
Der Cityentscheid will Frankfurts Innenstadt grüner, kühler und autoärmer machen. Was das Bürgerbegehren plant und wann Unterschriften gesammelt werden.
37 Grad im Schatten, kaum ein Baum weit und breit – wer in diesen Sommern durch Frankfurts Innenstadt läuft, weiß: So kann es nicht weitergehen. Genau das denkt auch die Initiative Radentscheid und hat jetzt das Bürgerbegehren Cityentscheid ins Leben gerufen. Das Ziel: Die Frankfurter City autoärmer, grüner und deutlich lebenswerter machen. Radio Frankfurt sagt euch, was dahintersteckt!
Beim „Aktivierungstreffen“ im Saalbau Dornbusch – mit gut 70 Leuten fast bis auf den letzten Platz gefüllt – haben Norbert Szep, Beatrix Baltabol, Colin Nallet und Rebecca Faller die Pläne vorgestellt. Und die haben es in sich:
Die City meint die Gruppe dabei als das Gebiet innerhalb der Wallanlagen sowie einen Teil des nördlichen Sachsenhausens. Nur die Berliner Straße und die Achse Konrad-Adenauer-Straße, Kurt-Schumacher-Straße und Walter-Kolb-Straße sollen noch für den Durchgangsverkehr geöffnet bleiben – der Rest wird auf Liefer- und Anliegerverkehr beschränkt.
Allgemeinmediziner Norbert Szep bringt es auf den Punkt: In diesem Sommer kämen besonders viele Menschen in seine Praxis, die „kurz vor dem Kollaps stehen“. Die Hitzewellen sind keine Seltenheit mehr – sie sind, wie Szep sagt, „die neue Realität“. Colin Nallet ergänzt eine beeindruckende Zahl: Jedes fahrende Auto erzeugt so viel Wärme wie zehn Heizkörper. Das heizt die ohnehin schon aufgeheizte Innenstadt weiter auf.
Und auch der Einzelhandel leidet: „In einer versiegelten 40-Grad-Wüste will man auch nicht einkaufen“, sagt Rebecca Faller. Die Leute weichen lieber ins klimatisierte Einkaufszentrum aus. Ein grüneres Stadtbild könnte also nicht nur die Gesundheit schützen, sondern auch die Innenstadt als Einkaufs- und Aufenthaltsort stärken.
Wer jetzt denkt, hier soll einfach das Auto aus der Stadt verbannt werden, liegt falsch. Architektin Beatrix Baltabol stellt klar: „Es geht uns nicht darum, das Autofahren zu verbieten.“ Es gehe vielmehr darum, den Verkehrsraum fair aufzuteilen – für alle, die in Frankfurt leben, arbeiten und unterwegs sind.
Das Bürgerbegehren steckt noch in den Kinderschuhen. Zunächst sind zwei weitere „Aktivierungstreffen“ geplant, bei denen Bündnispartner gesucht und die konkreten Fragen für das Begehren formuliert werden. Unterschriften gesammelt werden sollen erst ab Frühling. Dass die Hürden in Hessen hoch sind, weiß das Radentscheid-Team – man wolle aber alles tun, um das Begehren rechtssicher zu gestalten.
Norbert Szep spricht von einem Leuchtturmprojekt: Gelingt es, die Innenstadt in eine „grüne Oase“ zu verwandeln, soll das Vorgehen auf andere Stadtteile ausgeweitet werden. „Wir würden uns über ein ganz großes Bündnis freuen“, so Faller.
Während der Cityentscheid noch Form annimmt, bleibt der Radentscheid weiter in Bewegung. Bei einer „Kidical Mass“ – einem Fahrradkorso für Familien mit Kindern – geht es vom Goetheplatz aus zu einem Fest in der Mierendorffstraße. Und am 19. September startet um 12.30 Uhr ab der Konstablerwache die „Adlerradler“-Tour zum Heimspiel der Eintracht gegen Freiburg. Die Initiative wirbt damit für eine sichere Radverbindung zum Stadion – die sogenannte „Adlertrasse“.
Frankfurt bewegt sich – und zwar in die richtige Richtung. Bleibt dran, folgt dem Cityentscheid und macht mit! Das ist Der Sound der Weltstadt – eure Stadt, eure Stimme.






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