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Als die Nidda noch das Freibad der Frankfurter war

Bis in die 1970er Jahre war die Nidda das Freibad der Frankfurter – 1926 gab es sogar 39 Badestellen. Wir blicken zurück auf eine unbeschwerte Zeit am Fluss.

Redaktion
·
24. Juli 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 4 Stunden

Sprung ins kühle Nass – direkt in der Nidda

Stell dir vor: Kein Freibad, keine Warteschlange an der Kasse, kein Chlorgeruch – einfach Handtuch schnappen, zur Nidda laufen und rein ins Wasser. Genau so war es für Generationen von Frankfurterinnen und Frankfurtern ganz normal. Bis in die 1970er Jahre war die Nidda das Freibad der Stadt – und das nicht nur an einer Stelle.

1926 gab es in Frankfurt ganze 39 offizielle Badestellen an Main und Nidda. 39! Das klingt heute fast unvorstellbar, wenn man bedenkt, dass Baden im Fluss heute offiziell nicht erlaubt ist. Damals aber war es der Sommer schlechthin – für Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus Rödelheim, Eschersheim, Hausen und vielen anderen Stadtteilen.

„Ich habe in der Nidda schwimmen gelernt“

Armin Kroneisen, langjähriger Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Rödelheim, erinnerte sich noch gut daran: „Ich habe in der Nidda schwimmen gelernt, irgendwann zwischen 1940 und 1942.“ Mit seinen Freunden sprang er gegenüber des damaligen Strandbads im Brentanopark ins Wasser. Den Eintritt von zehn Pfennig konnten sich die Jungs oft nicht leisten – also schwammen sie kurzerhand durch die Nidda, sehr zum Ärger des Bademeisters. Der sollte genau das verhindern. Konnte er aber letztlich nicht.

Dieses Bild sagt alles: Der Sommer gehörte dem Fluss. Keine Ablenkung durch Smartphones oder Tablets – beim ersten Sonnenstrahl ging’s raus ans Wasser.

Rödelheim, Eschersheim & Co. – Flussbäder überall

Besonders bekannt war das Rödelheimer Flussbad am Blauen Steg, am Ende der Marquardstraße. Um 1920 eröffnet, kostete es keinen Eintritt – daher nannte man es damals wirklich „Freibad“. Ein Sprungbrett, Liegewiesen, Holzstege – mehr brauchte es nicht, um an heißen Sommertagen die Massen anzulocken. Viele Rödelheimer lernten dort schwimmen, viele verbrachten ihre kompletten Sommerferien an der Nidda.

Auch in Eschersheim hatte die Nidda ihren großen Auftritt. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand dort ein Flussbad an einem Seitenarm des Flusses – mit Umkleiden, Stegen und Liegewiesen. Das Wasser strömte direkt aus der Nidda in das Badegelände. Erst 1971 wurde das Flussbad zu einem modernen Beckenbad umgebaut. Das markante, 142 Meter lange Schwimmbecken folgt bis heute dem Verlauf des ehemaligen Niddaarms – ein stiller Gruß an die Vergangenheit.

Warum das Flussbad verschwand

Das Ende der Nidda-Flussbäder kam schleichend. Mit der Industrialisierung und dem starken Bevölkerungswachstum verschlechterte sich die Wasserqualität zunehmend. Die Frankfurter wollten moderne Freibäder mit aufbereitetem Wasser. Und so verschwanden die Flussbäder nach und nach – manche wurden zu Beckenbädern, andere wurden ganz aufgegeben.

Wer heute am Blauen Steg in Rödelheim spazierengeht, entdeckt auf der Seite des Barfüßers noch Stufen in der Böschung. Lange waren sie von Gras und Moos überwuchert. Der Ortsbeirat 7 kämpfte jahrelang für ihre Freilegung – mit Erfolg. Heute sitzen dort an lauen Sommerabenden Menschen und genießen die Natur. Eine kleine Erinnerung an große Sommertage.

Und heute? Finger weg vom Wasser!

Die gute Nachricht: Dank umfangreicher Renaturierungsmaßnahmen ist die Nidda heute deutlich sauberer als noch vor einigen Jahrzehnten. Die weniger gute Nachricht: Schwimmen ist trotzdem tabu. Die Stadt Frankfurt schreibt auf ihrer Homepage, dass Baden aus „Gesundheits- und Naturschutzgründen nicht befürwortet“ wird. Fließgewässer unterliegen starken Qualitätsschwankungen und weisen oft hohe Keimbelastungen auf. Dazu kommen streng geschützte Uferbereiche als Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Also bleibt es bei Füße-ins-Wasser-halten, Schatten unter alten Bäumen genießen und Kanufahrer beobachten. Und natürlich bei den Erinnerungen – an eine Zeit, als sich der Frankfurter Sommer nicht nur am, sondern auch im Fluss abspielte. Der Sound der Weltstadt hat eben auch eine Geschichte, die weit ins letzte Jahrhundert zurückreicht.

Quellen


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