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Frankfurterin Edith Erbrich: Holocaust-Überlebende erhält Ehrenplakette – und hat eine wichtige Botschaft

Edith Erbrich, Holocaust-Überlebende aus Frankfurt, erhielt die Ehrenplakette der Stadt – und richtet eine eindringliche Warnung an uns alle.

Redaktion
·
17. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 2 Tagen

Eine Frau, die Geschichte trägt – und weitergibt

Sie ist 88 Jahre alt, trägt rot gefärbte Haare und strahlt eine Energie aus, die jeden im Raum ansteckt: Edith Erbrich ist eine der wenigen noch lebenden Zeitzeug:innen des Holocaust – und eine echte Frankfurterin durch und durch. Am Montag, dem 17. August, erhielt sie im Römer aus den Händen von Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt. „Das ist eine große Ehre“, sagt sie. Und wir sagen: Diese Ehre ist mehr als verdient.

Als Siebenjährige ins KZ Theresienstadt

Edith Erbrich, geborene Bär, kommt im Oktober 1937 in Frankfurt als Tochter eines Juden und einer Katholikin zur Welt. Die Nationalsozialisten demütigen sie als sogenannte „Halbjüdin“: Sie darf nicht zur Schule gehen, muss den „Judenstern“ tragen. Am 14. Februar 1945 muss die Siebenjährige gemeinsam mit ihrem Vater und ihrer vier Jahre älteren Schwester vom Wohnhaus in der Uhlandstraße zur Großmarkthalle laufen – dem Ausgangspunkt eines Transports in das Konzentrationslager Theresienstadt.

Ihre Mutter, schwanger und von den Nazis als „Arierin“ eingestuft, darf nicht mit. Ein erschütternder Moment bleibt ihr für immer in Erinnerung: Als Edith bereits im Viehwaggon steht, öffnet ein SS-Mann kurz die Schiebetür und ruft, man solle die Kinder hochhalten – die Mutter wolle sie noch einmal sehen. Dieses Bild ist heute unterhalb eines Stegs festgehalten, der nach Erbrich benannt wurde. Sie selbst hat sich dafür eingesetzt, dass an der Großmarkthalle – dort, wo heute die EZB steht – ein Mahnmal an die Deportationen erinnert.

Alle drei Familienmitglieder überleben das KZ Theresienstadt. Von den 11.000 deportierten Frankfurter Jüdinnen und Juden hatten nur 179 überlebt. Eigentlich, so erfuhr Erbrich später aus den Akten, war sie zur Deportation nach Auschwitz und zur Vergasung vorgesehen.

Ihr Leben nach dem Krieg – und der Weg zur Zeitzeugin

Nach der Rückkehr nach Frankfurt macht Erbrich eine Ausbildung bei der Frankfurter Rundschau in der Finanzbuchhaltung und wechselt später zu den Stadtwerken. Sie heiratet, bekommt jedoch keine Kinder. Ihre Schwester, die sie als „meine Schwester, meine Freundin, meine Mutter – sie war alles für mich“ beschreibt, verstarb vergangenes Jahr im Alter von 92 Jahren.

Lange Zeit schwieg Erbrich über ihre Erlebnisse. Erst 1997, als sie in Rente ging, begann sie, ihre Geschichte öffentlich zu erzählen – vor Schüler:innen, in Interviews und schließlich in ihrem Buch „Ich hab‘ das Lachen nicht verlernt“. „Ich wollte das nicht während meines Berufslebens machen, ich wollte kein Mitleid von Kollegen“, erklärt sie. Lange habe sie außerdem gedacht: „Meine Geschichte interessiert keinen Menschen.“ Wie falsch sie damit lag. Neben der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt hat sie bereits das Bundesverdienstkreuz und den Hessischen Verdienstorden erhalten.

Ihre Warnung: Haltet die Augen offen!

Was bewegt Edith Erbrich angesichts des aktuellen Rechtsrucks in Deutschland und Europa? Ihre Botschaft ist klar und direkt – genau so, wie wir sie kennen und schätzen:

  • „Bitte haltet die Augen und Ohren offen, damit so etwas nicht mehr passiert.“
  • „Denn nachher kommt wieder: ‚Wir haben von all dem nichts gewusst.'“ – Und wenn sie diesen Satz höre, werde sie sehr wütend.

Auf die Frage, ob sie Angst vor der Zukunft habe, wenn es keine Zeitzeug:innen mehr gibt, antwortet sie nachdenklich: „Ich habe so viele Aufnahmen meiner Erinnerungen hinterlassen. Es wird weitergehen, auch wenn es natürlich etwas anderes ist, wenn jemand erzählt, der den Holocaust selbst erlebt hat. Aber irgendwann sterben wir alle aus.“

Frankfurt, vergiss nicht!

Edith Erbrich ist ein lebendiges Stück Frankfurter Geschichte – und ihr Mut, immer wieder zu erzählen, ist ein Geschenk an uns alle. Die Ehrenplakette der Stadt ist ein längst überfälliges Zeichen des Dankes. Ihre Worte aber sind das eigentliche Vermächtnis: Wachsam bleiben, hinschauen, nicht schweigen. Das ist der Auftrag, den sie uns mitgibt – und den wir als Teil dieser Stadt annehmen sollten.

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