Wolf Biermann stellte auf der Frankfurter Buchmesse neue Tagebücher und Gedichte vor und äußerte scharfe Kritik an der israelischen Regierung im Gaza-Krieg.
Die Frankfurter Buchmesse gehört zu den wichtigsten Terminen im Kulturkalender – und in diesem Jahr stand sie auch im Zeichen von Wolf Biermann. Am 7. Oktober stellte der Liedermacher dort Auszüge aus seinen Tagebuchaufzeichnungen vor, die unter dem Titel „Ihr löscht das Feuer mit Benzin“ erscheinen. Herausgeber ist Ilko-Sascha Kowalczuk. Darin geht es vor allem um seine Zeit in der DDR und die Jahre nach seiner Ausbürgerung bis zum Mauerfall 1989. Wie die Zeit berichtet, veröffentlicht Biermann zudem einen Lyrikband, ein neu aufgelegtes Kinderbuch und zwei neue Musikalben. Der Sound der Weltstadt trifft hier auf ein Stück deutsch-deutscher Geschichte – spannend für alle, die Frankfurt und seine Buchmesse lieben.
Der neue Band mit dem Titel „Mit uralten Kinderaugen“ versammelt Gedichte und Lieder, die größtenteils in den vergangenen 20 Jahren entstanden sind. Eine Ausnahme bildet der Text „Frau Freiheit“ aus dem Jahr 1963, den Biermann laut BR aus Furcht vor dem imaginären Spott Bertolt Brechts lange in der Schublade ließ. Im Buch finden sich auch Texte zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und zum Terroranschlag der Hamas vom 7. Oktober 2023. Besonders hervorzuheben ist laut BR eine Nachdichtung von Jewgeni Jewtuschenkos „Babyn Jar“ unter dem deutschen Titel „Die Altweiberschlucht“ – ein Text über die Ermordung der Juden in Kiew nach dem deutschen Einmarsch 1941. Biermann habe bei einem Besuch in der Ukraine 1992 selbst die Gedenkstätte in Babyn Jar besucht.
Am 15. November wird Wolf Biermann 90 Jahre alt, wie die Zeit berichtet. Einen Tag später jährt sich zum 50. Mal seine Ausbürgerung aus der DDR. Ende Oktober kommt zudem der Dokumentarfilm „Biermann“ über sein Leben in die Kinos.
Neben den literarischen Neuerscheinungen sorgte Biermann auch mit politischen Aussagen für Aufsehen. Der Nachrichtenagentur dpa sagte er laut Zeit-Bericht: Was Israel derzeit im Gazastreifen mache, sei zwar kein Genozid, aber „ein Kriegsverbrechen. Ohne Wenn und Aber!“ Das treffe viele Menschen auf der Welt, ihn selbst aber „doppelt und dreifach“. Biermann hat jüdische Wurzeln, sein Vater wurde im Holocaust ermordet.
Die „schlimmsten und gefährlichsten Antisemiten“ lebten im Moment in Israel, sagte Biermann weiter und bezog sich dabei laut Zeit offenbar auf die israelische Regierung. Diese sei dabei, das Land in einen „reaktionären, brutalen Unterdrückerstaat“ zu verwandeln. Seine Hoffnung auf ein demokratisches, menschliches Israel sei dahin, so Biermann.
Wolf Biermann war schon immer ein Mann klarer Worte – egal ob es um die DDR, Krieg oder Freiheit geht. Im Lebens-Lieder-Buch, das die Jahre 1962 bis 1990 umfasst, wird laut BR auch nachvollziehbar, wie der Schriftsteller Manès Sperber in Paris in den 80er Jahren Biermanns Bruch mit dem Kommunismus angestoßen habe. Für Biermann war die Ausbürgerung aus der DDR im November 1976 ein echter Bruch in seinem Leben – der Beginn einer neuen Zeit, wie er selbst formuliert.
Mit seinen neuen Büchern und seinem Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse zeigt Wolf Biermann einmal mehr: Er bleibt ein Mahner und Chronist seiner Zeit – zwischen Lyrik, Erinnerung und politischer Haltung. Das beste Programm im Main-Gebiet hält euch natürlich auch bei den nächsten Terminen rund um die Buchmesse auf dem Laufenden. Jetzt reinhören auf radiofrankfurt.de!






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