
She She Pop und die Junge Deutsche Philharmonie bringen im Mousonturm Frankfurt Klassik ganz nah ran. Noch bis 23. August könnt ihr „Freispiel – Das große Ganze
Was passiert, wenn ein erfahrenes Performancekollektiv auf ein Orchester trifft und gemeinsam die Frage stellt: Was steckt eigentlich wirklich hinter dem großen Ganzen? Genau das erlebt ihr gerade im Frankfurter Mousonturm – und es lohnt sich sehr, hinzugehen!
She She Pop hat die Junge Deutsche Philharmonie zum Sprechen gebracht. Das in Frankfurt ansässige Auswahlorchester herausragender Studenten deutscher Hochschulen steht dabei nicht nur mit Instrumenten auf der Bühne – sondern mit Haltung, Persönlichkeit und überraschend viel Humor. Das Ergebnis heißt „Freispiel – Das große Ganze“, und wer es gesehen hat, fühlt sich danach, als würde er jeden einzelnen Musiker persönlich kennen.
She She Pop hat kluge Fragen gestellt – an die Körper, an den Klangkörper, an Bewegungen und Haltungen. Scharfsichtig und gleichzeitig warmherzig. Die jungen Musikerinnen und Musiker machen sich über kleine Eitelkeiten und Rituale lustig, liefern kluge Bemerkungen über kulturelle Diversität und zeigen sich in ihrer jugendlichen Alltagskleidung von ganz nah. Das ist keine trockene Musik-Dokumentation – das ist echtes Leben hinter den Pulten.
Denn mal ehrlich: Dass auch Pianisten Stromrechnungen bezahlen müssen, dass begeisterte Musiker Depressionen haben können, oder dass Geiger einen schmerzhaften roten Fleck am Hals tragen – das denkt man als Konzertbesucher nie nach. Hier bekommt ihr genau das zu sehen. Und es macht etwas mit euch.
In 100 Minuten mit chorischen Passagen, Videoszenen und geschriebenen Botschaften passiert im Mousonturm erstaunlich viel: Man lacht, staunt und erlebt, wie sehr das Offenlegen von Person und Profession die eigene Wahrnehmung von Musik verändern kann.
Den Auftakt macht Grażyna Bacewicz‘ Konzert für Streichorchester von 1948 – zunächst als Konserve, die das Orchester mitsamt seinen Instrumenten buchstäblich zum Tanzen bringt. Wenn dann Dirigentin Friederike Scheunchen das dreisätzige, ultradynamische Werk live dirigiert, ist die innere Bewegung der Musikerinnen und Musiker plötzlich greifbar und nachvollziehbar. Ein starker Moment.
Den emotionalen Abschluss bildet „La création du monde“ von Darius Milhaud (1923) – in Musik, bewegten Bildern und Stimmung zusammengeführt. Von der orchestralen Wucht bei Bacewicz bis zum flirrenden Jazz bei Milhaud dürfen die jungen Musiker ihr Licht leuchten lassen. Gänsehaut garantiert.
Einziger Wermutstropfen des Abends: das mittlere Stück „Connected Identities (Part I)“ (2017–2021), komponiert, gesungen und performt von Diana Syrse, mit seinem banalen Text, diabolischen Gesten und kaum moduliertem Dauer-Fortissimo, erschließt sich in diesem Rahmen nicht ganz so überzeugend.
„Freispiel – Das große Ganze“ ist eine der klügsten, unterhaltsamsten und kompaktesten Begegnungen mit klassischer Musik, die Frankfurt aktuell zu bieten hat. Besonders für junge Menschen, die mit Orchestern bisher wenig am Hut hatten, ist das hier ein echter Türöffner.
Noch bis zum 23. August läuft die Produktion im Mousonturm Frankfurt. Danach geht es weiter zum Kunstfest Weimar – dort sind She She Pop und die Junge Deutsche Philharmonie am 25. und 26. August zu erleben. Also: Jetzt Tickets sichern und dieses außergewöhnliche Stück Frankfurt-Kultur nicht verpassen!
Update: Es gibt neue Entwicklungen zu diesem Thema:






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