
Jordis Kleid ist Frankfurts Sanierungsmanagerin im Klimaquartier Sossenheim und berät Bürger:innen kostenlos zu Solarenergie und energetischer Gebäudesanierung.
Sossenheim ist nicht nur ein gemütlicher Stadtteil mit dörflichem Charme – er ist Frankfurts Klimaquartier Nummer eins. Seit 2023 trägt der Frankfurter Westen diesen Titel und soll als Pilotprojekt zeigen, wie die Energiewende im Alltag aussehen kann. Mittendrin: Jordis Kleid, 28 Jahre alt, Architektur-Bachelor, Master in „Zukunftssicheres Bauen“ – und seit Mai die Sanierungsmanagerin des Quartiers.
Ihr Büro? Ein Raum in der Schaumburger Straße 2, den sie sich mit dem Quartiersmanagement teilt. Warm ist es da drin – und das ist kein Zufall. Es verdeutlicht genau das Problem, das sie lösen will: Zu viele Gebäude in Frankfurt schlucken zu viel Energie, heizen die Umgebung auf und kosten ihre Bewohner:innen zu viel Geld.
Wer sich fragt, ob Solar auf dem Dach, eine Wärmepumpe oder Wärmedämmung das Richtige wäre – bei Jordis Kleid gibt’s die Antwort kostenlos. Immer dienstags von 9 bis 12 Uhr und mittwochs von 13 bis 17 Uhr steht die Erstberatung im Quartiersbüro offen für alle.
„Ich mag es, Sachen zu optimieren“, sagt sie. „Ich finde es sinnstiftend, Menschen von der Sanierung zu überzeugen – weil es gut für sie ist.“ Denn: Ein saniertes Gebäude gewinnt an Wert, bringt mehr Wohnkomfort – und das Wichtigste: Der CO₂-Ausstoß sinkt. Genau das ist das Ziel.
Die Lage ist ernst. Bundesweit liegt die Sanierungsquote bei deutlich unter einem Prozent der Gebäude pro Jahr. Nötig wären laut Jordis Kleid drei bis vier Prozent – jährlich. Dass es so langsam vorangeht, liegt auch an reduzierten Fördermitteln der Bundesregierung und einem Regelwerk, das viele Menschen schlicht überfordert. Das Ergebnis: Viele lassen die alte Gasheizung erst mal drin. „Aber dann ist es vielleicht zu spät“, warnt die Sanierungsmanagerin.
Wer nicht selbst ins Büro kommt, den sucht Jordis Kleid auf. Sie verteilt Flugzettel, lädt zu Beratungsterminen ein und organisiert Spaziergänge zu Sossenheimer:innen, die schon Solaranlagen oder Wärmepumpen installiert haben.
Das Programm ist vielfältig und niedrigschwellig – genau richtig für alle, die zwar Interesse haben, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen:
„Wir kommen ins Haus und besprechen mit den Leuten, was man machen kann“, erklärt Kleid. Und wenn dann Angebote von Baufirmen vorliegen, können Bewohner:innen jederzeit bei ihr Rücksprache halten. Ziel: „Wir wollen, dass sie den ausführenden Betrieben auf Augenhöhe begegnen.“
Was Jordis Kleid täglich erlebt: Die Motivation der Menschen ist unterschiedlich, aber das Ziel ist dasselbe. Manche wollen aktiv gegen den Klimawandel kämpfen, anderen ist die monatliche Strom- oder Heizkostenrechnung schlicht zu hoch. „Sie alle wollen eine zukunftsfähige Lösung – sie wollen Klimaschutz.“ Auch in Sossenheim.
Das Klimareferat der Stadt und der Partnerverein Energiepunkt stehen hinter dem Projekt, gefördert durch die KfW. Und wer weiß – was in Sossenheim klappt, könnte tatsächlich Schule machen für ganz Frankfurt. Der Sound der Weltstadt beginnt manchmal ganz leise – mit einem Flugzettel in der Schaumburger Straße.






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