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Hitzesommer 2026: Trinkwasser aus dem Rhein – Hessen kämpft gegen die Trockenheit

Hessen erlebt 2026 einen Hitzesommer mit Rekord-Wasserverbrauch. Wie die Trinkwasserversorgung trotz Rhein-Niedrigwasser gesichert wird und was jetzt geplant…

Redaktion
·
21. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Stunden

Rekordverbrauch, Niedrigwasser, und trotzdem Trinkwasser für alle – wie macht Hessen das?

Dieser Sommer macht es nicht leicht: Hessen erlebt 2026 einen Hitzesommer der Extraklasse – und der schlägt sich direkt auf die Trinkwasserversorgung durch. Hessische Versorger melden Rekordwerte beim Wasserverbrauch. Allein am 25. Juni hat das Unternehmen Hessenwasser rund 440.000 Kubikmeter Wasser abgegeben – ein Wert, den es laut Hessenwasser-Geschäftsführerin Elisabeth Jreisat so noch nie gegeben hat. Mehrere Tage in Folge war der Bedarf außergewöhnlich hoch. Für Frankfurt und die gesamte Region gilt: Wasser sparen ist kein Luxus – es ist ein Muss.

Der Rhein als Lebensretter – aber mit Grenzen

Im Hessischen Ried wird seit 1989 eine bewährte Methode genutzt, um das Grundwasser stabil zu halten: Wasser aus dem Rhein wird aufbereitet und ins Erdreich versickert – sogenannte Infiltration. André Girard, Betriebsgruppenleiter des Wasserverbands Hessisches Ried (WHR), erklärt das Prinzip direkt im Brauchwasserwerk in Biebesheim (Groß-Gerau): Rheinwasser wird gereinigt, gesiebt und gepumpt – und durchläuft noch fünf weitere Aufbereitungsstufen, bevor es in riesigen Tanks landet.

Von dort aus verteilt sich das Wasser über zwei Wege: Bis zu acht Millionen Kubikmeter pro Jahr fließen über ein 290 Kilometer langes Rohrleitungsnetz zu Landwirten für die Beregnung ihrer Felder. Bis zu 35 Millionen Kubikmeter werden in Infiltrationsanlagen geleitet – etwa in Pfungstadt-Eschollbrücken. Melanie Vogt vom WHR zeigt vor Ort, wie das aufbereitete Wasser durch Kies in den Boden sickert und so das Grundwasser auffüllt. Bis es als Trinkwasser wieder aus einem Brunnen entnommen werden kann, dauert es bis zu einem Jahr.

Wenn der Rhein zu wenig Wasser führt

Doch der Hitzesommer 2026 macht genau diese Methode schwieriger. Wo normalerweise bis zu drei Kubikmeter Rheinwasser pro Sekunde ins Werk in Biebesheim strömen, ist wegen des niedrigen Flusspegels aus technischen Gründen aktuell weniger als die Hälfte möglich. Den überwiegenden Teil des trotzdem aufbereiteten Wassers haben im Juli die Landwirte der Region benötigt – für die Grundwasseranreicherung blieb entsprechend weniger übrig.

Dennoch gibt sich WHR-Verbandsvorsteherin Elisabeth Jreisat gelassen: „Es ist eine gute Nachricht, dass wir auch jetzt immer noch Wasser aufbereiten können.“ Die Entnahme aus dem Rhein bewege sich im Promillebereich und schade dem Fluss nicht. Und die fehlenden Infiltrationsmengen? Die sollen im hydrogeologischen Winterhalbjahr nachgeholt werden, wenn Pflanzen dem Boden weniger Wasser entziehen.

Was jetzt passieren muss

Für Jörg Nitsch, Landesvorsitzender des BUND Hessen, ist klar: Hessen muss beim bewussten Umgang mit Trinkwasser nachsteuern. Er fordert die Einführung eines sogenannten Wassercents – eine Abgabe auf entnommenes Grundwasser, die in vielen anderen Bundesländern längst existiert.

Auch die Infrastruktur hat in den vergangenen Wochen gelitten. Jreisat will deshalb bei Hessenwasser analysieren, wo nachgebessert werden muss: bei Behälteranlagen, Rohrleitungssystemen, Kühlung und Elektrotechnik – denn besonders die tropischen Nächte waren eine Belastung für die Technik.

Pläne für die Zukunft

Der Wasserverband Hessisches Ried hat bereits im März 2024 eine Machbarkeitsstudie zur künstlichen Grundwasseranreicherung vorgelegt, gefördert vom Hessischen Umweltministerium. Die Studie zeigt drei mögliche Optionen: die Verdopplung der Kapazität im Brauchwasserwerk Biebesheim, ein komplett neues Werk am Rhein oder ein Uferfiltratwerk speziell für die landwirtschaftliche Beregnung. Welche Option es wird, soll noch in diesem Jahr entschieden werden.

Klar ist: Die Trockenheit macht sichtbar, wie wertvoll sauberes Trinkwasser ist – und wie viel Aufwand dahintersteckt, es zu uns nach Hause zu bringen. Bleibt informiert, Frankfurt – und geht bewusst mit Wasser um. Der Sound der Weltstadt braucht auch in heißen Sommern kühlen Kopf!

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