Studio-Hotline 069–669 669 0

Fast jeder zehnte Schüler in Frankfurt geht auf eine Privatschule – das steckt dahinter

Fast jeder zehnte Schüler in Frankfurt besucht eine Privatschule – die Zahl ist in zehn Jahren um 34 Prozent gestiegen. Wir zeigen, warum das so ist.

Redaktion
·
29. Juli 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 7 Stunden

Ein Trend, der sich sehen lässt

Frankfurt wächst – und mit ihr auch der Andrang auf Privatschulen! Laut Angaben des hessischen Kultusministeriums besuchen inzwischen 9,2 Prozent aller Frankfurter Schülerinnen und Schüler eine Privatschule. Das sind insgesamt 9.983 Kinder und Jugendliche. Vor zehn Jahren lag dieser Anteil noch bei 7,7 Prozent. Die Zahl der Privatschüler ist in diesem Zeitraum um satte 34 Prozent gestiegen – während die öffentlichen Schulen im gleichen Zeitraum nur ein Plus von zwölf Prozent auf 98.042 Schüler verzeichneten.

Warum boomt die Privatschule in Frankfurt?

Eine eindeutige Antwort hat das Kultusministerium nicht – es geht von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus. Ein wichtiger Punkt: die Internationalität unserer Stadt. Frankfurt ist Heimat vieler sogenannter Expat-Familien, die beispielsweise bei Institutionen wie der Europäischen Zentralbank arbeiten. Diese Familien bleiben oft nur eine begrenzte Zeit hier und wählen Schulen, an denen ihre Kinder in ihrer Muttersprache unterrichtet werden.

Aber auch lokale Eltern haben ihre Gründe. Zwei Themen tauchen dabei immer wieder auf: die Schulplatzvergabe und der bauliche Zustand vieler öffentlicher Schulen. Weil an zahlreichen weiterführenden Schulen mehr Kinder angemeldet werden als Plätze vorhanden sind, entscheidet oft das Los. Wer das Los-Glück nicht riskieren will – oder es schon verloren hat – meldet sein Kind auf einer Privatschule an. Dazu kommt: Viele private Einrichtungen punkten mit einem besseren baulichen Zustand. Wer es sich leisten kann, wählt eben das.

Verglichen mit dem hessenweiten Durchschnitt von sieben Prozent liegt Frankfurt mit 9,2 Prozent zwar etwas höher – aber laut Ministerium fällt die Stadt angesichts ihrer besonderen Gegebenheiten nicht außergewöhnlich aus dem Rahmen.

35 Privatschulen – und manche platzen aus allen Nähten

Nach Angaben der Stadt gibt es in Frankfurt derzeit 35 Privatschulen. Eine der größten ist die Europäische Schule, die ursprünglich bei ihrer Gründung 2002 für 800 bis 900 Schüler ausgelegt war. Heute werden in Niederursel bereits 1.600 Schülerinnen und Schüler unterrichtet – und die Prognose geht sogar von bis zu 2.550 Schülern in der Zukunft aus. Grund dafür ist unter anderem die Ansiedlung weiterer europäischer Institutionen in Frankfurt, etwa der Anti-Geldwäsche-Behörde AMLA. Die Schule soll zunächst am bisherigen Standort erweitert werden und voraussichtlich später auf dem ehemaligen Bundesbank-Gelände in Bockenheim einen Neubau erhalten.

Anna-Schmidt-Schule baut in Nieder-Erlenbach aus

Auch andere private Bildungseinrichtungen bauen ihre Kapazitäten aus. Die 1886 gegründete Anna-Schmidt-Schule mit ihrem Hauptgebäude im Westend – dort befinden sich eine Kita, zwei Grundschulen und ein Gymnasium – expandiert an ihrem zweiten Standort in Nieder-Erlenbach. Bisher umfasst dieser Standort eine gymnasiale Sekundarstufe I für 430 Schüler. Noch in den Sommerferien sollen die Bauarbeiten für eine neue gymnasiale Oberstufe beginnen – und das laufende Schulleben soll dabei nicht unterbrochen werden.

Mit mehr als 1.650 Schülerinnen und Schülern insgesamt und Wartelisten für die fünfte Klasse ist der Bedarf klar. Jan Werner, Schulleiter des Gymnasiums Nieder-Erlenbach, sagt dazu: „Mit der neuen Oberstufe in Nieder-Erlenbach stärken wir nicht nur das Bildungsangebot der Anna-Schmidt-Schule, sondern geben Familien im Frankfurter Norden die Möglichkeit, ihren Bildungsweg bis zum Abitur vor Ort fortzusetzen.“ Künftig können Schülerinnen und Schüler also auch in Nieder-Erlenbach ihr Abitur ablegen – ein klarer Gewinn für den Frankfurter Norden!

Was bedeutet das für Frankfurt?

Der Trend zur Privatschule zeigt: Frankfurt ist eine Weltstadt mit ganz besonderen Bildungsbedürfnissen. Internationale Familien, knappe Schulplätze und sanierungsbedürftige öffentliche Schulgebäude treiben immer mehr Eltern in Richtung private Alternativen. Ob dieser Trend anhält, bleibt abzuwarten – aber die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Hier in Frankfurt tut sich was – und Radio Frankfurt hält euch auf dem Laufenden!

Quellen


Artikel teilen
Hilf uns, lokale Nachrichten zu verbreiten.

Dein Beitrag für Radio Frankfurt

Ob Meinung, Hinweis oder persönliche Geschichte: Reiche deinen Kommentar ein. Unsere Redaktion prüft deinen Beitrag vor der Veröffentlichung.

Das könnte dich auch interessieren

Diskutiere mit!
Anonym und ganz ohne Anmeldezwang!
Alle Kommentare werden von unserer Redaktion im Vorfeld geprüft.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

1
Kontakt
2
Unterlagen
3
Datenschutz
WhatsApp vorhanden?
    Datenschutz*

    Kontaktformular

    Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.