Pro Asyl feierte 40 Jahre im Frankfurter Römer – Mitgründer Micksch enthüllte: Das Innenministerium sprach einst über die Org wie über eine Terrororganisation.
Frankfurt hat gefeiert – und zwar mit Herz und Haltung! Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl beging ihr 40-jähriges Bestehen beim Festakt im Frankfurter Römer. Gegründet im September 1986 als Bundesarbeitsgemeinschaft, ist die Organisation heute eine feste Größe im Kampf für Flüchtlingsrechte – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Doch der Abend hatte auch nachdenkliche Töne: Der Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt am Wochenende vor dem Festakt warf einen langen Schatten auf die Feier.
Das vielleicht überraschendste Gesprächsthema des Abends lieferte Mitgründer Jürgen Micksch. Er erinnerte daran, wie zäh die Anfänge waren: 1986 gelang die Gründung im kleinen Kreis von gerade mal 15 Personen – Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden und Initiativen. Noch brisanter war seine Enthüllung über das damalige Klima: Im Bundesinnenministerium habe man über Pro Asyl gesprochen, „als ob es um eine Terrororganisation ginge“. Dabei, so Micksch, schütze die Organisation die Verfassung. Eine starke Aussage – und ein deutliches Zeichen, wie hart der Kampf für Menschenrechte von Beginn an war.
Frankfurts Diversitätsdezernentin Tina Zapf-Rodriguez (Grüne) erschien zum Festakt in einem auffällig roten Pro-Asyl-T-Shirt mit der Aufschrift „Menschenrechte kennen keine Grenzen“. Kein Zufall: Die Grüne arbeitete vor ihrer politischen Karriere zwei Jahre lang für die Organisation. Ihr Appell an die Gäste war klar: „Demokratie muss jeden Tag neu gelebt werden und jeden Tag neu verteidigt werden.“ Pro Asyl gehöre zu Frankfurt, dieser „superdiversen Stadt“ – und werde auch in Zukunft gebraucht. „Wir brauchen Pro Asyl auch in den nächsten 40 Jahren“, stellte sie fest.
Festrednerin Manuela Bojadžijev, Migrationsforscherin an der Humboldt-Universität Berlin, rückte die historische Dimension des Abends ins Blickfeld. Sie erinnerte daran, dass polemische Debatten über Migration kein neues Phänomen sind – und zitierte den früheren Berliner Innensenator Heinrich Lummer (CDU) mit den Worten: „Grundrechte hin, Grundrechte her – die Zahl der Ausländer muss niedriger werden.“ Dennoch bezeichnete sie Pro Asyl als „eine der hartnäckigsten, politisch beweglichsten und erfolgreichsten zivilgesellschaftlichen Organisationen“ in ganz Europa. „Ziel von Pro Asyl war stets eine Politik der Hoffnung“ – dieser Satz erntete lautstarken Applaus von mehreren Hundert Gästen.
Immer wieder fiel an diesem Abend der Leitspruch der Organisation: „Der Einzelfall zählt.“ Pro-Asyl-Vorsitzende Halima Gutale brachte es auf den Punkt: „40 Jahre Pro Asyl zeigen: Widerspruch wirkt.“ Diese Geschichte mache Mut. Und das Versprechen für die Zukunft steht: Pro Asyl werde „weiter widersprechen, wenn Menschenrechte angegriffen werden.“ Frankfurt kann stolz sein – auf eine Organisation, die hier ihren Ursprung hat und die Welt ein Stück gerechter machen will. Der Sound der Weltstadt eben!






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