Studio-Hotline 069–669 669 0

Klappstühle im Fischaufstieg: Rudelbaden in der Nidda erhitzt die Gemüter

Klappstühle im Fischaufstieg, Müll im Naturschutzgebiet: Illegales Baden in der Frankfurter Nidda sorgt für hitzige Debatten und ökologischen Schaden.

Redaktion
·
23. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 19 Minuten

Sommerhitze, Klappstühle und jede Menge Ärger

Stell dir vor: 17:40 Uhr, ein heißer Samstagnachmittag im Frankfurter Westen. Die Nidda führt wenig Wasser – und mittendrin stehen ein gutes Dutzend Klappstühle im seichten Fluss. Dazu eine Kühlbox, Decken am Ufer und ein großer pinkfarbener Sonnenschirm. Klingt nach Sommerfeeling – ist aber ein echtes Problem. Denn die fröhlichen Badenden haben sich ausgerechnet den Fischaufstieg am ehemaligen Höchster Wehr als Badespaß-Spot ausgesucht. Einen Bereich, der eigens für die Natur angelegt wurde – und der per Allgemeinverfügung klar geschützt ist.

Was ist da eigentlich los an der Nidda?

Der rund 150 Meter lange und etwa zehn Meter breite Nebenarm am Nieder Ufer ist kein gewöhnlicher Flussabschnitt. Er wurde speziell angelegt, damit Fische das Wehr überwinden und flussaufwärts zu ihren Laichplätzen gelangen können. Zwischen Gerinne und Hauptstrom liegt eine inzwischen dicht bewachsene Kiesinsel – Lebensraum für geschützte Vögel wie Flussregenpfeifer und Eisvogel, aber auch für Libellen, Muscheln und viele weitere Arten. Die Stadt Frankfurt bewertet den Abschnitt als „ökologisch besonders wertvoll“.

Das Problem dabei: Schon das bloße Betreten der Gewässersohle kann das Kiesgestein ständig umlagern – und Fischeier zwischen den Steinen werden dabei einfach abgeschwemmt. Wer also mit Klappstühlen im Fischaufstieg sitzt, richtet echten ökologischen Schaden an.

Die Regeln sind eigentlich eindeutig

Seit 2023 gibt es eine Allgemeinverfügung der Stadt Frankfurt zum Schutz der renaturierten Nidda am ehemaligen Höchster Wehr. In der ausgewiesenen Regelungszone sind Baden, Lagern, Picknicken, Grillen sowie das Aufstellen von Bänken, Tischen und Stühlen verboten. Im besonders sensiblen Kernbereich gilt sogar ein generelles Betretungsverbot. Die Rechtslage ist also ziemlich klar – nur hält sich offensichtlich kaum jemand daran.

Facebook-Foto löst Sturm der Empörung aus

Eine Facebook-Nutzerin hat die Szene fotografiert und in der Gruppe „Nied – the best of Frankfurt West“ geteilt – versehen mit dem Kommentar: „Ignoranz ist die Kunst, mit offenen Augen nichts sehen zu wollen!“ Was folgte, war ein heftiger Online-Zoff. Viele User empörten sich nicht nur über das illegale Baden selbst, sondern auch über den Müll, den die Badenden hinterlassen haben. Andere stellten das Badeverbot grundsätzlich infrage. Wer planschen wolle, solle das bitte im Silobad, Brentanobad, Hausener Freibad oder in Badeseen tun – so der Rat mancher Kommentatoren. Der Ton wurde dabei so aggressiv und beleidigend, dass die Moderatoren der Gruppe die Kommentarfunktion deaktivieren mussten.

Gesundheitsrisiko obendrauf

Wer jetzt denkt, ein kurzes Bad in der Nidda sei ja wenigstens für die eigene Gesundheit kein Problem – weit gefehlt! Main und Nidda sind in Frankfurt keine zugelassenen Badegewässer. Das Gesundheitsamt weist auf Belastungen durch Bakterien wie E. coli und intestinale Enterokokken hin sowie auf mögliche Einträge aus Kläranlagen und Mischwasserentlastungen. Aus infektionshygienischer Sicht könne das Schwimmen dort nicht befürwortet werden.

Ortsbeirat fordert endlich mehr Kontrollen

Das Problem ist leider kein Einzelfall und auch nicht neu. Bereits Anfang Juli wurde über die Zustände an den renaturierten Nidda-Abschnitten berichtet: An heißen Wochenenden seien mehrere Hundert Menschen dort unterwegs, in eigentlich als Laichplätze angelegten Flachwasserbereichen werde gebadet und Ball gespielt, am Ufer gegrillt und gefeiert. Das Fazit lautete: „Jedes Jahr wieder werden die Landschaftsschutzgebiete zu Grill- und Badeplätzen missbraucht.“ Der Ortsbeirat 6 hat die Stadt inzwischen gefragt, wie viele Kontrollen es in den vergangenen Jahren gegeben hat und wie die bestehenden Schutzregeln künftig wirksamer durchgesetzt werden können.

Die Nidda gehört uns allen – aber eben auch den Fischen, Vögeln und all den anderen Tieren, die dort ihren Lebensraum haben. Also: Genießt den Sommer, aber bitte an den richtigen Stellen. Frankfurt hat genug tolle Freibäder und Badeseen – da ist für jeden was dabei!

Quellen

Artikel teilen
Hilf uns, lokale Nachrichten zu verbreiten.

Dein Beitrag für Radio Frankfurt

Ob Meinung, Hinweis oder persönliche Geschichte: Reiche deinen Kommentar ein. Unsere Redaktion prüft deinen Beitrag vor der Veröffentlichung.
Einsatz von KI
Dieser Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage redaktionell ausgewählter Quellen erstellt, mehrstufig geprüft und vor der Veröffentlichung durch unsere Redaktion freigegeben. KI-generierte Bilder sind entsprechend gekennzeichnet.

Das könnte dich auch interessieren

Diskutiere mit!
Anonym und ganz ohne Anmeldezwang!
Alle Kommentare werden von unserer Redaktion im Vorfeld geprüft.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

1
Kontakt
2
Unterlagen
3
Datenschutz
WhatsApp vorhanden?
    Datenschutz*

    Kontaktformular

    Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.