Beim Bartholomäustag 2026 in Frankfurt wurden Ehrenamt und Offenheit gefeiert. Die Bartholomäusplakette ging an café deutschland und Action 365.
Hinsehen, sich öffnen, verstehen – das war das Motto des diesjährigen Bartholomäustags der katholischen Stadtkirche Frankfurt. Und was für ein Tag das war! Von früh morgens bis in den späten Nachmittag zog der traditionelle Feiertag rund um den Bartholomäusdom Gläubige aus allen Himmelsrichtungen an – zu Fuß, mit dem Rad, der Bahn und sogar per Schiff. Der Anlass: die Verehrung der Reliquie des Apostels Bartholomäus, der als Stadtpatron Frankfurts gilt.
Den Auftakt machte der Festgottesdienst im vollbesetzten Bartholomäusdom. Acht Chöre aus Frankfurter Kirchorten hatten sich eigens für diesen Tag zu einem großen Klangkörper zusammengeschlossen. Christiane Moser-Eggs, die die Stadtkirche gemeinsam mit Michael Thurn leitet, brachte es in ihrer Begrüßung auf den Punkt: „Die Vielfalt der Chöre vereint zu hören ist ein schönes Bild für unsere vielfältige Stadtkirche.“
Pfarrer Martin Sauer leitete den Gottesdienst unter dem Titel „Komm und sieh“ – und wurde dabei erstaunlich politisch. Er zog eine Parallele zwischen der Bartholomäusgeschichte aus der Bibel und Frankfurt selbst: „Wer erstmals nach Frankfurt kommt, hat vielleicht nicht den besten ersten Eindruck. Doch der zweite Blick ist entscheidend, denn er versteht.“ Frankfurt wolle kein Disneyland sein, das sich nach vorne schön macht und hinten alles versteckt – die Stadt stehe für Offenheit und Vielfalt. Mit Blick auf politische Entwicklungen in Deutschland mahnte Sauer: „Möge uns die Herkunft von Menschen irgendwann egal sein.“
Die Kollekte des Festgottesdienstes geht in diesem Jahr an die katholische Telefonseelsorge im Haus der Volksarbeit in Frankfurt. Wie Michael Thurn erklärte, führt sie jährlich rund 10.000 Gespräche – ohne öffentliche Zuschüsse und ausschließlich mit ehrenamtlichen Kräften. Die Finanzierung werde zunehmend zur Herausforderung.
Am Nachmittag verlieh die Stadtkirche im Haus am Dom die begehrte Bartholomäusplakette – und Oberbürgermeister Mike Josef war erstmals dabei. Sein Fazit war klar: „Ehrenamt ist gelebte Demokratie.“ Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr zwei ökumenisch getragene Projekte, die Frankfurts Stadtgesellschaft aktiv mitgestalten.
Marianne Brandt, Vorsitzende des Stadtsynodalrats, betonte die Bedeutung des Moments: „Darin ist das Wunder zu sehen, dass sich im Ehrenamt auch der Gebende wandelt, weitet, reift.“ Claudia Eberling, die die Plakette stellvertretend für das café-deutschland-Team entgegennahm, sagte sichtlich bewegt: „Dieser Preis macht uns unendlich glücklich.“ Und sie schickte eine klare Botschaft hinterher: „Die Menschen, die von außerhalb kommen, möchten von uns allen hier mit Freude und ein bisschen Respekt aufgenommen werden.“
Nach dem Gottesdienst lud die Stadtkirche zum gemeinsamen Verweilen auf dem Domplatz ein – mit Wein, Wasser, Brezeln und Kuchen. Am späten Nachmittag endete der Bartholomäustag mit einer Vesper im Dom. Christinnen und Christen aus orthodoxen Geschwisterkirchen kamen ebenfalls, um an der Reliquie zu beten. Mitglieder der muttersprachlichen Gemeinden hielten Wache, um die kostbare Reliquie zu schützen.
Der Bartholomäustag 2026 hat einmal mehr gezeigt: Frankfurt ist eine Stadt, die hinsieht, die sich öffnet – und die Menschen ehrt, die genau das jeden Tag tun. Das ist der Sound der Weltstadt!






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