
Der Bücherschrank am »Alten Flugplatz« in Bonames wurde Ende Juli 2026 zum vierten Mal angegriffen – diesmal durch Brandstiftung.
Sie stehen für offene Kultur, Gemeinschaft und unkomplizierten Zugang zu Büchern: Frankfurts über 70 öffentliche Bücherschränke sind aus den Stadtteilen kaum wegzudenken. Seit der erste Schrank im November 2009 am Merianplatz aufgestellt wurde, hat sich das Konzept im ganzen Stadtgebiet etabliert. Doch immer wieder schlagen Vandalen zu – und besonders hart trifft es einen Standort in Bonames und Kalbach.
Der Bücherschrank am »Alten Flugplatz« vor dem ehemaligen Towergebäude wurde im März 2020 auf Antrag des Ortsbeirats errichtet. Seitdem blickt er auf eine erschreckende Zerstörungsserie zurück. Anfang 2022 zerschlugen Unbekannte die Scheiben aus Spezialglas, rissen eine Tür aus der Verankerung und verstreuten die Bücher über die Wiese. Nach einer aufwendigen Reparatur folgte im November 2022 der zweite schwere Vorfall – wieder zertrümmerte Glasscheiben, monatelang nur durch Plastikfolie geschützt.
Ende Juli 2026 erreichte die Gewalt eine neue Dimension: Am frühen Morgen des 30. Juli 2026 verübten Unbekannte einen Brandanschlag. Die Bücher gingen komplett in Flammen auf, die Türen mussten entfernt werden, und Behörden sperrten den Ort mit rot-weißem Flatterband ab. Es war bereits der vierte Anschlag auf diesen einen Schrank. Die Polizei ermittelt. Ob die Stadt Frankfurt den Standort ein weiteres Mal wiederaufbaut, ist noch offen – die abgeschiedene Lage und die damit fehlende soziale Kontrolle sprechen dagegen.
Der Vorfall ist leider kein Einzelfall. Im gesamten Frankfurter Stadtgebiet haben Bücherschränke immer wieder mit Vandalismus, Graffiti und Brandstiftungen zu kämpfen. Der Bücherschrank am Malvenweg auf dem Frankfurter Berg brannte in den vergangenen zehn Jahren allein dreimal. Auch in Griesheim und Höchst kam es zu Feuersbrünsten und Beschädigungen. Das Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) zählte seit 2014 mindestens 11 Brandstiftungen im Stadtgebiet – mit Reparaturkosten von insgesamt rund 60.000 Euro. Hinzu kommen personelle Engpässe im ASE, die schnelle Instandsetzungen und die Genehmigung neuer Standorte zusätzlich erschweren.
Dass die meisten Frankfurter Bücherschränke trotzdem gut funktionieren, liegt am unermüdlichen Einsatz ehrenamtlicher Paten. Sie sortieren regelmäßig Bestände, entfernen beschädigte Bände und kümmern sich um die Pflege – unbezahlt und aus echter Überzeugung. Doch auch sie stoßen an Grenzen: Wenn Kisten mit unbrauchbaren Bücherspenden einfach vor den Schränken abgestellt werden oder gewerbsmäßige Flohmarkthändler systematisch hochwertige Literatur entnehmen, um sie weiterzuverkaufen, wird selbst das größte Engagement auf die Probe gestellt.
Die Bücherschränke sind mehr als nur Tauschstationen – sie sind ein Stück gelebter Frankfurter Gemeinschaft. Der Sound der Weltstadt steckt auch in diesen kleinen, offenen Regalen mitten in unseren Stadtteilen. Ob der Schrank am »Alten Flugplatz« wieder aufgebaut wird, ist aktuell noch unentschieden. Der Wunsch der Frankfurterinnen und Frankfurter nach funktionierenden Lesestellen ist aber klar – und ungebrochen. Jetzt reinhören und mit uns über das Thema diskutieren!






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