausstellung ist das 2026 fertiggestellte Wohnungsbauprojekt Lot Petit vom Büro Kuehn Malvezzi in Paris – mit variablen Innenhöfen, Balkonen und individuellen Wohnungseingängen auf dem ehemaligen Gelände der ZAC Saint-Vincent-de-Paul.
Die große Frage, die die Ausstellung stellt: Wann kippt das Serielle in Monotonie – und wann wird es zur urbanen Qualität? Man denke an die Haussmann-Boulevards in Paris: Auf den ersten Blick gleich, entpuppen sich die Fassaden bei genauem Hinsehen als voller individueller Details – Stukkaturen, Simse, besondere Eckbebauungen. Das ist bewusste Stadtgestaltung, die das Lebensgefühl prägt.
20 Fallstudien von Studierenden der RWTH Aachen und sechs Studien der HfG Offenbach machen diese Fragen greifbar – von serieller Rennradschuhproduktion über Schriftgestaltung im Neuen Frankfurt bis hin zum koreanischen Schriftsystem Hangul als generativem System.
Wer nicht nur zuschauen, sondern auch diskutieren will: Die Stiftung urban future forum lädt zu drei begleitenden Serienparlamenten ein, bei denen Architekt:innen, Designer:innen, Politiker:innen und Bürger:innen gemeinsam debattieren:
Die Ausstellung „Im Modus der Serie“ im Museum Angewandte Kunst ist ein echtes Highlight im Kulturprogramm der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026. Sie zeigt: Serielle Architektur muss nicht langweilig sein – im Gegenteil. Schaut rein, denkt nach und lasst euch inspirieren. Frankfurt macht’s mal wieder vor!
Update: Es gibt neue Entwicklungen zu diesem Thema:






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