
Der hessische Kinofilm „Bärenjagen
Hessen, 1834: Ein ungeklärter Mord, ein mysteriöser Bär und ein hohes Kopfgeld – das reicht, um ein ganzes Dorf in den Wahnsinn zu treiben. Der Kinofilm „Bärenjagen“ von Regisseur und Drehbuchautor Peter Meister ist eine rabenschwarze Historien-Tragikomödie, die auf den ersten Blick im 19. Jahrhundert spielt – aber eigentlich von heute erzählt. Fake News, Feindbilder, Hysterie: Das klingt erschreckend vertraut, oder?
Im Mittelpunkt steht Heinrich, der sich in Minna verliebt – die Frau seines Bruders Gustav. Minna träumt davon, mit Gustav nach Amerika auszuwandern, doch das Geld fehlt. Als der Major der Landesgendarmerie einen Mord dem letzten deutschen Bären in die Schuhe schiebt und ein hohes Kopfgeld auslobt, bricht eine regelrechte Jagdhysterie aus. Die Dorfbewohner ziehen los – und das Schlimmste in ihnen kommt zum Vorschein. Der Bär selbst? Bleibt ein Phantom.
Peter Meister beschreibt seinen Film als Parabel auf zentrale Probleme unserer Zeit: „die voranschreitende Verunsicherung durch Fake News und das Kreieren äußerer Feindbilder, um von inneren Problemen abzulenken.“ Skurril, wild und bitterkomisch – so fasste er die 90-minütige Tragikomödie bei der Open-Air-Preview im August 2026 selbst zusammen.
Der Film wurde im Frühjahr 2025 größtenteils im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach im Hochtaunuskreis gedreht – 18 von insgesamt 21 Drehtagen fanden in Hessen statt, weitere Szenen entstanden in Rheinland-Pfalz. Dass Meister ausgerechnet auf den Hessenpark kam, hat eine persönliche Geschichte: Bei einem Familienbesuch im Museum entstand die Idee, die Handlung in die Vergangenheit zu versetzen. Ursprünglich war der Stoff in der Gegenwart angesiedelt.
Museumsleiter Jens Scheller zeigt sich begeistert von der Zusammenarbeit – und von der thematischen Passung: „Manchmal kokettiere ich damit, dass es unsere Hauptaufgabe ist, den Menschen zu erklären, dass es die vermeintlich gute alte Zeit nicht gegeben hat.“ Genau das tut auch „Bärenjagen“. Menschen kommen mit einem verklärten Blick ins Museum und wollen ein Dorf-Idyll sehen – der Film wie das Museum räumen damit auf.
Die Drehgenehmigung war übrigens nicht selbstverständlich. Der Hessenpark ist, wie Scheller selbst sagt, „sehr wählerisch“. Doch das Skript überzeugte – und Teile der Crew waren dem Museum bereits vom Tatort-Dreh „Murot und das 1000-jährige Reich“ (2024) bekannt.
Vor der Kamera stehen unter anderem David Scheid, Bernhard Schütz, Aenne Schwarz, Pheline Roggan, Christopher Schärf, Hannes Linder, Maximilian Brauer, Wolfram Koch, Mathias Renneisen und Anna Böger. Große Budget-Spielereien gibt es nicht – die Produktion von Frisbeefilms entstand in Zusammenarbeit mit dem ZDF/Das kleine Fernsehspiel und wurde von Hessen Film & Medien, nordmedia, der Medienförderung Rheinland-Pfalz sowie dem Deutschen Filmförderfonds unterstützt.
Spektakuläre Effekte? Fehlen hier. Aber vermisst werden sie nicht. Im Vordergrund stehen die Figuren mit ihren Sorgen, ihrem Fernweh, ihrem Wunsch nach Veränderung. Passend dazu läuft im Film der Song „Teneriffa“ der Folk-Band „The Düsseldorf Düsterboys“. Meister sagt dazu: Er mag es, „Sachen zu transportieren, mit denen man sich identifizieren kann“.
Die Preview im Hessenpark fand am 11. August 2026 vor rund 800 Zuschauern statt – organisiert vom Film- und Kinobüro Hessen im Rahmen der Reihe „Kinosommer Hessen“. Für alle, die den Film noch nicht gesehen haben: Am 14. Januar 2027 startet „Bärenjagen“ in den deutschen Kinos. Ein Muss für alle, die Hessen lieben, Komödie mögen – und sich fragen, warum die Welt manchmal so verdammt wenig aus der Geschichte lernt.






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Radio Frankfurt
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.