
Toni Wombacher verwandelt die Evangelische Akademie Frankfurt in eine Ausstellung – bis Ende 2027 könnt ihr Kunst mitten im Tagungshaus erleben.
Stell dir vor, du betrittst ein Tagungshaus mitten in Frankfurt – zwischen Römer und Eiserner Steg – und plötzlich macht dich die Kunst stutzig. Genau das ist die Idee hinter dem spannenden Projekt, das die Frankfurter Künstlerin Toni Wombacher in der Evangelischen Akademie Frankfurt umsetzt. Als zweite Jahreskünstlerin, berufen in Kooperation mit der Heussenstamm Stiftung, bespielt sie das vollständig verglaste Akademiegebäude am Römerberg 9 – vom Empfang bis unters Dach.
Keine weiße Galerie-Wand, keine klassischen Ausstellungsräume: Hier kämpft die Kunst mit Tischen, Stühlen, Whiteboards und Seminarraum-Mobiliar um Aufmerksamkeit. Dazu Panoramablicke auf die Alte Nicolaikirche, den Dom und die Altstadt. Für Kunst eigentlich schwierige Bedingungen – für Wombacher eine Einladung.
Was viele Künstlerinnen und Künstler abschrecken würde, spornt Toni Wombacher an. „Ich mag Restriktionen“, sagt sie direkt zu Beginn des Rundgangs. „Ich habe eher Probleme, wenn es ganz weit wird. Wenn ich zu viel Freiheit habe, wird es schon mal schwierig.“ Und tatsächlich: Die Auflagen für das laufende Tagungshaus waren enorm. An bestimmten Wänden darf nichts hängen, Zugänge zu Technik und Aufzug müssen frei bleiben, ganze Räume weitgehend leer gehalten werden. Die Entwicklung des Konzepts hat ihr im vergangenen Jahr „zahlreiche schlaflose Nächte, Tage, Wochen“ bereitet – und trotzdem war es ihr, wie sie selbst sagt, „eine Freude, das Haus zu bespielen“.
Wombacher, 1968 in Aschaffenburg geboren und Autodidaktin, ist über erste Ausstellungen im mainfränkischen Raum zur Kunst gelangt. Ihre Arbeiten sind stets raum- und kontextbezogen – sie reflektiert architektonische Gegebenheiten ebenso wie die Erwartungen der Besucherinnen und Besucher. Das bewies sie schon bei Installationen wie „breeze“ im Kunstverein Familie Montez oder der malerischen Arbeit „another kind of light“, die sie vor drei Jahren für die Ausstellungshalle 1A entwickelt hat.
In der Akademie setzt Wombacher zarte, aber markante Akzente: Im Panoramasaal taucht eine schlichte Folienarbeit den Raum in ein „Licht, das die Seele erfreut“. Im zweiten Stockwerk wehen fünf textile „Pinselstriche“ aus „with Queens“ – in Apricot, Violett und Himmelblau – sanft im Luftzug. Und im Foyer wartet „Foyer (after ‚Saal‘ from Thomas Demand, Metzler-Saal, Städelmuseum, 2011)“ als wandfüllende Arbeit, die zunächst wie ein Trompe-l’Œil wirkt – und dann tief in Wombachers Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte führt.
Denn ihre Kunst erschöpft sich nie im rein Ästhetischen. Arbeiten wie „no title yet“ oder „Tender Touch or Please don’t Go“ und die „all seasons“-Folge in Gelb, Rot, Blau und Grün zeigen, wie intensiv Wombacher sich mit Minimalismus, Monochromie und den Alten Meistern auseinandersetzt. Und das alles mit Samt, Seide und Polyester – statt mit Pinsel, Farbe und Leinwand.
Das Besondere: Die meisten Besucherinnen und Besucher kommen gar nicht wegen der Kunst – und stoßen trotzdem auf sie. Als Seminarteilnehmer, als Gast. Und werden dabei vielleicht einfach erfreut, stutzig gemacht oder kurz aus dem Alltag gerissen. Das ist Wombacher-Kunst: leise, klug und mit echtem Vergnügen für den Betrachter.
Die Ausstellung in der Evangelischen Akademie Frankfurt, Römerberg 9, ist bis Ende 2027 zu sehen – aber Achtung: Da es sich um ein aktives Tagungshaus handelt, ist ein Besuch außerhalb der Veranstaltungen nur nach vorheriger Terminabsprache mit der Künstlerin möglich. Meldet euch einfach per E-Mail an email@toniwombacher.de. Der Sound der Weltstadt steckt eben nicht nur in der Musik – sondern auch in der Kunst, die euch an unvermuteten Orten begegnet. Jetzt reinhören, hingehen, staunen!






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