
Philipp Allendorff aus Wicker hat den Winzermeister bestanden – als einziger Rheingauer seines Jahrgangs.
Gute Neuigkeiten aus dem Main-Gebiet! Der 26-jährige Philipp Allendorff aus Wicker hat seine Fortbildung zum Winzermeister erfolgreich abgeschlossen – und das als einziger Teilnehmer seines Jahrgangs, der im Rheingau in einem Familienbetrieb arbeitet. Zwei andere Kollegen aus der Region sind vorher ausgestiegen. Respekt, Philipp!
Angefangen hat alles 2018 mit der regulären Winzerausbildung beim Weingut Künstler in Hochheim. Danach war für Allendorff klar: Wie man Wein macht, das hat er verstanden. Aber die betriebswirtschaftlichen Aspekte? Die haben komplett gefehlt. Genau das wollte er ändern. Nach zwei Jahren Berufserfahrung im elterlichen Betrieb, dem Weingut Weidenmühle in Wicker, startete er 2023 die Meisterschule bei der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz.
Eigentlich dauert die Fortbildung zwei Jahre – bei Allendorff wurden es drei. Der Grund: Im Familienbetrieb war zeitweise einfach zu viel los, sodass er den betriebswirtschaftlichen Teil um ein Jahr verschob. Rückblickend kein Problem. „Man hat zwar immer noch genug Arbeit, aber es steht erst einmal keine Prüfung mehr an. Das fühlt sich fast wie Urlaub an“, sagt er.
Im ersten Jahr der Meisterschule lag der Fokus auf Betriebs- und Mitarbeiterführung. Außerdem musste Allendorff eine Projektarbeit anfertigen. Sein Thema: Vermarktung. „Der beste Wein bringt nichts, wenn man ihn nicht verkaufen kann“, sagt er – und hat damit voll ins Schwarze getroffen. Im Rahmen der Arbeit entwickelte er ein komplett neues Erscheinungsbild für das Weingut, inklusive Logo und neuer Etiketten.
Und das war noch nicht alles: Künftig soll auch der Name des Betriebs geändert werden. Das Weingut Weidenmühle tritt bald unter dem Namen „Weingut Philipp Allendorff“ auf. Der Grund ist simpel: „Es ist wichtig, dass die Menschen einen Bezug zum Winzer haben und ein Gesicht vor Augen sehen“, erklärt der frischgebackene Meister.
Was Allendorff während seiner Fortbildung besonders aufgefallen ist: Die Weinbranche verändert sich massiv. 2023 starteten noch rund 20 Winzer in seinen Meisterkurs. Der aktuelle Jahrgang beginnt nur noch mit etwa acht Teilnehmern. Die Ursache sieht er in den wirtschaftlichen Herausforderungen: Der Weinkonsum geht zurück, während Kosten für Material und Energie steigen – ohne dass der Verbraucher automatisch mehr zahlt.
Auch das Kundenverhalten hat sich gedreht. „Die Leute kommen nicht mehr auf den Hof und machen ihren Kofferraum voll. Sie möchten Wein erleben und ihn in ein Event einbinden“, so Allendorff. Die Antwort des Weinguts: mehr Veranstaltungen! Das „Weinleseerlebnis“ – gemeinsam mit einem Partner aus Frankfurt – soll deshalb erneut angeboten werden. Ein Tag im Weinberg, Einblicke in die Winzerarbeit, gemeinsames Essen und ein Besuch im Weinkeller. Klingt nach einem perfekten Ausflug, oder?
Mit dem Meistertitel in der Tasche könnte Allendorff das Weingut theoretisch auch als Ausbildungsbetrieb anerkennen lassen. Ob er das möchte, steht noch nicht fest. Fest steht aber: Nach und nach soll er den Betrieb von seinem Vater Stefan Allendorff übernehmen. Betriebswirtschaft, Vermarktung, neue Markenstrategie – der 26-Jährige bringt dafür jetzt das komplette Handwerkszeug mit. Wir drücken die Daumen für den neuen Kurs des Weinguts!






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