
Ein Condor-Airbus verpasste die Landeerlaubnis in Frankfurt um Sekunden und musste nach Köln ausweichen.
Freitagnacht, kurz vor Mitternacht: Ein Condor-Airbus im Anflug auf Frankfurt – und plötzlich gibt der Pilot Gas, statt zu landen. Was wie ein Notfall klingt, hat einen vergleichsweise nüchternen Grund: Das strenge Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen. Der Flug DE1809 aus Olbia auf Sardinien verpasste die Landeerlaubnis um nur wenige Sekunden. Ein Drama in der Luft, das zeigt, wie konsequent Frankfurt beim Lärmschutz bleibt.
Alles begann mit einem technischen Problem noch vor dem Start. Wie eine Condor-Sprecherin gegenüber der tagesschau.de bestätigte, musste der Abflug des Airbus A320 in Olbia wegen einer technischen Fehlermeldung verschoben werden. Statt wie geplant um 20.15 Uhr hob die Maschine erst um 22.39 beziehungsweise – nach Angaben der tagesschau.de – um 22.40 Uhr ab. Das Luftfahrt-Portal Aerotelegraph hatte zuerst über den Vorfall berichtet.
Von da an war klar: Die Crew steckte in einem Wettlauf gegen die Zeit. Der planmäßige Flug von Olbia im Nordosten Sardiniens nach Frankfurt dauert laut Flugplan rund eineinhalb Stunden – rein rechnerisch wäre die Maschine also erst nach Mitternacht angekommen. Doch die Piloten holten auf dem Weg über das Mittelmeer und die Alpen ordentlich Zeit auf.
Wie aus Daten des Flugverfolgungsprotokolls Flight Aware hervorgeht, leitete der Pilot um 23.45 Uhr die Landung ein – gut eine Stunde nach dem Start. Um 23.59 Uhr war der Flieger bereits bis auf rund 250 Meter gesunken und befand sich in Sichtweite der Landebahn. Bild.de berichtete von rund 300 Metern Höhe und einer Geschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde in diesem Moment.
Doch es reichte nicht: Wegen weniger Sekunden gab es keine Landeerlaubnis mehr. Am Frankfurter Flughafen gilt zwischen 23 Uhr und 5 Uhr ein striktes Nachtflugverbot. Verspätete Landungen sind zwar bis Mitternacht zulässig – aber nur, wenn sich die Verspätung nicht schon aus der Flugplangestaltung ergibt. Genau das war hier der Fall, denn der Flug war zu spät gestartet und damit planmäßig nach 0 Uhr unterwegs. Ab Mitternacht sind keinerlei Landungen mehr erlaubt.
Der Pilot brach den Landevorgang ab und startete durch – lautstark, mitten in der Nacht über Frankfurt. Als Ausweichziel steuerte die Crew den Flughafen Köln/Bonn an, an dem kein vergleichbares Nachtflugverbot gilt. Gegen 0.30 Uhr landete die Maschine dort. Die Passagiere wurden anschließend per Bus zurück nach Frankfurt gebracht.
Die Condor-Sprecherin teilte dazu mit, die geplante Landung in Frankfurt sei „sehr knapp in das dort geltende Nachtflugverbot“ gefallen, weshalb die Maschine kurzfristig nach Köln umgeleitet worden sei.
Der Fall zeigt: Frankfurt macht beim Thema Nachtruhe keine Ausnahmen – nicht mal für einen Airbus, der bereits die Landebahn in Sichtweite hat. Das Nachtflugverbot ist einer der schärfsten Lärmschutzregeln an einem deutschen Großflughafen, und genau das schützt Hunderttausende Anwohnerinnen und Anwohner im Main-Gebiet jede Nacht. Wer hier schläft, darf darauf vertrauen: Um 23.59 Uhr ist Schluss – egal wie knapp es wird.






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