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Bäcker Eifler geht an Finanzinvestor – Was bedeutet das für Frankfurts Backkultur?

Der Bäcker Eifler – seit 1921 Frankfurter Tradition – gehört jetzt zum norwegischen Finanzinvestor FSN Capital. Was das für die Region bedeutet, lest ihr hier.

Redaktion
·
17. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 5 Tagen

Eine Frankfurter Institution vor dem Wandel

Frische Brötchen, knuspriges Brot, vier Generationen Familientradition – der Bäcker Eifler ist seit 1921 ein fester Teil des Rhein-Main-Gebiets. Doch jetzt steht ein riesiger Einschnitt an: Der norwegische Finanzinvestor FSN Capital hat eine Mehrheitsbeteiligung an dem Frankfurter Traditionsunternehmen übernommen. Für viele Stammkunden stellt sich die Frage: Bleibt das Eifler-Brötchen noch das Eifler-Brötchen?

95 Filialen, 200 Mitarbeitende – und jetzt Teil einer großen Gruppe

Der Bäcker Eifler ist alles andere als ein kleiner Laden um die Ecke. Von der zentralen Produktion in Frankfurt-Fechenheim aus beliefert das Unternehmen rund 95 Filialen im Rhein-Main-Gebiet mit Brot, Backwaren, Konditoreiprodukten und Snacks. Rund 200 Mitarbeitende sorgen täglich dafür, dass die Regale voll sind. Dieses Unternehmen ist jetzt Teil der neu gegründeten BrotWert Group – gemeinsam mit Bäcker Görtz aus Ludwigshafen und der Bäckerei Pappert aus Eichenzell in Osthessen. Zusammen betreiben die drei Ketten laut FSN Capital rund 500 Filialen in Nordbayern sowie der Rhein-Main- und Rhein-Neckar-Region. Damit zählt die Gruppe nach eigenen Angaben zu den größten regionalen Bäckereigruppen Deutschlands.

Die Familie bleibt an Bord

Gerhard und Michael Eifler werden das Unternehmen auch künftig leiten. Die Familie bleibt zudem am Betrieb beteiligt. Michael Eifler, Geschäftsführer des Unternehmens, zeigte sich optimistisch: „Der Bäcker Eifler stand schon immer für Tradition und Qualität sowie für Innovation und kontinuierliche Verbesserung. Ich freue mich, das Unternehmen in eine Gruppe zu führen, in der wir als Familienunternehmen nicht nur Werte und Ziele teilen, sondern auch unsere Stärken bündeln können.“ Auch Peter Görtz, Gruppen-CEO der BrotWert Group, lobte den Deal: „Der Bäcker Eifler ist eine der bestgeführten und profitabelsten Bäckereien Deutschlands.“

Finanzinvestoren und Handwerk – passt das zusammen?

Der Deal ist kein Einzelfall. Laut einem Bericht der Tagesschau ist die Zahl der aktiven Private-Equity-Gesellschaften in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen – von knapp 350 im Jahr 2016 auf heute mehr als 550, so Zahlen des Bundesverbands Beteiligungskapital. Wirtschaftsprofessor Oliver Gottschalg, Experte für Private-Equity-Investitionen, erklärte gegenüber der Tagesschau, dass Finanzinvestoren vor allem dort zuschlagen, wo Wertsteigerungspotenzial steckt – und das gehe nicht zwingend ums Kernprodukt: „Da geht’s jetzt gar nicht mal so sehr um Brötchen.“

Robin Mürer, Co-Managing Partner bei FSN Capital, betont dagegen: „Wir bauen Deutschlands führende Bäckereigruppe auf, mit einem klaren Fokus auf Regionalität, Handwerk und Tradition. Damit wollen wir die langfristige Zukunft dieser Betriebe und ihrer Mitarbeitenden sichern.“

Kritische Stimmen aus dem Handwerk

Nicht alle sind überzeugt. Markus Glasl vom Ludwig-Fröhler-Institut für Handwerkswissenschaften warnt, dass durch solche Übernahmen die kleinbetrieblichen Strukturen des Handwerks zerstört werden könnten – Strukturen, die wichtig für Ausbildung und die Versorgung im ländlichen Raum seien. Renditeorientierte Entscheidungen könnten dazu führen, dass kleinere Backstuben in Dörfern schließen.

Auch der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks mahnt zur Vorsicht. Verbandsgeschäftsführer Friedemann Berg brachte es auf den Punkt: „Die Übernahme von Bäckereien durch Investoren darf nicht dazu führen, dass die Vielfalt und damit die Seele des Bäckereihandwerks verschwindet.“ Mehr Effizienz dürfe nicht mit einem Sparprogramm gleichgesetzt werden.

Was kommt jetzt für Frankfurt?

Über die finanziellen Details des Deals haben die beteiligten Parteien Stillschweigen vereinbart. Der Abschluss der Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt einer möglichen fusionskontrollrechtlichen Prüfung. Klar ist: Der Bäcker Eifler bleibt vorerst Eifler – mit denselben Gesichtern an der Spitze und denselben Filialen im Rhein-Main-Gebiet. Ob das Handwerk dabei wirklich im Mittelpunkt bleibt oder ob die Rendite das letzte Wort hat, wird sich zeigen. Wir bei Radio Frankfurt – dem Sound der Weltstadt – bleiben für euch dran und halten euch auf dem Laufenden!

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