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Katharinenkirche Frankfurt: Orgel bekommt 516 neue Pfeifen – dank dem Erbe eines treuen Zuhörers

Die Rieger-Orgel in Frankfurts Katharinenkirche hat 516 neue Pfeifen bekommen – ermöglicht durch das Erbe eines treuen Konzertbesuchers.

Redaktion
·
29. Juli 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 4 Wochen

Ein Traum wird Wirklichkeit – an der Hauptwache

Wenn du an der Hauptwache vorbeiläufst und ein paar Minuten in die Katharinenkirche reingehst, erwartet dich gerade etwas ganz Besonderes: Die berühmte Rieger-Orgel klingt seit dem 1. Juli 2026 reicher, voller und vielfältiger als je zuvor. 516 neue Pfeifen wurden ergänzt – und hinter dieser Geschichte steckt eine der schönsten Zufallsgeschichten, die Frankfurt zu bieten hat.

Organist Martin Lücker, 72 Jahre alt und seit über 4200 Konzerten feste Größe in St. Katharinen, hatte schon lange einen Traum: Er wollte die klangliche Welt der deutschen Romantik mit der eher französisch akzentuierten Rieger-Orgel verbinden. Entfacht wurde diese Sehnsucht, als er im Merseburger Dom die 1856 erbaute Orgel von Friedrich Ladegast erlebte – für ihn eine „persönliche Erweckung“. Doch der Umbau schien lange aus finanziellen Gründen unmöglich.

516 Pfeifen und ein unerwartetes Erbe

Dann kam 2022 die Überraschung: Stefan Eisenhardt, ein treuer Zuhörer von Lückers Nachmittagskonzerten, verstarb im Alter von nur 60 Jahren – und hinterließ ein Testament mit einer klaren Botschaft. Sein Erbe sollte zur Förderung der Orgelmusik, vornehmlich in der Katharinenkirche, verwendet werden. Der sechsstellige Betrag machte den Traum möglich.

Das Besondere daran: Lücker kannte den Spender kaum. „Wir haben nicht mal einen Kaffee miteinander getrunken“, sagt er. Eisenhardt hatte das Testament bereits 2004 aufgesetzt – nachdem Lücker unentgeltlich bei der Beerdigung von Eisenhardts Mutter gespielt hatte. „Für ihn war die Welt in Ordnung, wenn er zu meinen Konzerten kam“, erinnert sich Lücker. Und kein Cent des Erbes fließt in seine eigene Tasche.

Von 4200 auf knapp 5000 Pfeifen

Die ursprünglich 1990 von der österreichischen Firma Rieger gebaute Orgel kam bislang auf rund 4200 Pfeifen. Mit den 516 neuen Pfeifen wächst das Instrument auf knapp 5000 Röhren an. Am Spieltisch hat Lücker nun zusätzlich 18 Wippen vor sich, die die mechanischen Register elektronisch ergänzen. Über ein Tablet in einer kleinen Schublade kann er während des Spiels alle Register ziehen.

Klanglich trifft so der Neobarock – das helle, klare Klangideal, das im Westen nach dem Zweiten Weltkrieg beim Neubau von Orgeln dominierte – auf die wärmeren, dunkleren Farben der deutschen Romantik. Diese Tradition blieb in der DDR erhalten, wo man die kostbaren alten Instrumente des 19. Jahrhunderts pflegte, statt sie zu ersetzen. Die Wende öffnete Lücker den Zugang zu dieser Klangwelt – und jetzt ist sie auch in Frankfurt angekommen.

Generalreinigung inklusive

Die monatelangen Arbeiten wurden mit einer gründlichen Reinigung des Instruments verbunden, die eigentlich erst für 2028 geplant war. Der Grund: Der Abriss des früheren Kaufhof-Sportpalastes 2022 gegenüber der Kirche hatte staubige Spuren hinterlassen. Die Stadt ließ sich überzeugen, die Reinigung vorzuziehen. Alle Pfeifen mussten dafür einzeln herausgenommen, behandelt und wieder eingestimmt werden. Die Tastatur reiste eigens nach Schwarzach in Vorarlberg zu den Rieger-Spezialisten.

Das Ergebnis? Für Lücker „restlos vollkommen“. Und auch für die Nachwelt ist gesorgt: Die neuen Elemente tragen den Namen „Eisenhardt-Werk“ – am Spieltisch ist eine kleine Hinweistafel angebracht. So bleibt Stefan Eisenhardt, der keine Nachkommen hinterließ, in der Frankfurter Musikgeschichte unvergessen.

Einfach reinhören – und reinkommen!

Du willst diesen neuen Sound selbst erleben? Montags und donnerstags um 16.30 Uhr spielt Martin Lücker seine halbstündigen Nachmittagskonzerte in der Katharinenkirche an der Hauptwache – bei freiem Eintritt! Das ist Frankfurt pur: Weltklasse-Musik mitten in der City, offen für alle. Schau vorbei – der Sound wartet auf dich!

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