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Leerstand im Frankfurter Ostend: Wenn Milieuschutz die Sanierung blockiert

Im Frankfurter Ostend steht ein Haus seit sieben Jahren leer – eine Genossenschaft will es sanieren, doch der Milieuschutz macht vieles unmöglich.

Redaktion
·
29. Juli 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Wochen

Ein Haus steht leer – seit sieben Jahren

„Leerstand ist keine Lösung“ – dieser Spruch prangt auf einem Transparent an der Fassade der Wittelsbacherallee 89 im Frankfurter Ostend. Und er trifft den Nagel auf den Kopf! Denn genau das ist die bittere Realität: Das Haus steht leer, seit die Stadt Frankfurt es vor sieben Jahren über ein Vorkaufsrecht erworben hat. Seitdem tut sich – nichts. Dabei hätte die Dachgenossenschaft längst eine Lösung parat.

Die noch junge Genossenschaft mit rund 70 Mitgliedern will das Haus kaufen, sanieren und günstigen Wohnraum schaffen. In einer Ausschreibung hat sie sich mit dem besten Konzept durchgesetzt. Das Ziel ist klar: Die Mieten sollen dauerhaft bezahlbar bleiben – rund 20 Prozent unter dem Mietspiegel, also voraussichtlich unter 15 Euro pro Quadratmeter. Die Wohngruppe Flur 403, bestehend aus zehn Erwachsenen und vier Kindern, will dort gemeinschaftlich und generationenübergreifend wohnen.

2,4 Millionen Euro für ein gutes Projekt

Rund 2,4 Millionen Euro sollen in die Sanierung und den Umbau des fünfgeschossigen Hauses mit neun Wohnungen fließen. Finanziert werden soll das Ganze über Fördermittel für die energetische Sanierung, Bankkredite und Nachrangdarlehen von vielen einzelnen Unterstützerinnen und Unterstützern. 2028 soll das Haus bezugsfertig sein – im Herbst soll der Bauantrag gestellt werden.

Das Haus selbst ist laut Martina Strasser von der Wohngruppe generell in einem guten Zustand. An einer Seite fällt zwar der Putz von der Wand, weil während des langen Leerstands Wasser eingedrungen ist. Aber unter dem Bodenbelag kommen gut erhaltene Holzdielen zum Vorschein, die Räume sind hoch. Die Genossenschaft setzt auf Nachhaltigkeit: keine Styropor-Fassade, nachhaltige Baustoffe, Infrarotstrahler statt aufwendiger Zentralheizung, Solaranlage und neue Balkone. „Wir versuchen, vieles zu erhalten“, betont Vorstandsmitglied Beate Steinbach.

Der Milieuschutz macht vieles unmöglich

So weit, so gut – doch dann kommt das große Aber. Das Haus liegt im Geltungsgebiet einer Milieuschutzsatzung. Diese soll die angestammte Bevölkerung vor Verdrängung schützen. Grundsätzlich richtig, findet auch Steinbach. Aber in der Praxis wird die Genossenschaft damit zum Bremsen gezwungen.

Denn die Regeln sind streng: Grundrisse dürfen nicht verändert werden. Die kleinsten Wohnungen haben nur 30 Quadratmeter – zu klein für Familien, zu klein für geförderte Sozialwohnungen, die mindestens 34 Quadratmeter benötigen. Baut man zeitgemäße Bäder ein, bleiben teils nur sieben Quadratmeter große Zimmer übrig. Ein Treppenhaus-Neubau im Hof, der Platz für Bäder schaffen und einen Aufzug ermöglichen würde, gilt laut Bauaufsicht als nicht genehmigungsfähig. Der Grund: Aufzüge gelten im Milieuschutzgebiet als „wohnwertsteigernde Maßnahme“, die Verdrängung begünstigen könnte.

Steinbach wünscht sich deshalb mehr Flexibilität – gerade dann, wenn es um gemeinwohlorientierte Projekte geht. Und damit ist sie nicht allein.

Hessischer Wirtschaftsminister sieht Handlungsbedarf

Der hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) hat sich das Projekt persönlich angeschaut und findet klare Worte: „Es handelt sich hier doch nicht um eine Luxussanierung. Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein.“ Er will das Gespräch mit der Stadt Frankfurt suchen, um einen angemessenen Umbau und eine moderate Vergrößerung von Wohnungen zu ermöglichen. Genossenschaftliches Wohnen unterstütze er grundsätzlich – „Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft.“

Die Stadt hat übrigens noch acht weitere Wohnhäuser über Vorkaufsrechte erworben, die ebenfalls privatisiert werden sollen. Die Dachgenossenschaft könnte sich vorstellen, sich auch dafür zu bewerben. Doch die Erfahrungen mit dem Milieuschutz lassen sie erst einmal zögern. Und das sagt eigentlich alles. Frankfurt braucht bezahlbaren Wohnraum – und genau solche Projekte könnten ein Teil der Lösung sein. Es liegt an der Politik, die richtigen Weichen zu stellen!

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