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Biber baut Wasserburg 2.0 – Hainhausen steht unter Wasser

In Hainhausen haben Biber die Wiesen an der Burgstraße geflutet – dort stand im Mittelalter eine echte Wasserburg. Was steckt hinter dieser kuriosen Geschichte?

Redaktion
·
12. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 8 Stunden

Wenn die Natur die Geschichte wiederholt

Was für eine Geschichte! In Hainhausen haben Biber ausgerechnet die Wiesen an der Burgstraße in einen See verwandelt – und genau dort stand im Mittelalter eine echte Wasserburg. Der Zufall ist kaum zu glauben: Die tierischen Deichbaukünstler haben sich den historisch passendsten Fleck in der ganzen Region ausgesucht. Willkommen im Main-Gebiet, wo Natur und Geschichte manchmal Hand in Hand gehen!

Mittelalter trifft Gegenwart

Hainhausen verdankt seinen Namen den „Herren von Haginhusen“, die 1108 erstmals in einer Urkunde erwähnt wurden. Noch im 12. Jahrhundert zog die Adelsfamilie nach Eppstein im Taunus um – und wurde dort zu einer der mächtigsten Familien des Hochmittelalters. Ihre einstige Burg? Eine Wasserburg, der Überlieferung nach. Reste davon sind bis heute als Bodendenkmal erhalten, drei archäologische Grabungen fanden zwischen 2012 und 2014 statt.

Und jetzt? Staut die Rodau wieder – diesmal nicht durch Menschenhand, sondern durch fleißige Biber. Zwei große Wasserflächen haben sich an der Burgstraße gebildet. Dort, wo sich der eine See befindet, thronte einst die Turmburg der Herren von Haginhusen. Das nennst du echtes Lokalkolorit!

Der Biber – Architekt der Artenvielfalt

Der Europäische Biber ist das größte Nagetier Europas – und das einzige, das seinen Lebensraum aktiv selbst gestaltet. Ausgewachsene Tiere werden bis zu 1,30 Meter lang. Fast 400 Jahre lang galt der Biber in Hessen als ausgerottet. Vor rund 40 Jahren kehrte er zurück: 18 Exemplare wurden im Spessart angesiedelt. Heute zählt der Naturschutzbund (Nabu) Hessen rund 2.600 Biber in 790 Revieren – auch im Kreis Offenbach.

Für den Naturschutz ist das eine echte Erfolgsgeschichte. Der Nabu Hessen bezeichnet den Biber als „Auenarchitekten“, der verbaute Flussauen wieder naturnah gestaltet. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie nennt ihn sogar eine „Schlüsselart der Gewässerökosysteme“. Das aufgestaute Wasser trägt zur Grundwasserneubildung und zum Hochwasserschutz bei – und zahlreiche Brutvögel, Insekten und Amphibien haben sich in der Rodau-Aue wieder angesiedelt.

Michael Knauer – der Biber-Flüsterer aus Jügesheim

Einer kennt die Biber-Reviere entlang der Rodau besonders gut: Michael Knauer aus Jügesheim. Im Auftrag des Regierungspräsidiums Darmstadt ist er als ehrenamtlicher Biberbetreuer unterwegs – von Jügesheim bis Mühlheim und Offenbach. Seine wichtigste Erkenntnis: Biber sind unberechenbar. „So schnell, wie der Biber da ist, kann er auch wieder weg sein“, erklärt er. Im Winter hänge das vor allem vom Nahrungsangebot ab. Fehlen Weichhölzer wie Weiden und Pappeln, sucht sich der Biber einen neuen Lebensraum.

Und noch etwas räumt Knauer mit einem Mythos auf: „Der Biber baut nur so hoch wie nötig.“ Die Vorstellung, die Dämme würden immer weiter wachsen, sei ein Märchen. Wichtig sei vor allem, dass der Eingang zur Biberburg unter dem Wasserspiegel liegt.

An der Burgstraße selbst hat Knauer übrigens noch keine Biberburg entdeckt. Aktuell seien die Tiere eher südlich der August-Neuhäusel-Straße aktiv. Für die Anwohner des neu entstandenen Bibersees besteht derzeit kein Grund zur Sorge: Rohre für eine Dammdrainage liegen vorsorglich bereit und können eingebaut werden, wenn sich die Lage ändert.

Biber oder Nutria? So erkennst du den Unterschied!

Wer am Ufer ein Tier sichtet, tippt schnell auf einen Biber – meistens liegt er aber falsch. Knauer zufolge handelt es sich bei den meisten gemeldeten Sichtungen um die deutlich kleineren Nutrias. Der einfachste Trick: „Die Nutria hat weiße Barthaare. Und wenn es tagsüber ist und das Tier nicht abtaucht, ist es definitiv eine Nutria.“ Biber sind nämlich nachtaktiv und äußerst scheu.

Natur und Mensch – nicht immer konfliktfrei

So faszinierend die Rückkehr des Bibers auch ist – ganz ohne Reibung geht es nicht. Knauer bringt es auf den Punkt: „Das Froschkonzert ist natürlich schon ein Störfaktor.“ Doch für den Naturfreund überwiegen die Vorteile deutlich. Hainhausen hat mit seiner neuen Wasserlandschaft an der Burgstraße jedenfalls eine ziemlich einzigartige Kulisse – mittelalterliche Geschichte inklusive. Jetzt reinhören, was die Rodau-Region noch so zu bieten hat!

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