
Am Frankfurter Mainufer soll ein Mahnmal für die neun Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau entstehen.
Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau neun Menschen auf brutalste Weise ermordet: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov. Ein rechtsextremer Täter löschte ihr Leben in nur wenigen Minuten aus. Fast sieben Jahre später ist die Aufarbeitung für die Angehörigen noch immer eine tägliche Aufgabe – und die Wunden sitzen tief. Frankfurt will nun ein dauerhaftes, sichtbares Zeichen setzen: Direkt am Mainufer, unterhalb der Schönen Aussicht, soll ein Mahnmal entstehen, das die Erinnerung an die Opfer von Hanau fest im öffentlichen Raum verankert.
Die Wahl des Standorts ist kein Zufall. Der Main verbindet Frankfurt und Hanau – geografisch und gesellschaftlich. Stadtverordneter Emre Telyakar (Grüne) bringt es auf den Punkt: „Rassistische Gewalt endet nicht an Stadtgrenzen.“ Für ihn war der 19. Februar 2020 persönlich der Auslöser, in die Politik zu gehen. Das geplante Frankfurter Denkmal soll das Gedenken in Hanau dabei ausdrücklich nicht ersetzen oder in Konkurrenz dazu treten – sondern es ergänzen. Als zweiter sichtbarer Ort einer gemeinsamen Erinnerungskultur in der Region.
Vorgesehen ist eine große Stele, eingebunden in einen neu gestalteten Platz, ergänzt durch Gedenktafeln und digitale Formate. Es soll kein reines Monument der Trauer werden, sondern ein offener Begegnungsraum – gerade auch für junge Menschen. Dezernentin Tina Zapf-Rodríguez (Grüne) betont: „Hanau steht für den Kampf um eine offene Demokratie.“ Besonders wichtig: Die Familien, Angehörigen und Überlebenden wurden von Anfang an einbezogen. Den Künstler haben sie sogar selbst ausgewählt. Das Vorhaben trägt damit die Handschrift derer, die am unmittelbarsten betroffen sind.
In der Frankfurter Koalition aus CDU, Grünen, SPD und Volt ist der Wille klar verankert, die Entwürfe stehen bereits. Doch aktuell bremst noch die Bürokratie: Etatmittel aus den Vorjahren konnten nicht übertragen werden, weshalb Finanzierung und ein konkreter Fertigstellungstermin noch offen sind. Trotzdem bleibt die Botschaft des Projekts unmissverständlich. Telyakar fasst es zusammen: „Erinnern hat kein Enddatum. Ohne konkretes Handeln wird Gedenken sonst schnell zum bloßen Ritual.“
Was den Schmerz der Angehörigen bis heute so schwer macht, ist nicht nur die Tat selbst, sondern das, was drumherum passierte – oder eben nicht. Wäre der Notausgang in der Arena Bar nicht verschlossen gewesen, hätten Menschen rechtzeitig fliehen können. Das zeigen Recherchen der Initiative 19. Februar Hanau und der Agentur Forensic Architecture. Dazu kommt: Der Polizeinotruf war in der Tatnacht nicht ordnungsgemäß geschaltet. Vili Viorel Păun versuchte mehrfach, die 110 zu erreichen – niemand ging ran. Als er den Täter selbst verfolgte, um ihn aufzuhalten, wurde der 22-Jährige erschossen. Laut Medienberichten hatten Polizeikräfte in Hanau bereits seit 2004 auf diese Schwachstellen hingewiesen.
Für zusätzliches Entsetzen sorgte: Mindestens 13 von 19 eingesetzten SEK-Beamten waren nachweislich Teil von Chatgruppen, in denen rechtsextreme Inhalte geteilt wurden. Trotz all dieser schwerwiegenden Befunde stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen bezüglich des verschlossenen Notausgangs und des Notrufs ein – ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten, das für eine Anklage ausreiche, sei nicht feststellbar.
In Zeiten, in denen rechtsextreme Positionen gesellschaftlich lauter werden, versteht Frankfurt das geplante Mahnmal am Mainufer als dauerhaftes Versprechen: Nie vergessen, nie wegsehen. Der Sound der Weltstadt ist bunt, offen und solidarisch – und genau das soll dieses Denkmal für alle sichtbar machen. Wir bleiben dran und halten euch auf dem Laufenden, sobald es neue Entwicklungen zum Projekt gibt.






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