
Christian Reitz sichert sich dramatisch das WM-Ticket in Suhl – dank starker Nerven und schwächelnder Konkurrenten.
Was für ein Comeback! Christian Reitz, Olympiasieger und einer der bekanntesten Sportschützen Deutschlands, hat sich bei der deutschen WM-Qualifikation in Suhl im absolut letzten Moment sein Ticket für die Weltmeisterschaften gesichert. Der 39-Jährige vom SV Kriftel lag nach zwei von drei Durchgängen mit der Luftpistole noch weit hinter seinen Konkurrenten – die Chancen auf eine erneute WM-Teilnahme wirkten so gut wie vertan. Und dann? Dann zeigte sich, warum Erfahrung und mentale Stärke im Schießsport alles entscheiden.
Im entscheidenden dritten Wettkampf blieb Reitz stabil und erzielte ein solides Ergebnis von rund 575 Ringen. Die Schützen vor ihm konnten dem Druck dagegen nicht standhalten und brachen regelrecht ein. Bundestrainer Detlef Glenz brachte es auf den Punkt: „Sie haben vielleicht die Situation nicht ganz verkraftet, dass sie sich gegen die Favoriten durchsetzen können. Wenn man es nicht gewohnt ist, in so einer Situation zu sein, verschießt man halt einen Elfmeter.“ Reitz rückte damit im allerletzten Moment noch auf Rang drei vor und löste sein WM-Ticket für Doha in Katar.
Erschwerend kamen in Suhl die besonderen Lichtverhältnisse in der großen Schießsporthalle hinzu. Das gelbliche Licht erschwert es vielen Schützen, den Kontrast zwischen Visier und Scheibe scharf zu erkennen – Rekorde werden dort selten geschossen, wie Glenz erklärte. Reitz blendete all das aus. Glenz kommentierte erleichtert: „Christian hat sich noch einmal gerettet. Das hat mich riesig gefreut.“
Während Reitz sein Drama erlebte, lieferten die deutschen Schnellfeuerpistolen-Schützen in Suhl eine beeindruckende Vorstellung ab. Florian Peter, Emanuel Müller und der ebenfalls aus Kriftel stammende Oliver Geis lösten wie erwartet ihre WM-Tickets. Müller glänzte mit starken 590 Ringen, Geis erreichte als Bestwert 584 Ringe. Am konstantesten zeigte sich Peter, der mit 588 und 590 Ringen echte Weltklasse-Ergebnisse auf die Scheibe zauberte und im Gesamtergebnis der drei besten Resultate mit 1766 Ringen knapp vor Müller (1765) landete. Europameister Geis folgte mit 1749 Ringen. „Da haben sich die Besten durchgesetzt. Sie haben noch einmal super Ergebnisse geschossen, wirklich Weltklasse“, lobte Glenz das Trio.
Auch aus Krifteler Vereinssicht lief es insgesamt stark: Bei den Frauen setzte sich die ehemalige Weltmeisterin Doreen Vennekamp mit der Sportpistole souverän durch. Einzig für Svenja Berge lief es nicht nach Plan – die Kriftelerin verpasste die WM-Qualifikation sowohl mit der Sport- als auch mit der Luftpistole deutlich.
Für die qualifizierten Schützen geht es jetzt direkt weiter: Am Freitag starten die Deutschen Meisterschaften in München auf der Olympia-Anlage in Garching-Hochbrück – mit knapp 10.000 Starts das größte nationale Sportschützenfest. Danach folgt im Oktober ein Weltcup in Kairo, ehe Ende Oktober die WM in Doha beginnt. Bundestrainer Glenz blickt trotz aller Unsicherheiten in der Welt optimistisch nach vorne.
Wir von Radio Frankfurt drücken Christian Reitz und dem gesamten Team die Daumen – der Rhein-Main-Region hat er mit diesem starken Nerv mal wieder eine echte Heldengeschichte geliefert. Jetzt reinhören und mitfiebern – der Sound der Weltstadt begleitet euch durch alle großen Momente!






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