
Die Malteserpraxis in Offenbach behandelt seit 2018 Menschen ohne Krankenversicherung – ehrenamtlich und kostenlos. Jetzt werden dringend Ärzte gesucht.
Jeden Mittwochabend öffnet im Ketteler Krankenhaus in Offenbach eine besondere Praxis ihre Türen: die Malteserpraxis. Sie behandelt Menschen, die durchs deutsche Gesundheitssystem gefallen sind – kostenlos, ohne Versicherungskarte, ohne Wenn und Aber. Obdachlose, Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung, aber auch Selbstständige, die ihre private Krankenversicherung verloren haben, finden hier Hilfe. Seit 2018 leistet das Team aus Ehrenamtlichen diese wichtige Arbeit – mitten in der Rhein-Main-Region.
Die Sprechstunde startet um 17 Uhr. Doch wer denkt, um 19 Uhr ist Schluss, irrt. „Um 19 Uhr hören wir eigentlich nie auf“, sagt Gabriele Türmer, Koordinatorin der Malteserpraxis. Patienten kommen kurz vor Schluss, Behandlungen dauern länger als geplant – und das Team bleibt trotzdem. Türmer selbst war vor ihrer Pensionierung als Oberstaatsanwältin tätig. Heute begrüßt sie jeden Ehrenamtlichen persönlich, umarmt viele herzlich. Insgesamt zählt das Team 26 Personen: medizinische Fachangestellte, Medizinstudenten, Arzthelferinnen und Menschen ohne medizinischen Hintergrund.
Aktuell gehören fünf Ärzte zum festen Team – doch das reicht nicht. Die Praxis sucht dringend Verstärkung, am liebsten Internisten oder Allgemeinmediziner mit Empathie. „Man muss nicht jede Woche kommen, ein bis zweimal im Monat reicht völlig“, betont Türmer. Also: Wer Arzt ist und etwas bewegen will, ist hier genau richtig!
Ärztin Maria Bergmann engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich in der Praxis. Türmer nennt sie „sturmerprobte“ – weil Bergmann immer gelassen bleibt, egal was kommt. Und es kommt einiges. „Die Leute kommen meist erst zu uns, wenn wirklich gar nichts mehr geht“, sagt Bergmann. Sie erinnert sich an einen Mann, dessen Beine „komplett offen, siffig und infiziert“ waren. Gemeinsam mit dem leitenden Arzt Matthias Zimmer konnte das Team ihn retten. „Der Patient hat super mitgemacht“, sagt Zimmer.
Doch nicht immer gibt es ein Happy End. Teure Medikamente – etwa gegen HIV oder Hepatitis C – kann die Praxis schlicht nicht finanzieren. „In solchen Fällen können wir nur palliativ arbeiten“, erklärt Zimmer. Die Praxis ist auf Spenden angewiesen. Trotzdem zeigen die Ehrenamtlichen, was mit Herz und Einsatz möglich ist: In Zusammenarbeit mit der Caritas-Straßenambulanz konnte einem krebskranken Mann, der auf der Straße lebte, zumindest ein Hotelaufenthalt für seine letzten Tage ermöglicht werden.
Dagana Vilic kam vor zehn Jahren aus Kroatien nach Deutschland, arbeitet in der Qualitätssicherung und hilft mehrmals im Monat ehrenamtlich am Empfang. Über das Internet stieß sie auf die Malteserpraxis. „Ich wollte der Gesellschaft etwas zurückgeben“, erzählt sie. Während Patienten warten, scherzt sie mit ihnen, beruhigt sie – und sorgt dafür, dass sich niemand unsichtbar fühlt.
Genau das ist der Kern dieser Praxis: Sie nimmt sich Zeit für Menschen, die sonst oft lange warten – auf einen Arzt, auf Hilfe, manchmal überhaupt darauf, gesehen zu werden. Das ist gelebte Menschlichkeit, direkt vor unserer Haustür im Main-Gebiet.






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