Nur 20 Prozent der Frankfurter Schüler ab Klasse 5 essen noch in der Schulkantine. Was steckt dahinter – und was soll sich ändern?
Schlechtes Essen, Stress und Chaos – klingt nicht gerade nach dem perfekten Mittagstisch, oder? Genau das ist aber die Realität in vielen Frankfurter Schulkantinen. Die Zahlen sprechen für sich: Nur noch 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse nehmen das Schulessen überhaupt an. Ein echter Weckruf für unsere Stadt!
Die SPD Frankfurt hat das Thema jetzt auf die Agenda gehoben und im Rahmen ihrer Initiative „Food for Future“ zum runden Tisch ins Danzig am Platz im Ostend eingeladen. Mit dabei: Politiker, Gastronomen, Landwirte und Schüler – ein bunter Mix, der gemeinsam nach Lösungen gesucht hat.
In der Grundschule läuft’s noch gut: Rund 80 Prozent der Kinder nehmen dort das gemeinsame Mittagessen an. Doch mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule bricht diese Zahl massiv ein. Moderatorin Hilal Arslan vom Verein „Stützende Hände“ nannte beim runden Tisch die Hauptgründe: wenig Zeit, schlechter Geschmack, hektische Atmosphäre und zu wenig Platz.
SPD-Politikerin Sylvia Kunze brachte es auf den Punkt: Viele Schüler greifen dann zu ungesunden Alternativen – oder essen gleich gar nichts. „Das ist eine Frage von Gerechtigkeit: Wer hat Zugang zu gutem Essen und wer nicht?“ Eine Frage, die uns alle in Frankfurt beschäftigen sollte.
Auch die soziale Komponente spielt eine große Rolle. Kunze berichtete aus eigener Erfahrung: Ihre Kinder hätten beim Schulwechsel aufgehört, in der Mensa zu essen – nicht wegen des Essens selbst, sondern weil sie sich in der Situation unwohl gefühlt hätten. In der Grundschule isst man noch als Gruppe zusammen, das fällt später oft weg.
Nia Valerie Brähler vom Stadtschülerrat wies darauf hin, dass viele Schüler schlicht nicht wissen, wie gesunde Ernährung ihren Körper beeinflusst. Sportler Stephan Pütz, der ebenfalls am runden Tisch saß, versucht genau das über Social Media und Schulworkshops zu vermitteln. „Ich glaube, dass Bildung das Hauptproblem ist“, sagte er. Viele Lehrer kämen mit dem Thema nicht an die Schüler heran. „Deswegen hören sie vielleicht eher auf einen Sportler.“ Ein interessanter Ansatz – und offenbar einer, der funktioniert.
Auch praktische Hürden machen das Schulessen unattraktiv. Lena Iyigün, die das Glauburg Café im Nordend betreibt und Teil des Ernährungsrats ist, berichtete: Wo Eltern einen einfachen monatlichen Festbetrag zahlen, wird das Essen viel besser angenommen. Systeme mit Apps, hohen Vorschusszahlungen oder Chips schrecken dagegen ab. Weniger Bürokratie = mehr Kinder in der Kantine. So einfach kann’s sein!
Der Ernährungsrat fordert seit Längerem schulspezifische Mensa-Arbeitskreise, in denen Schulleitungen, Schüler, Eltern und Caterer gemeinsam an Lösungen arbeiten. Susanne von Münchhausen vom Ernährungsrat machte aber auch klar: Schulleitungen haben oft drängendere Probleme – das Thema Essen dürfe deshalb aber nicht weiter unter den Tisch fallen.
Weitere Ideen vom runden Tisch: ein Feedbacksystem für Schüler und ein 14-Tage-Menüzyklus in den Mensen. Außerdem plädierte Lena Iyigün für mehr Pragmatismus bei den Qualitätsstandards – zum Beispiel regionale Bio-Kichererbsen statt importiertem Billigfisch. Und: Lokale Betriebe stärker einbinden, um die Frankfurter Wirtschaft zu unterstützen. Allerdings wies Sylvia Kunze auf die Ausschreibungspflicht der Stadt hin – neue Anbieter müssen nachweislich günstiger und besser sein.
Das Fazit ist klar: Gutes Schulessen ist keine Kleinigkeit – es ist eine Frage der Gesundheit, der Bildung und der sozialen Gerechtigkeit in unserer Stadt. Der runde Tisch war ein guter Anfang. Jetzt müssen Taten folgen. Wir bei Radio Frankfurt bleiben dran – denn Frankfurt verdient das beste Programm im Main-Gebiet, aber eben auch das beste Essen für seine Schüler!






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