
Das Klapperfeld in Frankfurt zeigt: Antifaschismus lebt! Beim Sommerfest von „Faites votre jeu!
Mitten in der Frankfurter City, hinter einer abgerockten Fassade im Gerichtsviertel, steckt mehr Geschichte als in manchem Museum. Das ehemalige Polizeigefängnis am Klapperfeld – Baujahr 1886 – ist heute ein lebendiges autonomes Zentrum. Und wer beim Sommerfest der Gruppe „Faites votre jeu!“ dabei war, der hat etwas mitgenommen, das bleibt.
Draußen im Hof: Musik, Essen, bunte Haare, offene Gesichter. Drinnen: Geschichte pur. Die kahlen Kellerwände tragen noch die Spuren der NS-Zeit, als die Gestapo dort folterte. Im zweiten Stock, dem einstigen Trakt für Abschiebegefangene, warteten bis zu 80 Menschen in einem Sammelraum auf ihre Abschiebung – ausgestattet mit zwei Waschbecken, einer WC-Zelle ohne Tür und einer abblätternden Decke. In den Einzelzellen zählen Strichlisten die Tage. Und an einer der Wände steht eine Inschrift, die sich einbrennt: „Ich schrie, die Wände hatten keine Ohren, ich schrie weiter.“
„Das hier ist nicht nur eine Ausstellung, sondern ein lebendes Gelände“, sagt die junge Frau, die am Nachmittag die Gruppen durchs Haus führte. Und das stimmt. Denn 2008 besetzte „Faites votre jeu!“ das Jugendzentrum Bockenheim und forderte Räume für antifaschistische Arbeit. Die Gruppe bekam sie – im Klapperfeld. Seitdem ist viel passiert.
Maja und Matthias, zwei Mitglieder der Gruppe, berichten: Unter der Woche treffen sich dort rund 250 Menschen – für Sport, Chor, Werkstätten, aber vor allem, um sich für Themen wie Feminismus und Antifaschismus einzusetzen. Schulklassen und Studierende kommen regelmäßig. „Das Gebäude würde nicht mehr stehen, wenn wir die Arbeit nicht machen würden“, sagt Maja. Junge Menschen könnten hier ein echtes „Antifa-Studium generale“ absolvieren – von Handwerklichem bis hin zu Texten und Moderieren.
Doch die Lage ist nicht nur herzerwärmend. Matthias spricht es klar aus: „Wir haben gerade eine gesellschaftliche Stimmung, in der so etwas wieder möglich ist.“ Angriffe von rechts auf das Klapperfeld und andere linke Zentren nehmen zu. „Wir fühlen uns nicht akut bedroht, aber wir wissen, wie schnell sich das drehen kann.“ Die Situation bei Partnereinrichtungen etwa in Sachsen-Anhalt sei eine deutliche Warnung – und Grund genug, sich zu vernetzen und zusammenzustehen.
Die junge Führerin bringt es auf den Punkt: „Hier ist nicht einfach ein autonomes Zentrum – hier fand Geschichte statt.“ Gegen Angriffe auf diesen Ort müsse die Gesellschaft unbedingt gemeinsam aufstehen. „Unser aller Aufgabe ist es, uns dem Rechtsruck entgegenzustellen“, sagen Maja und Matthias.
Wer das Klapperfeld verlässt, geht nicht mit Niedergeschlagenheit raus, sondern mit etwas, das man so an einem früheren Gefängnisort kaum erwartet: Hoffnung. Und echten Mut. Die Gruppe nimmt Anfragen entgegen – jeden Dienstag im Plenum. Manchmal sind es so viele, dass gar nicht alle geschafft werden können. Das sagt alles.
Frankfurt hat viele Gesichter. Das Klapperfeld zeigt eines der ehrlichsten. Schaut rein – im wörtlichen Sinne.






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