Studio-Hotline 069–669 669 0

100 Jahre Mousonturm: Vom Seifenpalast zum Künstlerhaus im Frankfurter Ostend

100 Jahre Mousonturm in Frankfurt: Der expressionistische Klinkerbau im Ostend feiert Jubiläum – von der Seifenfabrik Mouson zum Künstlerhaus der Avantgarde.

Redaktion
·
18. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 3 Tagen

Ein Frankfurter Wahrzeichen feiert Geburtstag

Der Sound der Weltstadt hat viele Gesichter – und einer der markantesten ist der Mousonturm im Frankfurter Ostend. 100 Jahre alt wird der 33 Meter hohe Klinkerbau in der Waldschmidtstraße, und das wird an diesem Wochenende ordentlich gefeiert! Was heute als Künstler:innenhaus und Bühne für die künstlerische Avantgarde bekannt ist, hat eine faszinierende Geschichte hinter sich – eine, die mit Seife, Parfüm und einem weltberühmten Markennamen beginnt.

Mouson macht schön – eine Weltmarke aus Frankfurt

Firmengründer Friedrich August Mouson, gebürtiger Berliner, legte den Grundstein des Unternehmens bereits 1798 in der Breiten Gasse 43. 1879 zog die Fabrik auf das heutige Gelände im Ostend um und wuchs kontinuierlich. Der markante Turm aus rötlichem Klinker wurde schließlich 1926 fertiggestellt – im selben Jahr übrigens wie die Opelwerke in Rüsselsheim. Bauherr war Fritz Mouson, der im Jahr der Fertigstellung verstarb. Die Architekten Robert Wollmann und Gärtner leiteten die Arbeiten.

Im Inneren des Turms pulsierte das Geschäftsleben: Im achten Stock befand sich ein Wasserreservoir, es gab Räume für Versand sowie zur Herstellung von Zahnpasta, Seifen und Parfüm. Besonders raffiniert: Ein mondänes chinesisches Zimmer sollte wohl das fernöstliche Parfüm „Tai-Tai“ aus dem Hause Mouson bewerben. Der Slogan „Mouson macht schön!“ wurde zum Versprechen einer weltbekannten Marke – das Postkutschen-Logo der Firma war international ein Begriff.

Expressionismus mit optischem Trick

Der Frankfurter Architekt DW Dreysse, eine Koryphäe für die Industriearchitektur der 1920er Jahre, schwärmt noch heute von der gestalterischen Qualität des Gebäudes. „Es gibt an der Fassade ganz zarte, einfache Dekors, sei es oben an der Traufe, sei es an den Leibungen der Fenster. Das will etwas Besonderes sein und darstellen“, erklärt er. Denn hier wurde keine beliebige Fabrik errichtet – hier entstand Kosmetik, und das sollte die Architektur widerspiegeln.

Dreysse hat außerdem einen cleveren Kniff der Architekten entdeckt: Die Stockwerke werden nach oben hin niedriger und springen leicht zurück – eine optische Täuschung, die den Turm monumentaler und zugleich eleganter wirken lässt. Seit 1976 steht der Mousonturm unter Denkmalschutz – zurecht, wie man sagen muss.

Übrigens: Die oft gehörte These, der Mousonturm sei Frankfurts erstes Hochhaus gewesen, widerlegt Dreysse klar. „Hochhäuser werden für Büros oder Wohnungen genutzt. Frankfurts erstes Hochhaus, das ist das Gewerkschaftshaus von Max Taut im Gutleut. Der Mousonturm ist ein hohes Haus, aber eher ein Signet des Unternehmens.“ Spektakulär ist er trotzdem – Superlative braucht dieses Bauwerk gar nicht.

Krieg, Abriss und Neuanfang

Die gläserne Laterne, die einst wie ein Leuchtturm das Dach des Mousonturms krönte, fiel im Zweiten Weltkrieg Flakgeschützen zum Opfer und wurde abgerissen. Das Unternehmen selbst geriet nach dem Krieg in schweres Fahrwasser: 1972 wurde es verkauft, wechselte mehrfach den Besitzer und gab 1982 nach einer Fusion seinen Traditionsnamen auf. Das einstige Fabrikensemble wurde in den 1980er Jahren größtenteils abgerissen – Industriearchitektur hatte damals wenig Lobby.

Doch der Turm überlebte. Ende 1988 wurde er nach einem Umbau durch das Büro Albert Speer und Partner als städtisches Kulturzentrum neu eröffnet. Seitdem ist aus dem Seifenpalast ein Künstlerhaus geworden – und heute ist der Mousonturm eine der wichtigsten Bühnen für zeitgenössische Kunst und darstellende Künste im Main-Gebiet.

Jetzt feiern – 100 Jahre Mousonturm!

Von der Seifenfabrik zum Avantgarde-Hotspot: Diese Geschichte ist so reich und vielschichtig, dass man sich nur wünschen kann, sie wäre rund ums Gebäude besser sichtbar dokumentiert. Zu einem so runden Jubiläum wäre das eine echte Bereicherung für alle Frankfurterinnen und Frankfurter. Schaut vorbei, feiert mit und entdeckt eines der schönsten Bauwerke der klassischen Moderne – direkt vor eurer Haustür im Ostend. Das ist Frankfurt, wie wir es lieben!

Quellen

Artikel teilen
Hilf uns, lokale Nachrichten zu verbreiten.

Dein Beitrag für Radio Frankfurt

Ob Meinung, Hinweis oder persönliche Geschichte: Reiche deinen Kommentar ein. Unsere Redaktion prüft deinen Beitrag vor der Veröffentlichung.
Einsatz von KI
Dieser Beitrag wurde mithilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage redaktionell ausgewählter Quellen erstellt, mehrstufig geprüft und vor der Veröffentlichung durch unsere Redaktion freigegeben. KI-generierte Bilder sind entsprechend gekennzeichnet.

Das könnte dich auch interessieren

Diskutiere mit!
Anonym und ganz ohne Anmeldezwang!
Alle Kommentare werden von unserer Redaktion im Vorfeld geprüft.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

1
Kontakt
2
Unterlagen
3
Datenschutz
WhatsApp vorhanden?
    Datenschutz*

    Kontaktformular

    Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.