
Das Frankfurter Dialogmuseum bietet Führungen durch stockdunkle Räume – mit Blindenstock und sehbehindertem Guide.
Frankfurt hat einiges zu bieten – aber das Dialogmuseum ist wirklich etwas Besonderes. Hier wartet kein klassischer Museumsrundgang auf euch, sondern ein echtes Erlebnis: stockdunkle Räume, ein Blindenstock in der Hand und ein Guide, der euch sicher durch die Finsternis führt. Klingt aufregend? Ist es auch!
Das Dialogmuseum befindet sich direkt in der B-Ebene der Frankfurter S-Bahn-Station Hauptwache, Passage 10. Und wer einmal dort war, vergisst es so schnell nicht wieder.
Bevor es in die lichtlose Ausstellung geht, dürfen sich die Augen in einem Raum mit schwach leuchtenden Sitzwürfeln langsam an die Dunkelheit gewöhnen. Praktisch: Jede Person bekommt vorab einen Blindenstock in der passenden Größe. Die richtige Länge erkennt man daran, dass der Griff auf Ellenbogenhöhe beginnt – das ist wichtig, damit ihr euch damit wirklich gut zurechtfindet.
Dann wird es komplett dunkel – und los geht’s! Maximal acht Teilnehmende erkunden gemeinsam mit einem blinden oder sehbehinderten Guide die Ausstellung. Der Rundgang dauert 60 Minuten und führt durch Themenräume zu Natur und Stadt, einen Überraschungsraum mit wechselnden Inhalten und – als besonderes Highlight – die „DunkelBar“. Dort gibt es ein Getränk der Wahl und ausführliche Gespräche zwischen Guide und Gruppe. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten!
Guide Sezen Stearn übernimmt die erste Tour am Morgen. Sie kennt die Ausstellung auswendig und navigiert ganz ohne Stock – über Akustik und Schnipsen. Ihre ruhige, angenehme Stimme gibt Orientierung, wenn es um einen herum absolut nichts zu sehen gibt. „Ich bin hier“, sagt sie in regelmäßigen Abständen – und das reicht, um ihr sicher zu folgen.
Sezen beschreibt die Räume, kündigt Türen und Wände an, fragt nach dem Klangeindruck. Denn: Teppich dämpft den Schall, das hört man sofort. So schärft die Tour fast automatisch alle Sinne, die man im Alltag kaum bewusst einsetzt.
Die schönsten Momente für Sezen? Wenn Menschen mit Unsicherheit oder sogar Angst in die Führung starten – und ihr hinterher sagen, dass ihre Stimme ihnen Sicherheit gegeben hat. Das ist echter Impact, mitten in Frankfurt!
Laura Margielski, stellvertretende Geschäftsführerin des Museums, bringt es auf den Punkt: „Wir zeigen nicht, wie es ist, blind zu sein. Wir machen nur das Licht aus und ermöglichen dadurch einen Perspektivwechsel.“ Genau das ist die Stärke des Dialogmuseums. Der Fokus verschiebt sich auf andere Sinne – und gleichzeitig entsteht ein echter Rollenwechsel: Plötzlich ist man selbst auf die Hilfe von Menschen mit Behinderung angewiesen.
Das verbindet! Margielski berichtet, dass Gruppen nach der Tour oft noch enger zusammenwachsen. Manche Teilnehmenden, die sich vorher gar nicht kannten, sind anschließend sogar zusammen essen gegangen.
Das Museum hat bis Samstag geöffnet: Dienstag von 9 bis 13 Uhr, Mittwoch bis Freitag von 9 bis 19 Uhr und Samstag von 10 bis 20 Uhr. Das Foyer kann übrigens auch unabhängig von einer geführten Tour besucht werden. In den Sommerferien gibt es dort eine Bastelwerkstatt, Spiele, Bücher und sogar ein Klavier.
Also, Frankfurt – wagt den Perspektivwechsel! Das Dialogmuseum zeigt eindrucksvoll, wie viel wir wahrnehmen können, wenn wir mal das Licht auslassen. Der Sound der Weltstadt hat manchmal keinen Sound – und genau das macht ihn unvergesslich.






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