
Eine Krähe verfing sich im 2,3-Mio.-Netz über der Konstablerwache – die Feuerwehr musste mit Drehleiter ausrücken.
Das bunte Netz über der Konstablerwache sorgt weiter für Aufregung – und das nicht nur wegen der Kosten. Wie wir in einem früheren Beitrag berichtet haben, hängt die 2,3 Millionen Euro teure Installation „A Sky full of Hope“ der US-amerikanischen Künstlerin Janet Echelman seit dem 11. August über einem der bekanntesten Plätze Frankfurts. Jetzt hat das Kunstwerk eine neue, unrühmliche Schlagzeile produziert: Eine Krähe verfing sich in dem 200 Quadratmeter großen Netz – und die Feuerwehr musste ausrücken.
Es war eine Passantin, die am Dienstagmorgen gegen 9.40 Uhr den Notruf wählte, als sie die verängstigte Krähe im Netz zappeln sah. Gegen 10 Uhr waren Kräfte der Feuerwache 1 mit einem Fahrzeug mit Drehleiter vor Ort. Die Krähe wurde befreit und anschließend der Stadtpolizei übergeben. Laut der Stadt geht es dem Tier gut – sie wurde inzwischen wieder freigelassen. Die Kosten für den Feuerwehreinsatz trägt nach Informationen der BILD der Steuerzahler, da niemand dafür haftbar gemacht werden kann.
Auf die Frage, ob ein so großes Netz mitten in der Stadt nicht von vornherein zur Gefahr für Vögel werden könnte, verweist das Kulturdezernat auf eine „fachliche Bewertung, dass die Netzkonstruktionen der Künstlerin Janet Echelman für Vögel sicher sind“. Gleichzeitig kündigte man an, den Vorfall zu prüfen und zu analysieren, ob Konsequenzen nötig sind.
Die Experten sind da weniger einig. Ornithologe Bernd Petri (65) vom Naturschutzbund Hessen (NABU) stuft das Ganze als Einzelfall ein: „Ich gehe davon aus, dass sich etwa die Tauben vor Ort daran gewöhnen und kleinere Vögel wie Stare im großmaschigen Netz nicht hängen bleiben.“ Sollten sich die Vorfälle jedoch häufen, müsse das Kunstwerk womöglich entfernt werden. Michael Sehr (45) von der Berufstierrettung Rhein-Neckar sieht es deutlich drastischer: „Das Kunstwerk ist eine Todesfalle für Vögel.“
Übrigens: Es ist nicht das erste Mal, dass ein Tier in einem Netz von Janet Echelman landet. Bereits 2021 blieb eine Stockente in ihrem Netz-Kunstwerk in St. Petersburg in Florida (USA) hängen – auch damals mussten Mitarbeiter der Stadt das Tier mit einem Hubsteiger befreien.
Die Vogel-Rettung ist der neueste Aufreger rund um ein Kunstwerk, das von Anfang an für Zoff gesorgt hat. Die 2,3 Millionen Euro aus Steuermitteln, die ohne öffentliche Ausschreibung an Janet Echelman und eine Frankfurter Agentur vergeben wurden, beschäftigen mittlerweile auch die Stadtpolitik. Dezernentin Ina Hartwig (63, SPD) muss kommende Woche auf Antrag der Linken beim Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Rede und Antwort stehen. Die Begründung des Kulturdezernats für die fehlende Ausschreibung – es handle sich um ein „einzigartiges Kunstwerk mit spezifischen Anforderungen“ – zweifeln nicht nur Rechtsexperten an.
Die Installation soll insgesamt drei Jahre lang über der Konstablerwache hängen. Ob Krähen, Kosten und Kritik die Stadt in dieser Zeit noch öfter beschäftigen werden – man darf gespannt sein. Der Sound der Weltstadt klingt gerade jedenfalls ein bisschen schräg.


Im Museum Angewandte Kunst Frankfurt zeigt die Ausstellung „On Display



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