
Maurice Blum starb nach einem Fahrradunfall in Frankfurt-Schwanheim. Die Initiative Ghostbike erinnert mit einem weißen Fahrrad am Höchster Bahnhof an den…
Es war ein Samstag wie jeder andere. Maurice Blum, 44 Jahre alt, Maschinenbauingenieur, Ehemann und Vater zweier kleiner Kinder, stieg aufs Fahrrad. Er wollte eine neue Brille beim Optiker abholen. Doch auf der Elisabeth-Kuhn-Straße in Frankfurt-Schwanheim kam es zu einem schweren Unfall mit einem Bus. Wenige Tage später starb Maurice Blum im Krankenhaus. Zurück blieben seine Ehefrau, ein sechs- und ein neunjähriges Kind – und eine Mutter, die den Tod ihres Sohnes nicht begreifen kann.
„An dem Samstag war er gerade unterwegs zum Optiker, um eine neue Brille abzuholen“, sagt Margit Blum, die 66-jährige Mutter des Verstorbenen. Sie fuhr bei der Gedenkfahrt mit. Ihren Enkeln – sechs und neun Jahre alt – könne sie den Tod ihres Vaters nicht erklären. Die Schwiegertochter kümmere sich nun alleine um die beiden.
Am Samstag, rund zwei Monate nach dem Unfall am 13. Juni, organisierte die Initiative „Ghostbike“ eine Gedenkfahrt durch Frankfurt. Gut 60 Menschen sammelten sich an der Kirche in Nied, um gemeinsam zum Bahnhof in Höchst zu fahren – wo am Ende ein weißes Fahrrad aufgestellt wurde. Ein sogenanntes Ghostbike: ein Symbol für einen Menschen, der im Straßenverkehr ums Leben gekommen ist.
Joachim Schirrmacher bildete mit dem weißen Fahrrad die Spitze des Zuges. Der Demonstrationszug war offiziell angemeldet und wurde von der Polizei begleitet. Angemeldet hatte ihn Falko Görres, Mitglied der Initiative „Ghostbike“, die sich 2016 gründete. Seitdem hat die Gruppe in Frankfurt 22 weiße Fahrräder aufgestellt – wobei Görres betont: „Das waren mehr“ tödlich Verunglückte im Frankfurter Straßenverkehr. Nicht alle Familien stimmten dem Aufstellen eines Ghostbikes zu.
Unter den rund 60 Teilnehmenden waren auch Fatima und Antonio Azevedo, die Maurice Blum aus dem Tennisclub in Kelsterbach kannten. Die beiden sind selbst leidenschaftliche Radfahrer: „Wir fahren täglich über 40 Kilometer.“ Sie kamen, um einem Freund die letzte Ehre zu erweisen.
Falko Görres selbst ist genauso alt wie Maurice Blum bei seinem Tod war – 44 Jahre. Er fährt täglich mit dem Rad von Frankfurt-Gallus zu seinem Arbeitsplatz als Verkehrsplaner nach Oberursel und legt jährlich bis zu 15.000 Kilometer im Sattel zurück. Auch er hat schon Unfälle erlebt: Vor wenigen Tagen bog eine Frau rechts ab, ohne auf den Radweg neben sich zu achten. Görres zog rechtzeitig die Bremse – und fuhr dennoch gegen das Auto. „Sie war erleichtert, dass mir fast nichts passierte.“
Was am 13. Juni auf der Elisabeth-Kuhn-Straße in Schwanheim genau geschah, ist laut Görres noch nicht abschließend ermittelt. Das Gutachten stehe noch aus. Er weist darauf hin, dass falsches Abbiegen von Autofahrern eine häufige Todesursache bei Radfahrern sei. Wenn er zurückdenke, für wen „Ghostbike“ in den vergangenen Jahren Räder aufstellte, fielen ihm immer wieder ähnliche Fälle ein: „Darunter war etwa die Frau, die auf dem Weg zu ihrem Ruderverein gegen eine geöffnete Autotür fuhr, oder der Polizist, der aus der Schicht kam und einem Falschabbieger zum Opfer fiel.“
Das weiße Fahrrad am Höchster Bahnhof steht jetzt stellvertretend für Maurice Blum – und für alle, die im Frankfurter Straßenverkehr ihr Leben verloren haben. Es ist ein stilles, aber eindringliches Zeichen: für mehr Rücksicht, mehr Aufmerksamkeit und mehr Sicherheit auf Frankfurts Straßen. Wer täglich Fahrrad fährt, kennt das Risiko. Maurice Blum wollte einfach nur eine neue Brille abholen.






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