
Niedrigwasser am Rhein trifft den Frankfurter Hafen hart: Im Juni 2026 sank der Güterumschlag um 13,5 Prozent – alle Infos zur Lage im Überblick.
Der Sommer macht dem Frankfurter Hafen zu schaffen – und zwar so richtig. Wegen des anhaltenden Niedrigwassers auf dem Rhein kamen im Juni 2026 deutlich weniger Güter in Frankfurt an. Der Schiffsumschlag sank im Vergleich zum Vorjahresmonat von rund 163.000 Tonnen auf rund 141.000 Tonnen – ein Rückgang von 13,5 Prozent. Ein harter Schlag für die Logistik in der Region!
Das klingt erstmal paradox: Gleichzeitig stieg die Zahl der Schiffe, die im Frankfurter Hafen Umschlag gemacht haben, von 118 auf 126 – ein Plus von 10,7 Prozent. Wie passt das zusammen? Ganz einfach: Bei Niedrigwasser können Frachtschiffe nicht voll beladen werden. Der Tiefgang lässt es schlicht nicht zu. Das bedeutet, dass mehr Schiffe unterwegs sein müssen, um dieselbe Gütermenge zu transportieren – und die Kosten steigen trotzdem.
Bianca Winkel, Sprecherin der HFM Managementgesellschaft für Hafen und Markt, macht klar: „Da die meisten Schiffe vom Rhein kommen oder ihre Güter über den Rhein weitertransportieren müssen, sind die meisten Unternehmen im Frankfurter Hafen von niedrigen Pegelständen am Rhein mittelbar betroffen.“ Zwar ist der Main mit seinen 34 Staustufen gut befahrbar, doch der Rhein ist das Nadelöhr.
Der Rheinpegel Kaub ist dabei der entscheidende Messwert. Am 28. Juli 2026 zeigte er um 5 Uhr morgens gerade noch 30 Zentimeter – mit sinkender Tendenz. 24 Stunden zuvor waren es noch 36 Zentimeter gewesen. Der Betreiber des Frankfurter Container-Terminals, Contargo, gibt auf seiner Internetseite an: Ab 25 Zentimetern ist keine Schifffahrt mehr möglich. Für jeden 20-Fuß-Container wurden bereits Kleinwasserzuschläge von 1.075 Euro fällig, für einen 40-Fuß-Container sogar 1.280 Euro. Das treibt die Transportkosten massiv in die Höhe.
Ralf Schäfer vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein in Bingen erklärt dazu: „Wegen Niedrigwasser wird behördlicherseits die Schifffahrt nicht eingestellt. Dies entscheidet jeder Schiffsführer bzw. jede Reederei für sich selbst, bis zu welchem Wasserstand mit dem geplanten Tiefgang er sein Fahrzeug noch wirtschaftlich und sicher betreiben kann.“
Auch der Hafen der Infraserv in Höchst ist betroffen. Dort werden Rohstoffe per Schiff angeliefert und Produkte abtransportiert. Sprecher Daniel Driller betont jedoch, dass das Unternehmen gut aufgestellt ist: „In Niedrigwassersituationen werden über den Wasserweg geringere Mengen an großvolumigen, flüssigen Rohstoffen bzw. Produkten transportiert. Die fehlenden Mengen können in der Regel über die anderen Transportwege sowie über größere Pufferkapazitäten aufgefangen werden.“ Wasser, Schiene und Straße – wer flexibel ist, kommt durch.
Bianca Winkel weist darauf hin, dass Niedrigwasser zwar ein regelmäßig auftretendes Phänomen sei – aber: „Dass die niedrigen Pegelstände immer häufiger über Monate anhalten, ist ein zunehmendes Problem für die Binnenschifffahrt und letztlich für einen großen Teil der Logistikbranche.“ Das trifft Frankfurt als Logistikstandort ins Mark.
Engstellen am Rhein gibt es zwischen Wiesbaden und St. Goar. Hier soll in den kommenden Jahren eine Vertiefung der Fahrrinne für Entlastung sorgen. Auch der Main östlich von Aschaffenburg soll vertieft werden – von 2,90 auf 3,10 Meter Abladetiefe. Das sind Maßnahmen, die langfristig helfen sollen. Bis dahin heißt es für die Frankfurter Hafenwirtschaft: durchhalten und flexibel bleiben. Wir halten euch auf dem Laufenden – jetzt reinhören bei Radio Frankfurt, dem Sound der Weltstadt!






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