
Das Theater Willy Praml verwandelt die Naxoshalle mit 20 Tonnen Erde in einen Lebensweg. Premiere von Handkes „Selbstbezichtigung“ ist am 28.
Stell dir vor, du betrittst eine historische Fabrikhalle – und was dich empfängt, sind 20 Tonnen Erde, pilzbewachsene Baumstämme, Reisig und trockenes Laub aus dem Frankfurter Stadtwald. Genau das erwartet dich demnächst in der Naxoshalle im Ostend, wo das Theater Willy Praml gerade an einer der spannendsten Produktionen der Saison probt. Der Sound der Weltstadt trifft auf uralte Theatertradition – und das Ergebnis dürfte sich sehen lassen!
Regisseur Michael Weber hat sich für Peter Handkes „Die Selbstbezichtigung“ entschieden – einen rund 60 Jahre alten Text, der zur gleichen Zeit wie Handkes „Publikumsbeschimpfung“ entstand, die den Autor schlagartig berühmt machte. Weber selbst zeigt sich begeistert von der Vorlage: „Er ist unglaublich dicht geschrieben, voll unglaublicher Tiefe und manchmal auch ganz banal. Das ist eine faszinierende Mischung.“ Handke, der 2019 den Nobelpreis für Literatur erhielt, ist laut Weber ein großer Waldgänger – und genau das spiegelt das Bühnenbild wider, das Weber ebenfalls selbst entworfen hat. Eine echte Hommage also!
Das aufwendige Bühnenbild ist übrigens alles andere als eine schnelle Idee: Das Theater holte sich extra eine Genehmigung, um Bäume und Blätter aus dem Stadtwald einsammeln zu dürfen. Der Mutterboden wurde bei einer Firma gekauft – alles läuft legal und mit Bedacht.
Die Naxoshalle verwandelt sich für diese Produktion in einen tiefergelegten Laufsteg, einen Lebensweg. Am Anfang drängen und zwängen sich die Darstellerinnen und Darsteller durch einen Vorhang, am Ende wartet eine weiße Tür. Dazwischen: jede Menge Dreck, Staub und blütenweise Hemden – Kostüme von Paula Kern –, die ganz schnell ihre Unschuld verlieren.
Besonders bemerkenswert: Es gibt nur 70 Plätze, und das Publikum sitzt so nah an der Bühne, wie man es im Theater selten erlebt. Jede Schweißperle ist sichtbar, jede Emotion unmittelbar spürbar. Weber sagt dazu: „Man sieht, was Schauspieler machen, nämlich sich verwandeln.“ Das macht das ganze Erlebnis unglaublich intim – und aufregend.
Auf der Bühne stehen die vertrauten Schauspielerinnen und Schauspieler des kleinen freien Theaters: Jakob Gail, Muawia Harb, Birgit Heuser, Anna Staab und ihre Tochter Elin. Neu dabei ist außerdem Regieassistentin Eleonora Gobena Wolf, die ebenfalls mitspielt. Weber betont, dass die Truppe sich diesmal besonders intensiv mit dem Text auseinandergesetzt hat: „Ich bin diesmal sehr stark von den Schauspielern ausgegangen, das war fast ein Rechercheprojekt für uns.“
Im Kern des Stücks geht es laut Weber um „die Vertreibung aus dem Paradies und den Wunsch nach Rückkehr“ – und um das Theaterspielen selbst. „Der Schauspieler ein Marmorfels in der Brandung“ – so bringt er es auf den Punkt.
Die Premiere von Peter Handkes „Die Selbstbezichtigung“ in der Inszenierung von Michael Weber findet am 28. August in der Naxoshalle im Frankfurter Ostend statt. Das beste Programm im Main-Gebiet macht auf diese Produktion aufmerksam – denn Theater wie dieses ist genau das, was Frankfurt so besonders macht. Sei dabei, wenn 20 Tonnen Erde die Bühne zum Lebensweg werden!






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