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Förderprogramm läuft aus: Frankfurter AWO droht, 200.000 Euro zu verlieren

Das Bundesförderprogramm „Menschen stärken Menschen

Redaktion
·
12. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 6 Stunden

Gute Arbeit in Gefahr – Frankfurt schaut zu

Frankfurt ist bunt, vielfältig und sozial – das zeigt sich täglich in den unzähligen Projekten, die Menschen in unserer Stadt zusammenbringen. Doch jetzt droht einem dieser Projekte das Aus: Der Frankfurter AWO fehlen ab Januar 200.000 Euro, weil das Bundesförderprogramm „Menschen stärken Menschen“ zum 31. Dezember ausläuft. Was das konkret bedeutet? Weniger Chancen, weniger Zusammenhalt – mitten in unserer Stadt.

Was steckt hinter dem Programm?

Das Tandem-Projekt „Team aktiv“ der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Ostend macht genau das, was man von sozialer Arbeit erwartet: Es verändert Leben. Das zeigt die Geschichte von Sedef Ertekin und ihrer Tandem-Partnerin Helena Heinz. Vor gut fünf Jahren brachte die AWO die beiden zusammen. Ertekin hatte zuvor nur zwei Jahre die Schule besucht – ihr Ziel war klar: ein Schulabschluss. Woche für Woche übten die beiden Deutsch, arbeiteten Unterrichtsmaterial durch, sprachen, lasen und schrieben gemeinsam.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Nach elf Monaten hielt Ertekin ihren Hauptschulabschluss in den Händen, sechs Monate später den Realschulabschluss. Es folgte eine Kinderpflegeausbildung – und jetzt steckt sie im dritten Jahr ihrer Erzieherinnenausbildung. „Wir sind wie eine Familie“, sagt Ertekin über ihre Beziehung zu Heinz. Dieses Tandem ist kein Einzelfall. Hunderte solcher Paare werden durch das Bundesprogramm ermöglicht. Doch das soll jetzt enden.

200.000 Euro – und plötzlich ist vieles weg

„Wir hoffen, dass sich noch etwas tut“, sagt Tobias Lauer, der seit Anfang September neu im Vorstand der Frankfurter AWO ist. Doch die Hoffnung allein zahlt keine Rechnungen. Wenn das Programm wegfällt, droht nicht nur der Verlust von 200.000 Euro – es würde die komplette hauptamtliche Organisation des Projekts wegbrechen und viel geschaffene Infrastruktur einfach verschwinden. Menschen, die gerade erst Fuß fassen, verlören ihre Unterstützung.

Der Besuch der AWO-Zentrale war Teil des „Sozialen Stadtspaziergangs“, den die Liga der Wohlfahrtsverbände Frankfurt am Donnerstag organisiert hatte. Dabei kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wohlfahrt miteinander ins Gespräch – und bekamen hautnah zu sehen, was auf dem Spiel steht.

Auch das Altenzentrum der Jüdischen Gemeinde macht sich Sorgen

Eine weitere Station des Stadtspaziergangs war das Altenzentrum der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt. Kurz vor dem jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana herrschte dort eine warme, gemeinschaftliche Atmosphäre – Musik, Gesang, Menschlichkeit. 145 Beschäftigte und 82 Ehrenamtliche kümmern sich um derzeit 174 Bewohnerinnen und Bewohner. Die Einrichtung, deren Geschichte bis ins Jahr 1914 zurückreicht, pflegt eine kultursensible Haltung – besonders wichtig, weil zur Bewohnerschaft auch Shoa-Überlebende gehören.

Mehrnaz Asgarian, Leiterin der Sozialen Dienste und seit mehr als 40 Jahren im Haus, berichtet: Fachkräftemangel ist bislang kein Thema – aber man bereite sich auf den demografischen Wandel im eigenen Team vor. Einrichtungsleiter Sandro Huberman benennt weitere Herausforderungen: Der Eigenanteil der Bewohnerinnen und Bewohner steige kontinuierlich, schon heute seien 60 Prozent auf Sozialhilfe angewiesen. Und die anstehende Pflegereform werfe große Fragezeichen auf: Lassen sich steigende Tariflöhne noch ausreichend refinanzieren?

Darüber hinaus blickt man im Altenzentrum mit Sorge auf politische Entwicklungen. Das Erstarken der AfD lasse niemanden kalt. „Es macht uns hellhörig“, sagt Asgarian. Und Huberman ergänzt: „Es löst schon Ängste aus. Wir hoffen, dass es nicht auf andere Bundesländer überschwappt.“

Frankfurt braucht diese Projekte

Ob Tandem-Projekt oder kultursensible Altenpflege – soziale Arbeit in Frankfurt ist kein Selbstläufer. Sie braucht Unterstützung, Planungssicherheit und Menschen, die hinschauen. Der Soziale Stadtspaziergang hat gezeigt, was in unserer Stadt möglich ist – und wie fragil diese Errungenschaften sein können, wenn Fördermittel wegbrechen. Die Frankfurter AWO kämpft jetzt darum, dass das Programm weitergeht. Wie es ausgeht? Das entscheidet sich in den nächsten Wochen.

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