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45 Jahre Startbahn West: Frankfurts Protest-Geschichte im Main-Gebiet lebt weiter

45 Jahre nach der Räumung: Wie der Protest gegen die Startbahn West den Frankfurter Flughafen und die Region bis heute prägt – Hüttenkirche, Mauer und Kinofilm.

Redaktion
·
6. November 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 4 Stunden

Der Sound der Weltstadt kennt auch leise Töne – die Geschichte der Startbahn West

Frankfurt und sein Flughafen, das ist eine Geschichte voller großer Momente. Aber zu dieser Geschichte gehört auch ein Kapitel, das bis heute nachwirkt: der Kampf um die Startbahn West. Am 2. November 1981 – also vor 45 Jahren – wurde das sogenannte Hüttendorf im Flörsheimer Forst geräumt, in dem Startbahngegner lange Zeit gelebt und protestiert hatten. Ein Thema, das gerade wieder sichtbar wird, und zwar gleich an zwei Orten in unserer Region.

Kinofilm zeigt den Protest von damals

Im Kommunalen Kino Groß-Gerau läuft 45 Jahre nach den Protesten der Kinofilm „Keine Startbahn West – Eine Region wehrt sich“. Wie echo-online.de berichtet, erreichte der Kampf um die Baustelle der Startbahn West im November 1981 seinen Höhepunkt: Über 220.000 wahlberechtigte hessische Bürger gaben ihre Unterschrift für ein Volksbegehren gegen den Startbahnbau ab, über 100.000 Menschen demonstrierten in Wiesbaden, Zehntausende zogen Woche für Woche in den Wald. Trotzdem wurde das Volksbegehren abgeschmettert.

Der technisch nachbearbeitete Film aus dem Jahr 1982 lief laut echo-online.de um 17.45 und um 20.15 Uhr, der Eintritt kostete 7 Euro. In einer Mischung aus dokumentarischen Aufnahmen, Spielszenen, Konzertmitschnitten und experimentellen Montagen versuchten die Filmemacher damals, die politische Entfremdung der Bürger vom System nachvollziehbar zu machen. Nach jeder Vorstellung stand Filmemacher Thomas Frickel für Fragen zur Verfügung.

Das Hüttendorf im Flörsheimer Forst

Wie demokratiegeschichten.de schildert, beantragte die Flughafen-Betreibergesellschaft FAG bereits 1965 den Bau einer neuen Startbahn im Westen – dafür sollte ein rund sieben Hektar großes Waldgebiet abgeholzt werden. Noch im selben Jahr gründete Kurt Oeser, später bekannt als „Startbahnpfarrer“, in Mörfelden die Interessengemeinschaft zur Bekämpfung des Fluglärms. Diese Bürgerinitiative wurde zu einem zentralen Akteur der Protestbewegung.

Als im Herbst 1980 die Rodungen im Flörsheimer Wald begannen, errichteten Startbahngegner ein Hüttendorf aus 60 stabilen Holzbauten, in denen zeitweise bis zu 100 Menschen lebten. An den Wochenenden kamen laut demokratiegeschichten.de Tausende zu Demonstrationen, auch prominente Unterstützer wie die Schriftsteller Peter Härtling und Horst Karasek waren dabei. Mittelpunkt des Dorfes war die Hüttenkirche, in der Gottesdienste, Versammlungen, Hochzeiten und Taufen stattfanden. Im Herbst 1981 beteiligten sich bis zu 120.000 Menschen an den Protesten, bevor das Hüttendorf am 2. November 1981 von der Polizei geräumt und abgerissen wurde.

Die Hüttenkirche steht bis heute

Engagierte Bürger verhinderten damals die Zerstörung der Hüttenkirche – sie konnte nach Verhandlungen mit der FAG demontiert werden. 1986 wurde sie an ihrem heutigen Standort zwischen Mörfelden und Walldorf wieder aufgebaut. Dort steht sie bis heute, direkt daneben ein rund sechs Meter langes Stück der ehemaligen Startbahnmauer. 2019 wurden zwei weitere Mauerelemente als Denkmal aufgestellt, der Transport wurde vom Flughafenbetreiber selbst organisiert. Auf der Mauer ist bis heute der Slogan „Weiterarbeiten am Modell Deutschland“ zu lesen.

Ende 1981 lehnte die Hessische Landesregierung das Volksbegehren gegen die Startbahn West trotz der 220.000 Unterschriften ab, auch der Rechtsweg scheiterte. 1987, zum sechsten Jahrestag der Räumung, erschoss ein militanter Startbahngegner bei einem „Sonntagsspaziergang“ an der Mauer zwei Polizisten – ein Ereignis, nach dem sich die Protestbewegung laut demokratiegeschichten.de endgültig auflöste.

Warum das heute noch wichtig ist

Die Ereignisse um die Startbahn West prägen das politische Selbstverständnis der Rhein-Main-Region bis heute, so demokratiegeschichten.de. Hüttenkirche und Mauerreste gelten als Ort der Demokratiegeschichte, als Mahnmal und als Treffpunkt für Dialog. Die Stadt Mörfelden-Walldorf versteht die Hüttenkirche bis heute als „lebendigen Ort der Auseinandersetzung und des Dialogs“.

Ein Stück Frankfurter Flughafen-Geschichte, das zeigt: Auch bei uns im Main-Gebiet gab es Zeiten, in denen die Region hart um ihre Zukunft gerungen hat. DANKE AN 344.000 HÖRER, die mit uns gemeinsam auf die Geschichte unserer Heimat zurückblicken!

Quellen

Update: Es gibt neue Entwicklungen zu diesem Thema:

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