
„Die unsichtbare Stadt
Was passiert, wenn Theater einfach mal die Klappe hält – und trotzdem alles sagt? Genau das erleben Frankfurter Zuschauer gerade in der Jungen Theaterwerkstatt im Zoo Frankfurt. „Die unsichtbare Stadt“ heißt das Stück, das das Frankfurter Theater Grüne Soße gemeinsam mit dem schottischen Partner Tortoise in a Nutshell entwickelt hat. Und es ist anders, als ihr euch Theater vielleicht vorstellt: stumm, aus Pappkarton – und absolut bezaubernd.
Das Besondere an dieser deutsch-schottischen Koproduktion ist nicht nur die künstlerische Idee, sondern auch der Weg dahin. Das Stück wurde mit Mitteln aus dem Bundesprogramm Zero für klimaneutrale Kunst- und Kulturprojekte gefördert. Vor der Premiere wurde sogar angemerkt, dass die finale CO₂-Bilanz noch aussteht – so ernst nehmen die Macher das Thema Nachhaltigkeit. Internationales Theater geht also auch klimaschonend. Das ist der Sound der Weltstadt, wenn ihr fragt!
Zwei Performer stehen auf der Bühne – in der Premiere waren das Liljan Halfen (Grüne Soße) und Alex Bird (Tortoise) – und spielen mit einem Haufen großer und kleiner Pappkartons. Diese Kartons sind ausgeschnitten, beklebt, mit winzigen Lichtquellen und Projektionen versehen. Darin verbirgt sich eine ganze Stadt: mit Geheimnissen, Überraschungen, Zumutungen und kleinen Wundern. Plötzlich taucht zum Beispiel ein echtes Zebra auf – handwerklich ist das schlicht eine Augenweide.
„Die unsichtbare Stadt“ ist als Stückentwicklung für alle ab acht Jahren konzipiert. Das Gerüst der Geschichte ist bewusst vage gehalten: Ein Mädchen zieht vom ruhigen Land in die turbulente, anonyme Großstadt. Klingt einfach – und genau das ist die Stärke. Denn die bezaubernde Stadtlandschaft, die sich in einer guten Dreiviertelstunde auf der Bühne entfaltet, spricht für sich.
Jeder kann sich herauspicken, was ihm wichtig ist. Es gibt pantomimische Elemente, die humorvoll menschliche Verhaltensweisen zeigen: vom morgendlichen Gähnen bis zum Rückzug eines jungen Menschen an den Rand des Geschehens, Kopfhörer auf den Ohren, Welt ausgeblendet. Es gibt Einspieler eines Vaters, der dem Kind nicht viel zu sagen weiß, und das Geplapper des Großstadtradios. Die Einförmigkeit des Büroalltags, das Fremde zwischen den Hochhäusern – all das blitzt in den Pappszenerien auf.
Das Publikum sitzt nicht bequem auf Distanz im Zuschauerraum, sondern mittendrin – direkt auf der Bühne, nah an dieser kleinen Welt. Das schafft eine dichte, ganz besondere Stimmung. Neben Liljan Halfen und Alex Bird können auch Ossian Hain und Arran Howie die fast stummen Rollen übernehmen. Für das Theater Grüne Soße ist das eine völlig neue Spielweise – erfrischend anders und mit echtem Potenzial.
Und das Nachhaltigkeitskonzept greift auch hier: Beide Gruppen können das Stück getrennt voneinander noch viele Male aufführen – in Frankfurt und natürlich auch in Edinburgh. Das Beste aus zwei Städten, für viele Abende.
Klingt nach einem Ausflug, den ihr euch nicht entgehen lassen solltet – egal ob mit Kindern, mit Freunden oder einfach so. Das beste Programm im Main-Gebiet kommt eben nicht immer aus dem Radio – manchmal steht es auf einer Bühne aus Pappkarton. Jetzt reinhören war gestern. Jetzt reinschauen ist heute!






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