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Cold Case Bierkönig: Frankfurter Ermittler hoffen auf neue Spuren im Mordfall Meisel

Der Mord am Bierkönig-Betreiber Manfred Meisel aus Frankfurt bleibt nach fast 30 Jahren ungeklärt.

Redaktion
·
7. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 12 Minuten

Ein fast 30 Jahre alter Mordfall mit Frankfurt-Bezug

Der Bierkönig am Ballermann kennt jeder, der schon mal auf Malle gefeiert hat. Was viele nicht wissen: Hinter dem Erfolg der Partylocation steckt ein Frankfurter – und sein Schicksal ist bis heute ungeklärt. Manfred Meisel, zuvor Betreiber der Apfelweinwirtschaft „Struwwelpeter“ in Frankfurt-Sachsenhausen, baute den Bierkönig Ende der Achtzigerjahre zu einer der bekanntesten Partyadressen Mallorcas aus. In der Nacht zum 12. November 1997 wurde der damals 49-Jährige zusammen mit seinem achtjährigen Sohn Patrick und seiner Angestellten Claudia Leisten auf seiner Finca bei S’Aranjassa erschossen. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt.

Drei Opfer, viele Fragen

Eine Haushälterin fand die drei Opfer am Morgen nach der Tat. Meisel und Claudia Leisten lagen im Erdgeschoss, der kleine Patrick im ersten Stock in seinem Zimmer. Alle drei wurden durch Kopfschüsse getötet, als Schalldämpfer diente den Tätern offenbar ein Kissen. Meisels Lebensgefährtin war zum Tatzeitpunkt nicht vor Ort, sie hielt sich in Deutschland auf. Nach FAZ-Informationen fanden Ermittler im Haus größere Mengen Bargeld und Schmuck, die die Täter nicht mitnahmen – ein klassischer Raubmord scheint damit unwahrscheinlich. Im Haus wurden zudem zwei unterschiedliche Fußspuren entdeckt, was auf mehrere Täter hindeuten könnte. Wie die Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigte, wurden außerdem mehr als 300 Zeugenhinweise im Laufe der Jahre aufgenommen.

Gastro-Rivalitäten oder Papageien-Mafia?

Rund um den Fall ranken sich bis heute zahlreiche Theorien. Mit dem Bierkönig hatte Meisel eines der erfolgreichsten Lokale auf der sogenannten Schinkenstraße aufgebaut – das habe ihm nicht nur Freunde gemacht. Laut Mallorca-Zeitung galt er als „aggressiver Geschäftsmann“. Als weiteres mögliches Tatmotiv gilt seine Papageienzucht: Auf seiner weitläufigen Finca züchtete Meisel Vögel aus Südamerika, zeitweise soll er einer der größten Papageienzüchter Europas gewesen sein. Wegen des lukrativen Handels könnte er sich die sogenannte Papageien-Mafia zum Feind gemacht haben, wird spekuliert. Auch Schutzgelderpressung und Geldwäsche standen als Motive im Raum, ließen sich aber nie erhärten.

Zehn Jahre nach der Tat gerieten die spanischen Ermittler kurzzeitig an Meisels damaligen Geschäftsführer. Nach seiner Vernehmung kam er wieder frei, da er für die Tatnacht ein Alibi hatte.

Verjährt in Spanien, nicht in Deutschland

In Spanien ist der Mord seit 2017 verjährt. Da Manfred Meisel deutscher Staatsbürger war und zuvor in Frankfurt gelebt hatte, ist aber auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft für das Verfahren zuständig – und in Deutschland verjährt Mord nicht. Die Behörde hat den Cold Case deshalb neu aufgerollt und sich erstmals ausführlicher zu den kursierenden Theorien geäußert. Ein Sprecher sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, man könne letztlich keine der Theorien gänzlich ausschließen, da nach wie vor unklar sei, wer für die Tat verantwortlich ist.

Oberstaatsanwalt Dominik Mies erklärte, es seien im Laufe der Ermittlungen immer wieder Zeugen vernommen worden und es habe auch Anhaltspunkte gegeben, die sich jedoch stets wieder zerschlugen. Nun hofft man auf neue Impulse: Der Fall wurde am Mittwoch, dem 7. Oktober, in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ vorgestellt. Die Staatsanwaltschaft erhofft sich dadurch neue sachdienliche Hinweise, etwa von Zeugen, die damals Beobachtungen gemacht haben oder denen später etwas zugetragen wurde.

Hoffnung auf Mitwisser nach Jahrzehnten

Den Ermittlern ist klar, dass Erinnerungen nach fast 30 Jahren verblassen. Trotzdem glaubt man, dass sich in bestimmten Milieus frühere Mitwisser noch äußern könnten. Mies sagte dazu, es passiere immer wieder, dass sich Loyalitäten über die Jahre änderten und Personen dann Dinge erzählten, die sie vorher verschwiegen hätten – genau darauf setze man auch in diesem Fall. Der SWR hat die Rivalitäten am Ballermann zudem im Podcast „Die Könige der Nacht“ aufgearbeitet, nachzuhören bei ARD Sounds.

Ob sich durch den Fernsehaufruf tatsächlich neue Spuren ergeben, bleibt abzuwarten. Fest steht: Der Fall Bierkönig gehört zu den rätselhaftesten Mordfällen mit Frankfurter Bezug – und die Staatsanwaltschaft lässt trotz aller Rückschläge nicht locker.

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