
Kunst trifft Finanzwelt: Die Städelschule zeigt ihre Abschlussausstellung im Trianon-Hochhaus
Die Städelschule zeigt ihre Abschlussausstellung „bonds
Majer Szanckower lebte und arbeitete über 25 Jahre auf dem alten jüdischen Friedhof in Frankfurt.
Stell dir vor, du gehst morgens zur Arbeit – und musst dafür nicht mal die Haustür wirklich verlassen. Genau so hat Majer Szanckower mehr als ein Vierteljahrhundert seines Lebens verbracht. Der 78-Jährige wohnt auf dem alten jüdischen Friedhof in Frankfurt und war dort lange Zeit auch als Verwalter tätig. Jetzt ist sein letzter Arbeitstag – und er selbst weiß noch gar nicht so genau, wie ihm dabei ist.
Das ist eine Geschichte, die Frankfurt in seiner ganzen Tiefe zeigt: Geschichte, Würde, Menschlichkeit. Der Sound der Weltstadt ist eben nicht nur Skyline und Bankenviertel – er steckt auch in Orten wie diesem, die still und doch voll von Bedeutung sind.
Majer Szanckower hat sein Leben dem Erhalt und der Verwaltung der jüdischen Friedhöfe in Frankfurt gewidmet. Mehr als 25 Jahre lang hat er dafür gesorgt, dass diese Orte des Gedenkens in Würde erhalten bleiben. Der alte jüdische Friedhof in Frankfurt gehört zu den bedeutendsten seiner Art in Deutschland – hier liegen Persönlichkeiten begraben, die die Geschichte der Stadt und weit darüber hinaus geprägt haben. Kein Wunder also, dass Besucher immer wieder die Gräber der Familie Rothschild aufsuchen möchten – und Szanckower ihnen dabei als persönlicher Guide dienen konnte.
Doch sein Job war weit mehr als Fremdenführung. Als Friedhofsverwalter trägt man Verantwortung für die Pflege der Anlage, für die Einhaltung religiöser Vorschriften und für den respektvollen Umgang mit einem Ort, der für die jüdische Gemeinschaft in Frankfurt von unschätzbarem Wert ist. Eine Aufgabe, die Szanckower offensichtlich mit ganzem Herzen erfüllt hat – schließlich hat er sich entschieden, dort nicht nur zu arbeiten, sondern auch zu wohnen.
Das Leben auf einem Friedhof – für viele klingt das unvorstellbar. Doch Majer Szanckower hat gezeigt, dass diese Welt voller Stille und Erinnerung auch ein echter Lebensraum sein kann. Wer täglich zwischen alten Grabsteinen lebt, entwickelt zwangsläufig eine besondere Beziehung zum Thema Vergänglichkeit – aber auch zur Geschichte und zur Gemeinschaft, die diese Stätte verbindet.
Frankfurt ist eine Stadt voller Kontraste: hippe Bars in Sachsenhausen, der Trubel auf der Zeil – und dann dieser ruhige, geschichtsträchtige Ort, an dem ein Mann jahrzehntelang zwischen Vergangenheit und Gegenwart gelebt hat. Das ist Frankfurt, wie wir es lieben. Vielfältig, tief, unvergesslich.
Jetzt geht Szanckower in den Ruhestand – und steht dabei etwas unschlüssig vor einem neuen Lebensabschnitt. Was kommt nach mehr als einem Vierteljahrhundert in dieser einzigartigen Rolle? Diese Frage bewegt nicht nur ihn selbst, sondern auch all jene, die seine Arbeit und seinen Einsatz für das jüdische Erbe Frankfurts zu schätzen wissen.
Seine Geschichte erinnert uns daran, wie wichtig es ist, solche Orte und die Menschen, die sie hüten, nicht zu vergessen. Der alte jüdische Friedhof in Frankfurt ist mehr als ein historisches Denkmal – er ist lebendige Erinnerungskultur. Und Majer Szanckower hat dazu beigetragen, dass das so bleibt.
Geschichten wie die von Majer Szanckower zeigen, warum Frankfurt so besonders ist. Hinter der glänzenden Fassade der Metropole stecken Menschen, Schicksale und Orte, die diese Stadt erst wirklich ausmachen. Wir bei Radio Frankfurt finden: Genau solche Geschichten verdienen es, gehört zu werden. Jetzt reinhören – und immer nah dran bleiben an dem, was Frankfurt wirklich bewegt.

Die Städelschule zeigt ihre Abschlussausstellung „bonds



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