
Leo Express stoppt den Zug Frankfurt–Prag–Przemyśl wegen Bauarbeiten in Deutschland. Infos zu Entschädigung, Gründen und den Zukunftsplänen des Bahnbetreibers.
Nur gut drei Monate nach dem Start ist schon wieder Schluss: Die Zugverbindung von Frankfurt nach Przemyśl in Polen wird eingestellt. Der tschechische Bahnbetreiber Leo Express hat die Reißleine gezogen – und das mitten in der Saison. Grund dafür sind Baumaßnahmen auf deutschen Strecken, die den Fahrplan laut Unternehmen komplett durcheinanderwirbeln.
Wie das Portal Lok-Report berichtet, geht die Streichung aus dem Buchungssystem von Leo Express hervor. Sprecher Emil Sedlařík bestätigte die Entscheidung gegenüber der tschechischen Fachseite Zdopravy.cz. Seine Begründung ist deutlich: Es sei schlicht nicht mehr machbar, praktisch jeden Tag mit einem anderen Fahrplan zu fahren – mit ständigen Sperrungen, Umleitungen und Umleitungen über Umleitungen.
Nach Angaben von therailagenda.com fuhr der letzte Zug am 4. Oktober, die Rückfahrt sollte am 5. Oktober erfolgen. Danach ist erstmal Pause – und zwar für den Rest des Jahres. Ob und wann die Verbindung zurückkehrt, ist offen. Leo Express steht nach eigenen Angaben in Verhandlungen mit der Deutschen Bahn über künftige Fahrplantrassen.
Die rund 1.300 Kilometer lange Strecke verband den Frankfurter Flughafen über Leipzig, Dresden, Prag, Ostrava und Krakau mit Przemyśl nahe der ukrainischen Grenze – eine echte Fernverbindung quer durch halb Europa. Wer bereits ein Ticket für eine Fahrt nach dem 5. Oktober gekauft hat, wird laut Leo Express vom Kundenzentrum kontaktiert und nach geltendem Recht entschädigt.
Dabei war der Start im Juni durchaus mit Ambitionen verbunden. Leo-Express-Chef Peter Köhler hatte die Verbindung als Angebot für Menschen aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt beworben, die mit Tschechien persönliche Kindheitserinnerungen verbinden – Prag-Besuche, Wanderungen in Mähren, früher oft nur mit dem Trabant erreichbar. Mit dem neuen Zug sollte diese Reise jetzt bequem und modern möglich sein.
Wie therailagenda.com berichtet, lief der Betrieb von Anfang an unter erschwerten Bedingungen. Zunächst fuhren die Züge nur zwischen Frankfurt und Bohumín an der tschechisch-polnischen Grenze, der Rest der Strecke nach Przemyśl wurde per Bus zurückgelegt – ein notwendiger Zwischenschritt, bis eine wirtschaftliche Gleichgewichtsprüfung in Polen abgeschlossen war. Schon zum Verkaufsstart im Dezember 2025 war die reine Fahrzeit zwischen Przemyśl und dem Frankfurter Flughafen mit rund 18 Stunden kalkuliert. Bis Ende Juli wuchs die tatsächliche Fahrzeit auf über 19 Stunden in Richtung Westen und sogar über 20 Stunden Richtung Osten an – mit drei ehemaligen DB-Wagen, darunter ein Liegewagen.
Offen bleibt, was die Entscheidung für die weiteren Pläne von Leo Express bedeutet. Der Anbieter will ab 13. Dezember eine neue Verbindung zwischen Prag, Pilsen, Regensburg und München starten, nachdem er sich in einer Ausschreibung des tschechischen Verkehrsministeriums gegen die Tschechischen Bahnen durchgesetzt hat. Jenseits der Grenze soll dieser Zug laut Leo Express in Kooperation mit einem deutschen Partner im Auftrag Bayerns fahren. Ob die Probleme auf dem deutschen Schienennetz auch dieses Vorhaben gefährden, hat das Unternehmen bislang nicht mitgeteilt.
Für Frankfurt heißt es also erstmal: Abwarten. Die direkte Zugverbindung in Richtung Prag und Polen ist Geschichte – zumindest für dieses Jahr. Wer in den Osten will, braucht vorerst wieder einen Plan B.






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