
Frankfurt verliert Tausende Arbeitsplätze: Samson zieht mit 2000 Mitarbeitern nach Offenbach, die dwpbank nach Eschborn. Was das für die Mainmetropole bedeutet.
Schlechte Nachrichten für den Wirtschaftsstandort Frankfurt: Gleich mehrere große Unternehmen kehren der Mainmetropole den Rücken – und ziehen mit Tausenden von Beschäftigten ins direkte Umland. Vor allem Offenbach und Eschborn profitieren von den Standortverlagerungen. Für Frankfurt bedeutet das einen spürbaren Verlust an Arbeitsplätzen und Wirtschaftskraft.
Den größten Standortwechsel vollzieht der Mess- und Regeltechnikhersteller Samson. Das Unternehmen begann bereits 2025 mit dem Umzug seines Hauptsitzes und großer Produktionsteile nach Offenbach. „Insgesamt ziehen rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Frankfurt nach Offenbach um“, teilte Samson zum Start der mehrjährigen Verlagerung mit. Immerhin: Ein Innovationszentrum soll am alten Frankfurter Standort erhalten bleiben.
Doch Samson ist nicht allein. Auch die Deutsche Wertpapier-Service Bank (dwpbank) verlegt ihren Standort im August 2026 mit rund 700 Beschäftigten nach Eschborn. Kia Deutschland hat Frankfurt 2026 ebenfalls Richtung Eschborn verlassen – rund 170 Beschäftigte sind betroffen, wobei die Europazentrale am Main verbleibt. Das Kundencenter der Zurich Gruppe Deutschland wechselte ebenfalls in den benachbarten Taunusort. Und das Dechema-Forschungsinstitut zog Ende 2025 mit etwa 80 Beschäftigten nach Bad Homburg.
Und es geht weiter: Auch in den kommenden Jahren stehen Frankfurt weitere Verluste bevor. Der Chemiekonzern BASF verlässt den Industriepark Höchst voraussichtlich 2027. Der Bayer-Konzern plant, seinen dortigen Standort für Pflanzenschutzprodukte bis Ende 2028 zu schließen. Und auch die S. Fischer Verlage verlegen ihren Hauptsitz ab Sommer 2027 nach Berlin. Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) kommentierte den Verlage-Wegzug mit deutlichen Worten: „Für uns als Stadt ist es immer ein Verlust, wenn Unternehmen sich dazu entschließen, zentrale Abteilungen aus Frankfurt abzuziehen. Umso mehr betrübt es uns, dass es sich hierbei um einen Buchverlag handelt, der hier fast 80 Jahre seinen Sitz hatte.“
Den Abgängen stehen allerdings auch einige Neu- und Wiederansiedlungen gegenüber. Die Fluggesellschaft Condor bezog dieses Jahr ihre neue Zentrale in Gateway Gardens am Flughafen Frankfurt. Condor-Chef Peter Gerber erklärte dazu: „Mit unserem neuen Standort rücken wir wieder näher an das Herz unserer Operation – den Flughafen Frankfurt.“ Außerdem wird die Dr. Beckmann Group ihren Hauptsitz mit rund 300 Mitarbeitern von Egelsbach ins Frankfurter Ostend verlegen.
Besonders positiv: Siemens kündigte im Sommer 2026 an, insgesamt 300 Millionen Euro in den Ausbau seiner Schaltanlagenproduktion in Frankfurt und Offenbach zu investieren. Bis 2030 sollen an drei Standorten rund 700 neue Arbeitsplätze entstehen – angetrieben durch die weltweit steigende Nachfrage nach elektrischen Schaltanlagen, unter anderem durch den Boom bei Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz.
Dazu eröffneten mehrere ausländische Finanz- und Technologieunternehmen kleinere Niederlassungen in Frankfurt – darunter der US-Softwareanbieter Sonatus, der Medientechnikdienstleister Diversified, der Immobilieninvestor Griffin Capital Partners und weitere internationale Player. Konkrete Beschäftigtenzahlen nannten die Unternehmen meist nicht.
Die Wirtschaftsvertreter schauen mit gemischten Gefühlen auf diese Entwicklung. Der Präsident der IHK Frankfurt, Ulrich Caspar, bezeichnet den Geschäftsklimaindex als „deutliches Alarmsignal“. Unternehmen litten unter hohen Energiekosten, zunehmender Bürokratie und langen Genehmigungsverfahren. Caspar fordert „wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Berichtspflichten und einen konsequenten Abbau von Überregulierung“ – und setzt dabei auf mehr Zusammenhalt in der Region: „Frankfurt-Rhein-Main gewinnt den internationalen Standortwettbewerb nur als gemeinsam auftretende Region.“
Auch Frankfurt Main Finance kommt in seinem aktuellen Finanzplatzbericht zu einem gemischten Ergebnis. Frankfurt profitiert weiterhin vom Brexit und zieht internationale Banken an – kämpft aber gleichzeitig mit Fachkräftemangel, einem angespannten Wohnungsmarkt und hohen Standortkosten. Das Institut der deutschen Wirtschaft und der Prognos-Zukunftsatlas zählen Frankfurt zwar weiterhin zu den leistungsfähigsten Wirtschaftsstandorten Deutschlands, warnen aber vor wachsendem Wettbewerbsdruck durch das Umland.
Klar ist: Frankfurt bleibt eine starke Metropole – aber der Sound der Weltstadt muss lauter werden, wenn die Stadt auch künftig große Arbeitgeber halten will. Bleibt gespannt, wie sich die Lage entwickelt – Radio Frankfurt hält euch auf dem Laufenden!






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