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Pflegekräfte aus Indien: Frankfurter Pflegedienst geht neue Wege

Ein Pflegedienst in Frankfurt-Höchst kämpft gegen den Fachkräftemangel – mit eigener Schule und Kooperationen mit Indien. Was steckt dahinter?

Redaktion
·
16. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 5 Tagen

Wenn der Pflegemarkt klemmt, macht man’s selbst

Fachkräftemangel in der Pflege – das ist kein neues Thema. Aber Rahul Kumar, Leiter eines ambulanten Pflegedienstes im Frankfurter Stadtteil Höchst, wartet nicht auf Lösungen von oben. Er zieht selbst die Initiative an sich. Am ersten Oktober startet sein neu gegründetes Goethe-Care-Institut – eine eigene Pflegeschule, die Auszubildende aus dem In- und Ausland ausbilden soll. Der erste Kurs hat bereits Anmeldungen. Ein echter Schritt nach vorne für die Pflegelandschaft im Main-Gebiet!

Partnerschaft mit Indien – und ein bisschen Hessisch dazu

Kumar setzt dabei vor allem auf Fachkräfte aus Indien. Kein Zufall: Seine Eltern kommen selbst aus dem Land, er spricht die Sprache, kennt die Kultur. Seit mehreren Jahren kooperiert er mit einer Schule nahe der indischen Hauptstadt Delhi. Die dortigen Auszubildenden lernen online Deutsch – und zwar kein trockenes Lehrbuch-Deutsch, sondern gezielt das Vokabular, das im Pflegealltag wirklich gebraucht wird. Kumar hat sogar schon selbst dort unterrichtet und seinen Schülerinnen und Schülern ein paar Phrasen im hessischen Dialekt beigebracht. „Das ist wichtig, um Vertrauen aufzubauen. So kommt man miteinander ins Gespräch“, sagt er.

Frühere Erfahrungen hatte Kumar mit Fachkräften aus Kroatien gesammelt. Von anfangs sieben Auszubildenden sind heute nur noch zwei in seinem Betrieb geblieben. Andere nutzten die Ausbildung als Sprungbrett nach Westeuropa und blieben der Pflege nicht treu. Genau deshalb achtet Kumar bei Bewerbungsgesprächen mit Kandidatinnen und Kandidaten aus Indien bewusst auf die echte Motivation – nicht nur auf den Wunsch, Geld zu verdienen, sondern auf den Willen, in die neue Kultur einzutauchen.

Bürokratie, Wohnungsnot und fehlende Anerkennung – die echten Hürden

Der Weg nach Deutschland ist lang und steinig. Kumar macht klar: Die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse ist ein echtes Problem. Selbst ein einfaches Schulzeugnis anzuerkennen, kann bis zu drei Monate dauern – und in dieser Zeit dürfen die Fachkräfte nicht arbeiten. Sein Vorschlag: eine vorläufige Anerkennung, damit Pflegekräfte die Wartezeit sinnvoll nutzen und direkt in den Beruf einsteigen können, statt Däumchen zu drehen.

Hinzu kommen die Wohnungsnot in Frankfurt und ein Bürokratie-Dschungel, der neu zugewanderte Fachkräfte schnell überfordern kann. Kumar fordert, dass sich Ämter internationaler aufstellen und Personal beschäftigen, das gut Englisch spricht. In seinem eigenen Betrieb begleitet er neue Mitarbeitende durch einen strukturierten Onboarding-Prozess – inklusive Hilfe bei der Anmeldung bei der Krankenkasse und anderen behördlichen Formalitäten.

Eigene Schule aus der Not geboren

Die Idee für das Goethe-Care-Institut entstand nicht aus dem Nichts. Kumar konnte für seine Auszubildenden schlicht keine Plätze an bestehenden Pflegeschulen finden. Der Grund laut Kumar: Große Träger reservieren ihre Schulplätze exklusiv für Azubis aus den eigenen Pflegeheimen. Externe Bewerberinnen und Bewerber schauen in die Röhre – und kleinere Betriebe ohne eigene Bildungseinrichtungen haben das Nachsehen. Von zehn Auszubildenden fanden letztendlich nur fünf einen Schulplatz in Hessen, die anderen mussten in andere Bundesländer ausweichen.

In seiner neuen Schule will Kumar das ändern: Angestrebt ist, dass die Hälfte der Auszubildenden aus dem Ausland kommt, die andere Hälfte aus der Region. Die Schule steht ausdrücklich auch Azubis anderer Pflegebetriebe offen.

Frankfurt braucht mutige Lösungen

Kumar geht noch weiter: Er plädiert für staatliche Abkommen mit Ländern wie Indien, um dem Fachkräftemangel strukturell zu begegnen. Andere Bundesländer seien Hessen hier bereits voraus, bedauert er – und seine eigenen Bemühungen, Politikerinnen und Politiker dafür zu gewinnen, blieben bislang ohne Echo.

Klar ist: Der Pflegemarkt im Rhein-Main-Gebiet steht vor riesigen Herausforderungen. Dass ein Frankfurter Pflegedienst jetzt eigene Wege geht und sogar eine eigene Schule gründet – das ist genau der Unternehmergeist, den unsere Stadt braucht. Wir sind gespannt, wie sich das Goethe-Care-Institut entwickelt. Jetzt reinhören – und informiert bleiben mit Radio Frankfurt, dem Sound der Weltstadt!

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