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Café Deutschland: Frankfurter Herzensprojekt erhält höchste Kirchenauszeichnung

Das Café Deutschland in Frankfurt wird mit der Bartholomäusplakette ausgezeichnet. Seit zehn Jahren hilft das ökumenische Projekt Menschen mit…

Redaktion
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28. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 33 Minuten

Ein Ort zum Reden – und zum Ankommen

Frankfurt ist bunt, Frankfurt ist vielfältig – und Frankfurt hat Herz. Genau das beweist das „Café Deutschland“ seit mittlerweile zehn Jahren. Jeden Mittwochnachmittag treffen sich in der katholischen Sankt-Ignatius-Gemeinde im Gärtnerweg 60 Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung, um gemeinsam Deutsch zu sprechen, Kontakte zu knüpfen und einfach mal durchzuatmen. Kein Leistungsdruck, kein Bewerbungsstress – einfach reden, lachen, ankommen. Jetzt hat das ökumenische Projekt die verdiente Anerkennung bekommen: Die Katholische Stadtkirche verleiht dem „Café Deutschland“ ihre höchste Auszeichnung, die Bartholomäusplakette.

Sprechen, wo Sprachkurse aufhören

„Das Sprechen kommt in den Sprachkursen manchmal zu kurz“, sagt Claudia Eberling, die von Anfang an bei dem Projekt dabei ist und sich schon seit Kindesbeinen in der Gemeinde engagiert. Genau hier setzt das Café an: Ehrenamtliche wie Eberling begleiten die Gäste beim freien Gespräch – über Lieblingsessen, über Alltagssituationen, über alles, was gerade bewegt. An einem Tisch erzählt Ajay Koodakattil Sebastian, IT-Ingenieur aus Indien, dass sein Lieblingsessen Reis mit Hühnchen ist – sehr scharf. Saritha Kohuparampil, ebenfalls aus Indien, schwärmt von Fischcurry. Und Anastasiia Chichkina aus der Ukraine? Ihr Lieblingsessen ist Lasagne. Klingt simpel – ist aber genau der Punkt. Diese entspannten Gespräche bauen Hemmungen ab und geben Selbstvertrauen.

An anderen Tischen wird Grammatik geübt oder offen darüber gesprochen, warum viele Gäste sich scheuen, in der Öffentlichkeit Deutsch zu reden. „Ich denke, ich kann die Sprache noch nicht gut genug“, sagt eine der Teilnehmerinnen – und die anderen nicken. Dieses Café gibt ihnen den Raum, trotzdem den Mund aufzumachen.

Willkommen in Deutschland – aber bitte ohne Arbeitserlaubnis?

So schön das Ankommen im Café ist, so holprig ist es oft im echten Leben. Eberling spricht Klartext: „Es ist ein großes Problem. Die meisten möchten arbeiten, dürfen aber nicht.“ Fehlende Arbeitserlaubnisse oder andere Genehmigungen bremsen qualifizierte Menschen aus – darunter Ärzte, die nicht einmal als Aushilfskräfte im Krankenhaus arbeiten dürfen, solange die Papiere fehlen. Anastasiia Chichkina ist Kunstpädagogin und will in der Kulturbranche Fuß fassen. Saritha Kohuparampil war in Indien als Buchhalterin tätig und möchte das auch hier wieder tun. Ajay Koodakattil Sebastian will als IT-Ingenieur durchstarten. Alle drei bringen Qualifikationen mit – und alle drei warten.

„Unsere Gesellschaft macht es den Menschen schwer, auch mit den Vorurteilen gegenüber Ausländern“, sagt Eberling. Ihr Appell ist klar: „Wir müssen anfangen umzudenken.“ Denn ohne diese Menschen würde der deutsche Arbeitsmarkt schlicht zusammenbrechen.

Bartholomäusplakette für zehn Jahre Herzensarbeit

Was 2016 als Reaktion auf die gestiegene Zahl geflüchteter Menschen in Frankfurt entstand, ist heute ein festes und verlässliches Angebot – an mehreren Standorten in der ganzen Stadt. Die Katholische Stadtkirche würdigt diese Arbeit nun mit der Bartholomäusplakette, ihrer höchsten Auszeichnung. Verliehen wird sie am 30. August im Haus am Dom. „Das ist eine tolle Wertschätzung“, sagt Eberling – und man merkt, dass sie es wirklich so meint.

Das Jubiläum wird außerdem am Freitag, 18. September, ab 16 Uhr in der Katholischen Gemeinde Sankt Ignatius, Gärtnerweg 60, gefeiert. Wer das Café kennenlernen oder unterstützen möchte: Es gibt weitere Standorte – montags in der Evangelischen Sankt Petersgemeinde, Jahnstraße 20, mittwochs in der Kaffeestube Gutleut der Evangelischen Hoffnungsgemeinde, Gutleutstraße 131, donnerstags in der Evangelischen Dornbuschgemeinde, Carl-Goerdelerstraße 1, und samstags in der Katholischen Gemeinde Sankt Bernhard, Eiserne Hand 2-4.

Das „Café Deutschland“ zeigt, was Frankfurt ausmacht: zusammenkommen, zuhören, füreinander da sein. Genau der Sound, den diese Stadt braucht.

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