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Malaria-Fälle in Frankfurt: Forscher zweifeln an der Mücken-Theorie

Malaria in Frankfurt: Experten zweifeln an der Theorie einer einzelnen Mücke und vermuten heimische Brutstätten. Alle neuen Erkenntnisse im Überblick.

Redaktion
·
7. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 41 Minuten

Neue Fragen bei den Frankfurter Malaria-Fällen

Der Sound der Weltstadt bringt auch ernste Themen mit sich – und eines davon beschäftigt gerade Experten und Behörden gleichermaßen: die Malaria-Fälle rund um Frankfurt. Seit Juni sind im Raum Frankfurt acht Menschen erkrankt, drei von ihnen sind gestorben. Das Besondere daran: Zwei Erkrankte hatten weder am Flughafen gearbeitet noch waren sie auf Fernreise. Und genau das wirft jetzt neue Fragen auf.

Eine Mücke für alle Fälle? Forscher sind skeptisch

Ursprünglich ging man von klassischer Flughafen-Malaria aus: Eine eingeschleppte Mücke sticht, überträgt den Erreger – fertig. Doch so einfach scheint es nicht zu sein. Wie die ZEIT berichtet, erscheint Fachleuten wie Doris Becker und Andreas Krüger die Erklärung, eine einzige Mücke sei für alle Fälle verantwortlich, schlicht nicht logisch. Becker weist auf die große Distanz vom Flughafen bis nach Schwanheim hin – und darauf, dass dort zwei Menschen gleichzeitig infiziert wurden. Die beiden mutmaßlich eingeschleppten Anopheles-Arten, Anopheles gambiae und Anopheles arabiensis, fliegen laut ZEIT normalerweise nur im Umkreis von ein bis eineinhalb Kilometern. Nur in Ausnahmefällen schaffen sie mehrere Kilometer.

Deshalb wird jetzt auch über heimische Brutstätten spekuliert. Die Mückenart Anopheles plumbeus brütet gern in Baumhöhlen, besonders in alten Buchen – und braucht dafür keine stehenden Gewässer. Krüger hält es für gut vorstellbar, dass es auch im Stadtwald eine Population gibt, konkret im westlichen Teil zwischen Flughafen und Schwanheim.

Was die Wissenschaft zur Übertragung sagt

Einordnung gibt es auch von Sven Klimpel, Professor für Parasitologie an der Universität Frankfurt. In einem Interview mit der FAZ erklärt er, dass die eingeschleppten Mücken vermutlich aus Afrika stammen und über Frachträume von Flugzeugen nach Frankfurt gelangt sind. Mitarbeiter am Flughafen wurden gestochen und infiziert. Bei warmem Wetter können tropische Anopheles-Mücken hierzulande durchaus überleben – außerhalb des Winters zehn bis 14 Tage, bei günstigen Bedingungen sogar ein bis zwei Monate. Mit dem Wind können sie laut Klimpel auch zwei bis drei Kilometer weit fliegen.

Auch Klimpel widerspricht der Idee, eine einzelne Mücke habe alle Fälle verursacht: Dafür müsste sie viel zu lange unterwegs gewesen sein. Zudem hätten die Betroffenen nicht alle zusammengelebt. Wahrscheinlicher sei, dass mehrere Mücken gleichzeitig eingeschleppt wurden und bei günstigem Wind weitere Strecken zurücklegten.

Einordnung: Kein Einzelfall, aber auch kein Grund zur Panik

Wichtig für alle Frankfurter: Nach Angaben von Klimpel sind Flughafen-Malaria-Fälle kein spezifisch Frankfurter Problem. Laut einer Studie wurden zwischen 1969 und Anfang 2024 europaweit 154 solcher Fälle registriert. Flughäfen setzen laut internationalen Luftfahrtrichtlinien und WHO-Empfehlungen Insektizide zur Desinfektion von Flugzeugen und Frachträumen ein – hundertprozentigen Schutz gebe es aber nicht.

Auch heimische Anopheles-Mücken könnten theoretisch Malaria übertragen, wenn sie einen Infizierten stechen. Laut Klimpel ist das aber unwahrscheinlich, weil heimische Arten weniger empfänglich für den Erreger sind als tropische. Das Risiko einer Übertragung in einem malariafreien Gebiet sei sehr gering, aber nicht gleich null – relevant werde es erst, wenn mehrere infizierte Personen gleichzeitig einreisen, viele kompetente Mücken vorhanden sind und die klimatischen Bedingungen stimmen. Diese Konstellation bezeichnet Klimpel als sehr unwahrscheinlich.

Fazit: Untersuchungen laufen weiter

Ob am Ende doch eine einzelne verirrte Mücke oder mehrere eingeschleppte Insekten mit möglicher heimischer Vermehrung hinter den Frankfurter Fällen stecken, ist weiterhin offen. Klar ist: Forscher und Behörden bleiben dran, und auch Bürgerinnen und Bürger können laut Klimpel helfen, indem sie gefundene Mücken fotografieren oder einschicken. Radio Frankfurt bleibt für euch am Ball – das beste Programm im Main-Gebiet hält euch auf dem Laufenden, sobald es neue Erkenntnisse gibt. Jetzt reinhören!

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