
Seher Danisman startet am 2. August beim Triathlon in Frankfurt – unter Polizeischutz. Die muslimische Athletin erhält fast täglich Hassnachrichten und…
Über ein Jahr Training, jede Menge Herzblut – und dann das: Seher Danisman, 25 Jahre alt, Sportwissenschaftlerin aus Frankfurt, steht kurz vor ihrem ersten olympischen Triathlon. Das Rennen findet am Sonntag, dem 2. August, in Frankfurt statt. Eigentlich sollte jetzt nur noch die Vorfreude überwiegen. Doch stattdessen steht die Athletin unter Polizeischutz – wegen massiver Drohungen im Netz.
Wer den City Triathlon Frankfurt auf dem Zettel hat, weiß: Das Großevent bringt ohnehin Einschränkungen mit sich. Schon in unserem früheren Beitrag zu Stau, Sperrungen und S-Bahn-Chaos im Rhein-Main-Gebiet haben wir auf die Belastungen für Pendler und Verkehrsteilnehmer hingewiesen. Dass der Wettkampf am Wochenende aber auch eine ganz andere, menschliche Dimension bekommt, zeigt die Geschichte von Seher Danisman.
Danisman teilt ihre sportliche Reise offen auf Social Media. Als Hijabi und muslimische Frau möchte sie andere ermutigen: „Ich möchte zeigen, was es braucht, um selbstbewusst als Hijabi aufzutreten und die eigene Identität als Muslima mehr zu lieben“, schreibt sie ihrer Community. Doch diese Sichtbarkeit hat ihren Preis. „Ich bekomme fast täglich Hassnachrichten“, sagt sie.
Als der Veranstalter des City Triathlons Danisman auf dem offiziellen Account portraitierte – als Zeichen für Vielfalt im Sport – eskalierte die Lage innerhalb einer Nacht. Hasskommentare fluteten den Beitrag, das Social-Media-Team musste die Kommentarspalte bereinigen. Darunter waren auch konkrete Drohungen: „Wir wissen jetzt, wo du bist, und werden dich finden.“
Die Organisatoren reagierten sofort und boten Danisman Polizeischutz an. Sie willigte ein. Wenn sie am Sonntag in Frankfurt an den Start geht, wird die Polizei dabei sein. „Mir ist wichtig, auch diese Realität zu zeigen“, sagt die 25-Jährige klar und deutlich.
Gleichzeitig betont sie: Sie spricht nur für sich und ihre persönliche Geschichte – nicht stellvertretend für alle muslimischen Frauen. Nachrichten wie „Geh in dein Land zurück“ versucht sie größtenteils zu ignorieren. Der Sport steht für sie im Vordergrund. Und die Unterstützung, die sie erfährt, gibt ihr Kraft: „Ich bin sehr dankbar, dass mich so viele Leute unterstützen und mir Halt geben.“
Doch sie macht auch keinen Hehl daraus: Die negativen Kommentare gehen nicht spurlos an ihr vorbei. Mit wachsender Sichtbarkeit kommen eben auch mehr Anfeindungen – eine Realität, mit der sie täglich umgehen muss.
Seher Danisman ist Sportwissenschaftlerin und Gründerin der Online-Plattform „Fitspirated“. Die Plattform ist spezialisiert auf Fitness- und Lifestyle-Coaching für muslimische Frauen. Neben ihrem eigenen Training gibt sie also auch Coachings – und zeigt damit, dass Sport und muslimische Identität sich nicht ausschließen, sondern ergänzen können.
Ihren ersten Triathlon absolvierte sie auf der Sprint-Distanz. „Ich bin dann in den Sport reingerutscht“, erzählt sie. Jetzt folgt die nächste Stufe: die olympische Distanz, am Sonntag, in ihrer Stadt Frankfurt.
Der Sound der Weltstadt kennt viele Töne – auch den von Menschen, die trotz Hass und Drohungen einfach weitermachen. Seher Danisman ist eine davon. Wir drücken ihr für Sonntag die Daumen und sagen: Frankfurt ist für dich!






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