
Freitag für Freitag verwandelt sich der Friedberger Platz in Frankfurts wildeste Party – ohne Veranstalter, ohne Ticket.
Es gibt Orte in Frankfurt, die sich erklären lassen – und dann gibt es den Friedberger Platz an einem Freitagabend. Kein Veranstalter, keine Einladung, keine Anmeldung. Und trotzdem: Woche für Woche versammeln sich hier Hunderte Menschen, um gemeinsam den Abend zu beginnen. Das ist der Sound der Weltstadt – ungeplant, laut und irgendwie perfekt.
Wer den Abend am Merianplatz startet, merkt es irgendwann: Die Leute verschwinden. Nicht alle auf einmal, aber nach und nach. Einzelne zuerst, dann kleine Gruppen. Eine unsichtbare Bewegung in eine Richtung – und spätestens am Luisenplatz ist klar, wohin der Zug geht. Menschen kommen nicht einfach so am Friedberger Platz an. Sie kommen vorbereitet: mit einzelnen Flaschen, ganzen Kästen, Kühlboxen und Decken. Das ist kein spontanes Vorbeischlendern – das ist ein Ritual.
Der Friedberger Platz ist eines dieser Frankfurter Phänomene, von denen niemand weiß, wann sie entstanden sind. Es gibt schönere Plätze in der Stadt – die bleiben trotzdem leer. Hier läuft es anders. Batuhan Ergün, der für die Kolumne „Durch die Nacht“ über das Frankfurter Nachtleben schreibt, beschreibt es so: Hunderte Male hat er hier einen Abend begonnen – oder beendet. Und immer noch fragt er sich, warum ausgerechnet dieser Platz so zieht.
Die Stadt scheint ihre Versuche, die feierwillige Menge woandershin zu lotsen, inzwischen aufgegeben zu haben. Stattdessen gibt es Toiletten und extra große Müllbehälter – grün, auf Rollen, damit man sie dorthin ziehen kann, wo der Müll gerade entsteht. Das Freitagsphänomen am Friedberger Platz ist offiziell inoffiziell geworden.
Wenn es dunkel wird, läuft am Friedberger Platz mehrere Boxen gleichzeitig – denn niemand entscheidet hier, welche Musik gespielt wird. Die Gruppen, die sich auf dem Beton verteilen, wirken wie Inseln in der Ägäis: nah genug beieinander, um zum selben Bild zu gehören, und weit genug voneinander entfernt, um die eigene Stimmung zu schützen.
Was diesen Ort besonders macht? Hier bestimmt nicht in erster Linie der Geldbeutel, wer dabei sein darf. Manche kaufen Wein an einem der Stände vor Ort, andere holen sich beim Kiosk ein Flaschenbier, wieder andere bringen etwas von zu Hause mit. Ein Porsche-Fahrer steigt aus, holt sich ein Bier und stellt sich zu seinen Freunden. Ein Mann zieht zwischen den Gruppen durch und sammelt Pfandflaschen. Studenten diskutieren lautstark. Alle sind hier. Niemand muss etwas bestellen, um dabei sein zu können – und doch feiern alle zusammen.
Genau das macht den Friedberger Platz so besonders: Er passiert einfach. Freitag für Freitag. Ohne Werbung, ohne Ticket, ohne Programm. Ein Stück echtes Frankfurt, das man nicht planen kann – das man nur erleben kann. Also: Kühlbox schnappen, Decke einpacken und einfach hingehen. Das beste Programm im Main-Gebiet braucht manchmal gar keine Bühne.






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