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Neuer Anlaufpunkt in Sachsenhausen: Verein „Leben ohne Sucht

Der Verein „Leben ohne Sucht

Redaktion
·
9. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 9 Stunden

Ein offenes Haus für alle – ohne Voraussetzungen

Frankfurt hat eine neue Anlaufstelle für Menschen, die mit Sucht zu kämpfen haben – oder einfach nur reden wollen. Der Selbsthilfeverein „Leben ohne Sucht“ (LOS) hat am vergangenen Samstag im Teplitz-Pavillon an der Teplitz-Schönauer-Straße 1a in Sachsenhausen eine neue Begegnungsstätte eröffnet. Und das Beste daran: Hier ist wirklich jeder willkommen.

Andreas Heymann, der Landesvorsitzende von LOS, brachte es bei der Eröffnung auf den Punkt: „Man muss sich nicht durch eine halbe Kiste Bier am Tag für einen Kaffee qualifizieren.“ Klingt simpel – und ist doch eine starke Botschaft. Die neue Begegnungsstätte soll genau diese niedrigschwellige Alternative sein: ein Ort, an dem man anklopfen kann, bevor man überhaupt weiß, ob man Hilfe braucht.

Leichter Einstieg statt direkter Selbsthilfegruppe

Heymann schilderte ein konkretes Beispiel: Kurz vor der Eröffnung rief ihn ein junger Mann an, der Drogen konsumiert, sich aber nicht als abhängig einschätzt – und trotzdem einfach mal reden wollte. Genau für solche Momente ist die Begegnungsstätte gedacht. „Es ist leichter, in eine Begegnungsstätte zu gehen, als direkt in eine Selbsthilfegruppe“, erklärte Heymann. Im selben Raum trifft sich LOS übrigens donnerstags ab 19 Uhr auch zur regulären Selbsthilfegruppe.

Die Öffnungszeiten der Begegnungsstätte: dienstags und donnerstags von 15 bis 19 Uhr. Wer den Weg dorthin findet, findet vor allem eines: offene Ohren – ohne Druck, ohne Vorwürfe.

Wenn Grillabende zur Falle werden – persönliche Geschichten

Am Rande der Eröffnung teilten Betroffene ihre ganz persönlichen Geschichten. Andreas Heymann selbst trank täglich einen Liter Wermut, seine Frau Sylvia griff regelmäßig zu Bier. Das Ehepaar heiratete 1981, beide waren damals zwanzig Jahre alt. Was als gelegentliches Bier bei Grillabenden mit Freunden begann, entwickelte sich peu à peu zu einem ernsthaften Problem. Irgendwann öffneten sich Flaschen fast automatisch, sobald beide von der Arbeit nach Hause kamen.

Die Folgen für die Familie waren spürbar: Der gemeinsame Sohn mied es, die Freundin heimzubringen – aus Angst, die Mutter könnte betrunken auf dem Sofa liegen. „Unser Sohn wurde zum Einzelgänger“, erinnert sich Andreas Heymann. Am 8. Februar 2003 stellte er seiner Frau ein Ultimatum: Entweder das Trinken hört auf – oder er lässt sich scheiden. Sylvia Heymann erzählt, dass sie tatsächlich nachfragte, ob er das ernst meinte. „Ich bin ein Familienmensch, für mich kam Scheidung nicht infrage.“ Beide schafften den Ausstieg ohne Entgiftung oder Langzeittherapie – aber mit einer Selbsthilfegruppe an ihrer Seite.

„Im Homeoffice während Corona schon“ – ein weiteres Schicksal

Auch Markus Voss (Name geändert) berichtete offen über seinen Weg. Der 63-Jährige, der im Marketing arbeitete, hatte Weißwein – am liebsten Grauburgunder als Schorle – zu seinem Thema gemacht. Während der Arbeitszeit im Büro trank er nicht, im Homeoffice während der Corona-Pandemie jedoch schon. Er sprach von sogenannten „Kunstpausen“, die er immer wieder einlegte, um sich anschließend zu sagen: „Na also, es geht doch.“ Im Dezember 2022 ging er schließlich zur Hausärztin – ausgelöst durch das Gefühl, dass sich seine Kinder von ihm entfernten. Es folgten zwei Wochen Entgiftung und acht Wochen stationäre Therapie. Vor Kurzem stellte er LOS in seiner ehemaligen Therapieeinrichtung vor – und traf dabei auf jemanden, mit dem er dort vor drei Jahren zusammen war.

Frankfurt, wir sind für euch da

Die neue Begegnungsstätte von „Leben ohne Sucht“ im Teplitz-Pavillon ist mehr als nur ein Raum – sie ist ein Signal. Ein Signal dafür, dass Sucht kein Tabuthema sein muss und dass der erste Schritt nicht riesig sein muss. Manchmal reicht ein Kaffee und ein offenes Gespräch. Wenn ihr oder jemand in eurem Umfeld einfach mal reden wollt: Die Tür in der Teplitz-Schönauer-Straße 1a steht dienstags und donnerstags von 15 bis 19 Uhr offen. Jetzt reinhören – und weitersagen!

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