
Der Sarotti-Schornstein in Hattersheim wird gekürzt – Bürgermeister Schindling will das Innere als Ausstellungsraum nutzen, doch der Geschichtsverein bleibt…
Wer in Hattersheim unterwegs ist, kennt ihn: den markanten Sarotti-Schornstein, der sich direkt neben dem Stadtmuseum in den Himmel reckt. Doch das ikonische Bauwerk steht vor einer Veränderung – und die sorgt für Gesprächsstoff im Main-Taunus-Kreis. Weil Teile des gemauerten Schlots abzubrechen drohen, wird der stillgelegte Schornstein derzeit unter Aufsicht des Denkmalschutzes gekürzt. Was danach damit passiert, ist noch nicht endgültig geklärt.
Bürgermeister Klaus Schindling hat bereits eine Vision: Nachdem die Stadt den Schornstein – der sich aktuell noch im Besitz der Nestlé AG befindet – übernommen hat, könnte das Innere des verbliebenen Schlots als Ausstellungsraum genutzt werden. Eine spannende Idee, die direkt an das benachbarte Stadtmuseum anknüpfen würde. Doch der Hattersheimer Geschichtsverein, der das Museum betreibt, reagiert zurückhaltend.
Dr. Andrea Schneider, 2. Vorsitzende des Geschichtsvereins und Kunsthistorikerin, macht deutlich: Zwar sitzt der Verein tatsächlich noch auf Exponaten, für die derzeit Ausstellungsflächen fehlen – doch ob der Fuß des Sarotti-Schlots der richtige Ort dafür wäre, steht auf einem anderen Blatt. Bisher sei die Stadt noch nicht offiziell auf den Verein zugekommen, und im Vorstand habe man die Option noch nicht diskutiert. Schneider kann sich eher vorstellen, dass über das Stadtarchiv Schautafeln für den Schornstein erstellt werden.
Klar ist: Der Geschichtsverein hat mit dem Museum bereits viele Aufgaben zu stemmen. Wichtig sei zunächst, dass die Stadt dem Verein neue Lagerflächen für die verbliebenen Exponate vermittelt habe. Möglichkeiten, das Material der Öffentlichkeit zu zeigen, gibt es laut Andrea Schneider auch ohne den Schornstein – etwa durch Sonderausstellungen. „Ideen haben wir viele“, betont die 2. Vorsitzende. In der Vergangenheit gab es bereits Ergänzungen zum regulären Ausstellungsbetrieb, die sich der Rhein-Main-Wellpappe und den Werken des Fotografen Philipp Schärer widmeten.
Passend dazu steht schon die nächste Sonderausstellung in den Startlöchern. Am Freitag, 28. August, lädt der Hattersheimer Geschichtsverein um 17 Uhr zur Eröffnung von „Wege in die Fremde“ ein. Die Präsentation wurde bereits 2010 als Zusammenarbeit zwischen Stadt, Caritas Main-Taunus und Stadtteilbüro gezeigt und beleuchtet die Biografien sogenannter Gastarbeiter – ihren Arbeitsalltag und ihre anfänglich schwierigen Lebensumstände in Hattersheim.
Der Anlass ist ein doppelter: Der 65. Jahrestag des Anwerbeabkommens der BRD mit der Türkei gibt den historischen Rahmen, außerdem feiert das Stadtteilbüro mit der Ausstellungseröffnung den 20. Geburtstag seines Integrationslotsenprojekts. Erstmals wird die Ausstellung durch Sammlungsstücke des Geschichtsvereins zur Hattersheimer Industriegeschichte ergänzt.
Übrigens: Wer Lust hat, das Stadtmuseum aktiv zu unterstützen, ist herzlich willkommen. Der Geschichtsverein sucht ehrenamtliche Verstärkung für den Empfang während der regulären Öffnungszeiten – donnerstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr. „Es würde die letzten Lücken schließen“, sagt Andrea Schneider. Also: Wer Zeit und Interesse mitbringt, meldet sich beim Geschichtsverein!
Wie es mit dem Sarotti-Schornstein weitergeht, bleibt spannend. Radio Frankfurt hält euch auf dem Laufenden – denn Industriegeschichte vor der Haustür ist eben auch unser Thema. Der Sound der Weltstadt lebt von solchen Geschichten!






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